14 August 2011

Peru: Mancora, Chiclayo, Huanchaco, Caraz, Huaraz, Lima, Nasca, Arequipa, Colca, Puno, Cusco, Chinchero, Pisaq, Ollantaytambo, Machu Picchu, Puerto Maldonado

Ja, wir reisen noch! Und es ist großartig, zeitlich flexibel zu sein und sich für ein Land anstatt der angedachten vier Wochen auch sieben oder acht Zeit nehmen zu können, auch wenn Ihr so länger auf diesen Blog-Eintrag warten musstet: Peru.
Bienvenidos al Peru!
Bambushütte in Mancora
Ceviche
Kaffee mahlen auf dem Markt von Chiclayo
Inka Cola!
Perus Pazifikküste
Huanchaco
Chan Chan
Der nackte peruanische Hund
Welche Bilder verbinden wir mit Peru? Machu Picchu zwischen dicht bewachsenen Bergspitzen. Vielleicht kennt man noch ein Foto von den schwimmenden Inseln mit Gold leuchtendem Stroh. Schon tragen wir die Vorstellung in uns, das ganze Land sei fruchtbar, grün und bergig. Völlig falsch! Wer dies denkt kennt nun den wichtigsten Grund zu Reisen: Die Vorurteile und Stereotypen im Kopf durch Erlebnisse und Erfahrungen zu ersetzen.
Begonnen haben wir damit gleich an der Grenze. Nachdem wir auf der Busfahrt von Cuenca/Ecuador zur Küste zugesehen haben, wie die runden, grünen und gelben Hügel schroffen, braunen Felsformationen wichen, tauchten wir in ein Meer von Bananenplantagen ein. Je näher wir der Grenze kamen, desto trockener und brauner wurde es bereits. Die Grenzgemeinden waren so chaotisch wie üblich und wir waren ganz froh, dass wir einen Bus erwischt hatten, der uns zumindest bis ins erste größere Dorf Tumbes auf der peruanischen Seite brachte. Der Grenzfluss entsprach mehr als jeder andere dem Typ „River of shit“ und mit bestialischem Gestank in der Nase begrüßte uns ein großes Schild über flüchtig ausgemauerten Rohbauten mit einem herzhaften „Bienvenidos al Peru“. Nachdem wir beim Grenzübertritt von Kolumbien nach Ecuador nach langer Zeit mal wieder betuppt worden waren, indem der Geldwechsler einfach vor der Operation den Faktor 0,9 in den Taschenrechner eingegeben hatte, hatte ich meine Zusatzlektion gelernt und tippte diesmal wieder selbst. Trotzdem wollte der Wechsler weniger Geld raus rücken und nur mit Nachdruck klappte es, so dass ich schließlich ein wenig verwundert triumphierte, als er den letzten Sol widerwillig raus rückte. Dass er sich doch noch ins Fäustchen lachen konnte merkte ich im nächsten Laden, wo man den gefälschten Sol nicht annehmen wollte. Wer erwartet denn schon, dass sich jemand die Mühe macht Münzen im Wert von 30 Cent zu fälschen? Bei uns hat es für ein herzhaftes Lachen am Ende gesorgt.
Tumbes ist dreckig und hektisch, aber es erinnert mit den vielen Mopeds und Straßenständen auch an Asien. Wir teilten eines der koreanischen TukTuks mit den zwei Koreanerinnen aus dem Bus, die ohne Spanisch ziemlich hilflos waren und saßen kurz darauf im Colectivo nach Mancora. Vom Fahrer erfuhren wir, dass an diesem Tag die Präsidentenwahl sei und wir daher die Hitze mal wieder nicht mit kaltem Bier würden bekämpfen können. Wie schon mehrfach zwischen Mexiko und Ecuador erlebt, versucht man mit der temporären Prohibition die Latinos zur Wahl nüchtern zu halten. Erwartungsgemäß völlig erfolglos.
Durch die Entenschlucht
Markt von Caraz
Marktfrau von Caraz
Andines Frühstück
Kai und Nadja und die Lagune 69
Andental
Andenspitzen
Huaraz, eine typisch peruanische Stadt
In den Strassen von Huaraz
Nackte Meerschweinchen
Salsa Segen
Zurück zur Vegetation: Auf peruanischem Boden werden die Bananen durch Reisfelder abgelöst, was zumindest unsere Suche nach den geheimen lateinamerikanischen Reisquellen erfolgreich abschloss. Dann werden die Reisfelder schnell zu Sand und wir fuhren stundenlang durch nichts als Staub und Geröllhaufen. Ziemlich trostlos erschien uns die ganze Angelegenheit und entsprechend präsentierte sich auch Mancora, unser erster Halt in Peru, den wir mit Einbruch der Dämmerung erreichten. Ein kleines Dorf, dass sich mit staubigen Straßen zwischen eine lehmige Steilküste und den grauen Pazifik quetscht. Nur dank der guten Surfbedingungen hat sich mit der Zeit eine bescheidene touristische Infrastruktur gebildet, die aber im Wesentlichen aus zu teuren Restaurants und vielen Bars besteht. Wenn man so lange auf Reisen ist wird man ziemlich gut darin die frequent auftretenden Nöte zu Tugenden zu machen. Nachdem wir eine sehr charmante Bambushütte nah am Meer gefunden hatten beschlossen wir also unsere ersten Feldversuche in Sachen peruanischer Kultur in diesem repräsentativen 0815-Kaff durchzuführen. Den besten Zugang zu den Menschen findet man stets auf dem Markt, wo man uns bereitwilligen Zuhörern auch schon bald das Leid von den verlorenen Wahlen und den zu erwartenden Reformen klagte. Kulturversuch zwei führte uns anschließend in ein kleines Restaurant hinter dem Markt, wo wir nach der langen Zeit in den Bergen auf Meeresfrüchte aus waren. Die erste Amtshandlung war das verspeisen eines riesigen Berges Ceviche, Perus Nationalgericht. Dabei handelt es sich um rohen Fisch, mariniert in einer Mischung aus Limette, Chilli und frischen Kräutern. Dazu gibt es meist Yucca und Süßkartoffeln, die hervorragend zur sauren Marinade passen. Diese, „Leche de Tigre“, oder Tigermilch genannt, wird gerne auch schon vorher aus kleinen Schnapsgläsern pur getrunken (das erinnerte uns ein wenig an die usbekische Gepflogenheit das übrig gebliebene Öl aus dem Plov-Kessel zu trinken). Nach dem gegrillten Fisch, der köstlichen Parihuela, einer dicken Fischsuppe mit allem was das Meer an Früchten hergibt und den Rinderherzspießchen vom Grill, die wir auf dem Heimweg gefunden haben, hatten wir das Gefühl, dass uns mit Peru eine wunderbare Freundschaft verbinden könnte;-)
Zunächst ging es aber mal weiter durch Wüste, Sandberge und Steinfelder. Peru gliedert sich wie Kolumbien und Ecuador in den Küstenstreifen „La Costa“, das Hochland „La Sierra“ und das Amazonasgebiet „La Selva“. Der erste Teil unserer Route sollte auf dem Weg nach Süden überwiegend der Küste folgen. Um es vorweg zu nehmen: Wüste, Wüste, Wüste. Kein Grün, keine Bäume, keine Farbe. Dazu liegt im südamerikanischen Winter ständig eine Wolkendecke über dem Pazifik, der dank des Humboldtstroms auch noch zu kalt zum Baden ist. Der Wind bläst Staub, viel Müll und den gelegentlichen vertrockneten Busch durch die lehmfarbenen Siedlungen und die Slums aus Palmwedelhütten der Arbeiter der Pollofabriken und Spargelfelder stellen die einzige Abwechselung dar. Deprimierend? Und wie! Aber einerseits mussten wir ja mit unseren Vorurteilen aufräumen, andererseits wurde es durchaus spannend, als wir heraus gefunden hatten, dass diese Region vor mehreren Tausenden Jahren mal eine der fruchtbarsten Südamerikas gewesen ist und zahlreiche Hochkulturen von den Moche, Sican und Chimu bis hin zu den Inka hier gigantische Städte, Tempel und Pyramiden errichtet haben.
Altstadt Lima
Alpakamütze
Die Leibspeise der Peruaner
Lima Miraflores
Steilküste über dem Pazifik
Wüstenmalerei bei Nasca
Die Panamericana bei Nasca
Arequipa im Detail
Santa Catalina in Arequipa
Die letzte Nonne
Ufz!
Die erste große Stadt Perus erreichten wir mit Chiclayo, zugleich wahrscheinlich auch die untouristischste und asiatischste. Zwischen schäbigen mehrgeschossigen Häuserblocks wuseln Mopeds, zischen Fleischspieße auf den Grills und treiben fliegende Händler ihr Unwesen, die alles von Drogen bis zu ihrer Schwestern an den Mann bringen wollen. Spannend war der riesige Markt und die kleine darin versteckte Sektion, die vom Hexenmarkt eingenommen wird. Da gab es vom getrockneten Kaiman, über ausgestopfte Tukane, Schlangenköpfe, Haifischgebisse und Jaguarfelle noch unendlich viele exotische, verbotene Tierteile, am Stück, getrocknet und zerrieben als Pülverchen oder als Öl in kleine Phiolen gefüllt. Findet sich fürs entsprechende Leiden gerade kein Verstoß gegen das Artenschutzabkommen kann man sich umgehend den passenden Cocktail von einem der Brujos (Hexer) zusammen mixen lassen. Gut das der erste richtige Durchfall der Reise nach fünfzehn Monaten erst am nächsten Tag einsetzte und gut, dass wir noch ganz harmlose Kohletabletten in der Bordapotheke hatten, um diesem Herr zu werden.
Die Anfahrt mit dem Colectivo zu den archäologischen Stätten rund um Chiclayo war für uns fast ebenso spannend, wie die Sehenswürdigkeiten selbst. Kommt man so doch in die abgelegensten Winkel der kleinsten Dörfer, sieht der Fußballmannschaft beim Jubeln zu und blickt in das ein oder andere Wohnzimmer. Besonders lustig waren die Scharen von Feldarbeitern, die mit ihren Macheten in den Zuckerrohrfeldern ernteten und dann wie die Lemminge nackt und schwarz vom Staub in die Bewässerungsgräben sprangen, um sich zu waschen. Neben dem Grab vom Herrscher von Sipan wurden in den Überresten der riesigen Pyramiden nach und nach noch zahlreiche weitere Gräber gefunden. Die Pyramiden selbst wurden aus Millionen von luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet, die im Laufe der Zeit so sehr verwitterten, dass heute kaum mehr als einige Hügel davon übrig sind. Genau diese Tarnung hat aber vermutlich die Gräber und die Grabbeigaben vor den Spaniern geschützt und somit konnte einer der größten und interessantesten Goldschätze zusammen getragen werden, den wir im Museum Las Tumbas Reales in Lambayeque bestaunt haben.
Nach einer der für Peru üblichen langen Busfahrten (wie angenehm waren doch die kurzen Distanzen in Ecuador) natürlich durch Wüste blieben wir zum Zwischenstopp in dem kleinen Fischerdorf Huanchaco, dass sich mittlerweile zu einem beliebten Surferspot entwickelt hat. Aufgereiht am Strand stehen noch die kleinen Binsenböotchen mit denen auf dem offenen Meer gefischt wird und mit etwas Geduld kann man einen Peruaner beobachten, der mit einem großen Bambusrohr als Paddel durch die Brandung navigiert. Auf einem kleinen Markt konnten wir frische Meeresfrüchte kaufen und nutzten die Gelegenheit statt dem ewigen Reis mal wieder selbst Pasta in allen denkbaren Shrimps- und Tintenfischvariationen zu kochen. Nach Trujillo fuhren wir nur zu einem kurzen Rundgang über die mit bunten Kolonialhäusern umstandene Plaza de Armas, um dann per Colectivo weiter zur Sonnen- und Mondpyramide zu fahren. Zumindest etwas besser erhalten als die Bauwerke von Sipan kann man hier dank langjähriger Arbeiten die verschiedenen Tempel erkennen, die mit der Zeit übereinander gestülpt wurden und eine Vielzahl von interessanten Fresken und Malereien der Moche sehen. Am beeindruckendsten war aber die weltweit größte Lehmziegelstadt Chan Chan der Chimu Kultur. Ganz aus Adobe-Ziegeln errichtet umfasste sie im dreizehnten Jahrhundert über 10.000 Gebäude auf zwanzig Quadratkilometern und war mit mehr als 50.000 Einwohnern die größte Stadt Südamerikas zu ihrer Zeit. Der überwiegende Teil ist in Wind und Regen wie Wachs geschmolzen und nur mit Phantasie kann man sich die einstigen Ausmaße vor Ort vorstellen. Eines der ehemaligen Stadtviertel ist jedoch ausreichend erhalten um eine Vorstellung von Proportionen und Ausschmückungen zu bekommen. Bemerkenswert sind die Tierfresken mit ihrer Pacman artigen Pixelung. Hier trafen wir wie auch in der Nähe der anderen archäologischen Stätten an der Küste den haarlosen peruanischen Hund an. Tatsächlich vom Aussterben bedroht sieht er ohne Fell seltsam nackt und faltig aus. Er verfügt über eine erhöhte Körpertemperatur und wurde daher traditionell als eine Art Heizkissen gegen Rheuma und Arthritis eingesetzt!
Steinmännchenwüste
Alpakas
Vicuna
Cabanaconde
Cabanaconde unplugged
Kondor im Colca-Canyon
Kondor Portrait
Wollmütze?
Kind mit Hut
Der Colca-Canyon
Inkaterrassen
Hügel über Chivay
Altiplano
Vulkan Misti
Easy Rider
Um einen ersten Eindruck der peruanischen Bergwelt zu bekommen sollte es weitergehen in die Cordillera Blanca, eine Andenkette parallel zur Küste. Zunächst einmal mussten wir dazu nach Chimbote, dass mit großem Abstand den Preis der am schlechtesten riechenden Stadt auf unserer Reise verdient. Die Schuld dafür trägt die Fisch verarbeitende Industrie, die den Großteil der Stadt ausmacht. Den Titel für die hässlichste Stadt hält übrigens Poipet in Kambodscha, dann wiederum gefolgt schon von Chimbote. Entsprechend froh waren wir auch sofort einen Anschlussbus zu finden und mit einem herunter gewirtschafteten Kleinbus rumpelten wir die nächsten acht Stunden bei fünfunddreißig Grad die Schotterpiste durch den Canon del Pato, die Entenschlucht hinauf. Hoch über den Fluss in den rohen Fels gehauen und nur ausreichend breit für ein Fahrzeug war es eine der beängstigendsten, dafür aber auch beeindruckendsten Fahrten durch enge Tunnel und unter mächtigen Felsüberhängen. Caraz liegt auf 2300m und sollte für uns der Ausgangspunkt zum Santa Cruz Trek sein. Ein Problem in Peru und Bolivien ist, dass man durchaus schon mal mehrere Tausend Höhenmeter am Tag überwindet und das schnell zu Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Übelkeit und allen möglichen anderen lästigen Symptomen führen kann. Also haben wir uns zunächst mal etwas Ruhe gegönnt, um dann einen Tagesmarsch zur Höhen Akklimatisierung zu absolvieren. Dank mangelnder Recherche führte uns der Weg zur Lagune 69 zwar durch ein wunderschönes Tal mit Blumen und Wasserfällen vor schneebedeckten Bergen, dafür aber auch schon weit über 4000m, was sich in Gestalt von Überanstrengung und eines zwangsläufigen Ruhetages gerächt hat. Nach unserer viertägigen Wanderung haben wir unsere Erkältungen in Huaraz, das viel weniger touristisch als erwartet war, auskuriert und uns auf den Märkten rumgetrieben, wo die Zylinder tragenden Verkäuferinnen Berge von abgezogenen Meerschweinchen und Schafsköpfen anpriesen. Bestens an die Höhe gewohnt mussten wir leider zurück ans Meer und somit auf Null zurück (ziehen sie keine 4000 ein).
Besonders wild waren wir nicht auf die zehn Millionen Einwohner Limas, aber einerseits bot es sich als Stopp nach abermals neun Stunden Busfahrt an, andererseits soll es die kulinarische Hauptstadt Südamerikas sein. Für uns hat sich dies leider nicht bewahrheitet, denn essenstechnisch war es eher ein großer Reinfall nach dem anderen. Das lag aber vielleicht auch am Mangel an einfachen Restaurants in Miraflores, dem moderneren, fast europäisch anmutenden und durchaus ganz attraktiven Stadtteil in dem wir gewohnt haben. Wie üblich in Restaurants die vor allem auf Touristen abzielen bekamen wir sehr mittelmäßige Kost zu sehr überdurchschnittlichen Preisen. Erfahrungsgemäß sind die zwei oder drei Essen, die die Mutti in ihrem kleinen Eck-Comedor anbietet meist richtig gut wohingegen Restaurants, die von lokalen Spezialitäten über Pizza, Pasta und Burger alles anbieten oft nichts richtig gut können. Beim zufälligen Wiedersehen mit Reisebekannten aus Kolumbien haben wir uns dafür mit Perus Nationalgetränk Pisco Sour, einer Mischung aus Traubenschnaps, Eiweiß, Zucker und Limette vertröstet, frei nach dem Motto „Eine Grappa auf die Hause!“. Durchaus sehenswert ist die Altstadt von Lima mit ihren Kolonialbauten, den vielen Kirchen und den brummenden Gassen und wenn wir eine vernünftige Unterkunft gefunden hätten, hätten wir uns bestimmt auch noch das Künstlerviertel Barranco angesehen. So haben wir uns darauf beschränkt Chinatown zu begehen, auf dem Weg zum Busterminal die zwielichten Gassen zu erkunden bis uns eine Peruanerin geraten hat schnell in ein Taxi zu steigen und am Abend den Paraglidern im Sonnenuntergang vor der Steilküste über dem Pazifik zuzusehen an der die Wohntürme Miraflores abrupt enden.
Puno
Peruanische Softdrinks
Die Halbinsel von Sillustani
Grabturm von Sillustani
Grabturm
Raubvogel
Insel
Ein einsames Boot
Schafhirtin
Abendstimmung
Traditioneller Hof
Haustiere
Herein!
Der Innenhof
Haus der Meerschweinchen
Die nächste neunstündige Busfahrt wieder entlang der Küste (durch Wüste natürlich) brachte uns nach Nasca, bekannt für die mysteriösen, überdimensionalen Zeichnungen in den Geröllwüsten im Umfeld. Ähnlich rätselhaft wie die Kornkreise wurden vor 1500 Jahren von der Nasca-Kultur stilisierte Tierfiguren von teils mehreren hundert Metern Ausdehnung in den harten Boden gekratzt. Neben Kondoren, Kolibris und Walen gibt es da auch den Astronauten, der wie eines dieser Aliens mit den riesigen Augen aussieht. Daher gibt es neben den gemeinen Theorien, dass die Figuren einen Kalender darstellen oder als Prozessionswege bei Ritualen genutzt wurden auch noch die These, dass sie zur Kommunikation mit Außerirdischen dienten... Da es in den letzten Jahren vermehrt zu Abstürzen bei Überflügen gekommen war, beschränkten wir uns darauf, einige der Figuren vom Boden aus zu betrachten. Ein kleiner Anteil der Bevölkerung Perus wird durch Chinesen ausgemacht, deren Vorfahren zum Bau der Eisenbahnen eingewandert waren. Entsprechend gibt es in jeder noch so kleinen Stadt mindestens ein chinesisches Restaurant, Chifa genannt. Seit unseren ersten Tagen in Ecuador fragen wir uns wie die Chinesen es dort schaffen, einem Berg Gemüse durch eine seltsam braune Soße, von der man Pickel bekommt, jeden Geschmack zu rauben und haben uns seitdem in kein chinesisches Restaurant mehr getraut. In Nasca haben wir nochmal einen Versuch gewagt und wurden tatsächlich mit richtig gutem chinesischen, chinesischen Essen überrascht. Und nicht nur beim chinesischen Essen wurde wieder mit Geschmack gearbeitet, für uns ist das peruanische Essen bisher das beste und vielfältigste in Lateinamerika seit Mexiko. Nach sechs faden Monaten wurde auf einmal wieder gesalzen, geschärft und gewürzt. Seit Asien verloren geglaubte Zutaten wie Kreuzkümmel, Sojasoße und Curry tauchten wieder auf, neben Reis gibt es endlich Nudeln, Quinoa und sogar Couscous und die Pollodiät wird durch Alpaka, Forelle und vegetarische(!) Optionen wie gefüllte Paprikaschoten ergänzt. Das alles ändert natürlich nichts daran, dass der Peruaner immer als Leibspeise Grillhühnchen mit Pommes nennen wird. Auch die Darreichungsform hat sich nicht geändert. Der Unterschied zwischen Frühstück, Mittagsessen und Abendessen (Desayuno, Almuerzo und Cena) ist lediglich, dass das gleiche Gericht als Frühstück ohne und als Mittag- und Abendessen mit Suppe serviert wird. Die Kombination aus Suppe und Hauptgericht liegt dabei in den lokalen Comedores zwischen ein und zwei Euro. Bei den Suppen gibt es neben Nudel-, Hühner- und Rindersuppe (Sopa de Fideo, Pollo und Res) noch Fallstricke wie Pansensuppe (Menudencia oder Patas) oder die schwerer zu erkennenden, getarnten Variationen mit Hühnerfüßen und -hälsen. Das Hauptgerichtfleisch liegt in der Regel auf einem kilostarken Berg Reis und wird von fettigen Papas (Pommes) und wenn es gut läuft einigen Salatblättchen begleitet. Die fehlende Soße kann man meist mit der Frage nach Aji (pürierte Chilis) kompensieren. Einen besonderen Preis für das peruanische Standardgericht mit dem absurdesten Namen verdient zweifelsohne der „Lomo a la Criolla“. Entgegen des namensgemäß zu erwartenden Rinderbratens mit karibischer Soße bedeutet der Zusatz „al la criolla“, dass kalte fettgetränkte Pommes unter das zerstückelte Fleisch gehoben werden.
Neun Stunden Wüste weiter... nein, nicht so schnell. Hatte man uns in den letzten Wochen mit Filmen im Bus glücklicherweise verschont, wurden wir auf der Fahrt von Nasca nach Arequipa gleich mit drei Kinofilmen beglückt. Das der Lautsprecher über unseren Köpfen der einzige funktionsfähige war und daher mit maximalem Volumen plärrte hat nicht unbedingt geholfen. Nachdem mit „I am Legend“ schon der erste Zombiefilm gelaufen war, wurde dann als vierter Film „Zombielandia“ eingelegt, worauf ich dem Busbegleiter nachdrücklich erklärt habe, dass Kinder im Bus sitzen und ich den Film im Zweifelsfalle selbst abschalte. Dazu musste es aber zum Glück nicht kommen. Arequipa ist eine der wenigen attraktiven Städte in Peru. Mit vielen alten Hofhäusern aus der Kolonialzeit, nennt man sie auch die weiße Stadt, nicht wegen dem zum Bau verwendeten hellen Vulkangestein sondern aufgrund ihrer ursprünglich rein spanischen Bevölkerung. Heute besteht Perus Bevölkerung zu 45% aus Indigenen, die vor allem als Bauern im Hochland leben, aber in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen mittlerweile auch in die großen Städte ziehen. Ein Unikum ist das 1580 gegründete Kloster Santa Catalina, dass wie eine Stadt in der Stadt einen ganzen Block einnimmt und bis 1970 völlig von der Außenwelt abgeriegelt war. Von Arequipa haben wir einen Stich in die Berge zum Colca-Tal, den mit über 3000m tiefsten Canyon gemacht. Die Fahrt in die Berge eignet sich bestens um die verschiedenen Kleinkamele der Anden zu beobachten. Neben den zotteligen, schlanken Lamas, die vor allem als Lasttiere dienen, werden die mit ihrem dicken Fell oft ein wenig pummelig aussehenden Alpakas auch zur Fleischproduktion domestiziert. Die wilden Vicunas sehen ein wenig aus wie schlanke Rehe mit riesigen braunen Augen, während sich die größeren wilden Guanakos von ihnen durch ihre gebogenen Hälse unterscheiden. Alle vier Arten werden wegen ihrer Wolle gehalten oder gejagt, wobei die Vicuna-Wolle mit 500 Euro pro Kilo die teuerste Naturfaser darstellt. Fährt man von Chivay Richtung Cabanaconde sind die Hänge auf beiden Seiten bereits von den Inkas durch unzählige Natursteinmauern in schmale Felder terrassiert worden und wirken wie die steilsten Reisterrassen Asiens. Je weiter der Bus die gefährliche Straße entlang prescht, desto steiler werden die Treppen, bis es schließlich senkrecht ins Tal hinunter geht. In dieser unwirtlichen Landschaft befindet sich eines der raren Rückzugsgebiete des Andenkondors. Mit etwas Glück kann man so wie wir am frühen Morgen von oben auf eine stattliche Anzahl dieses größten Raubvogels der Erde mit Spannweiten bis zu drei Metern sehen.
Islas Floteanas...
...oder die schwimmenden Inseln...
der Uros
Handarbeiten...
...zum Verkauf
So wird eine schwimmende Insel gebaut
Inselidylle
Traditionelles Schilfboot
Rudern!
Abschied
Isla Taquile
Die Frauen spinnen
Die Männer stricken
Aussicht auf das Festland
Da die Busreisen in Peru mannigfaltig und lang sind haben wir uns auf dem Rückweg nach Arequipa in der Pampa raus werfen lassen, um ein paar Stunden Extrafahrt zu sparen. Wir wollten eigentlich gerade vor die Kulisse des Vulkans Misti pinkeln, als ein Bus nach Cusco hielt und der Beifahrer hektisch im Motorraum rum zu fummeln begann. Als wir heraus gefunden hatten, dass noch zwei Plätze vorhanden seien und wir uns sicherheitshalber davon überzeugt hatten, dass es ein Klo im Bus gab, saß Nadja auch schon im Passagierraum und ich in der Pilotenkanzel in völliger Ungewissheit ob meine Blase noch drei weiter Stunden mitmachen würde. Zumindest stand Nadja ja die Bordtoilette zur Verfügung. Ohne Umschweife fingen Fahrer, Beifahrer und Kassierer an, mich gleichzeitig im Stakkato auf räudigstem Spanisch zu zu texten. Als Fahrer sich aufs Fahren und Beifahrer sich aufs Schlafen konzentrierte kam mit dem Kassierer aber ein durchaus interessantes Gespräch zu Stande in dessen Verlauf ich alles über Chunos, die auf Inkaart gefriergetrockneten Kartoffeln lernte (die im Übrigen ziemlich muffig schmecken). Er erklärte mir, warum das Rot in Perus Flagge von den Flamingos stammt, die draußen in den vorbei ziehenden Lagunen standen und dass die Chilenen ja überhaupt keine Kultur besäßen. Als ich in Juliaca aus dem Bus sprang, konnte ich nicht mehr gerade stehen und erfuhr von Nadja, der es bereits in den Augen stand, dass das Bordklo abgeschlossen war, ein gängiges Phänomen in Südamerika. Irgendwie schafften wir es noch mit einem TukTuk zum Terminal und nachdem wir uns endlich Platz für eine Chuno Suppe geschafft hatten, legten wir die letzte Stunde nach Puno sehr viel entspannter zurück. Puno ist hässlich, saukalt und liegt am Ufer vom Titicacasee, was im Umkehrschluss bedeutet, dass jeder Peru Reisende früher oder später dort aufschlägt. Um sich vor den Angriffen der Inkas zu schützen, zog sich das Volk der Uros auf schwimmende Schilfinseln im See zurück und konnte so nie unterworfen werden. Die Inseln sind mit dem gelben Stroh, den Schilfhütten und den bunten Trachten der Bewohner ein einmaliger Anblick. Leider liegt die Vermutung nahe, dass sie von den Bewohnern nur noch wegen der Touristen in Stand gehalten werden und ohne die zahlungskräftigen Besucher möglicherweise bereits verschwunden wären. Auch auf den beiden „richtigen“ Inseln im See dreht sich alles um die ausländischen Gäste, dafür liegen sie sehr schön mit Ausblick auf die schneebedeckten Berge Boliviens und mit ein wenig Geduld kann man auch die fleißig Wollmützen strickenden einheimischen Männer beobachten. Eine Tätigkeit, die vom gewöhnlichen Südamerikaner sicherlich als völlig artfremd angesehen wird. Mit Abstand am besten gefallen hat uns unser Ausflug zu den Grabtürmen von Sillustani, aus zyklopischen Steinen gemauerte Mausoleen, die auf einer Halbinsel in einem See thronen. Dabei war für uns die Landschaft mit ihren goldenen Feldern, den blauen Seen und den weißen Quellwolken noch eindrücklicher, als die Bauwerke selbst. Zu Fuß sind wir den Weg Richtung Straße zurück gewandert und konnten die kleinen Höfe, bestehend aus Lehmziegelmauern, die mehrere strohgedeckten Hütten mit kleine Stierfiguren auf den Dächern umfassen, bewundern. Im Hof wurde gesponnen und gewebt, in einer Miniaturausgabe der Wohngebäude hausten die Meerschweinchen und vor dem Tor grasten Alpakas im schwindenden Tageslicht. Die letzten Meter legten wir im Kofferraum eines japanischen Kombis zurück, den wir uns mit drei dicken Mamas teilen mussten. Uns hat es so gut gefallen, dass wir eigentlich am nächsten Tag gleich nochmal nach Sillustani wollten. Das hat aber der Kessel selbst gebrauten Glühweins verhindert, mit dem wir am Abend die Kälte bekämpften.
Cusco
Die Inkamauern
Saqsaywaman
Markt von Chinchero
Heuträger
Festival in Pisaq
Dämonen
Menschen
Teufel
Tempelburg Ollantaytambo
Massives Mauerwerk
Einheimische
Auf dem Weg nach Moray
Eine Panorama-Fahrt über das Altiplano brachte uns schließlich ins noch kältere Cusco. Da die meisten unserer guten Freunde in der Heimat unsere Abwesenheit ja ausnutzen, um Kinder in die Welt zu setzen, können wir Euch mitteilen, dass auch wir seid Cusco zu dritt sind: Kai, Nadja und Nadjas Parasit. Das war nun wirklich nicht die Nachricht, auf die unsere Eltern gewartet haben. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit hier relativ hoch, sich früher oder später einen ungebetenen internen Mitesser einzuhandeln. Das ist normalerweise auch nicht weiter schlimm, da die meisten Peruaner mit solchen Haustieren in Symbiose leben ohne jemals Probleme dadurch zu haben. Bei Nadja kam aber noch ein Virus dazu und diese Mischung führte zu allen möglichen unangenehmen Symptomen angeführt von Lähmungserscheinungen in den Beinen. Allerdings nichts, was der südamerikanische Breitbandarzt nicht mit einer Kombination von Catch-All-Antibiotika, sowie einer Cortison-Flächenbombe spielend in den Griff kriegen würde. Die Woche, die wir dadurch in Cusco verloren nutzten wir beide, um uns ausgewachsene Erkältungen zu zuziehen, obwohl wir mit Wollunterhosen, Mützen und fünf Decken schliefen. Cusco ist sicherlich die schönste, fast mediterran anmutende Stadt Perus und besteht aus bunten Kolonialhäusern mit hölzernen Balkonen, die auf den Grundmauern der alten Inkabauten errichtet wurden. Diese wurden aus riesigen und sehr unregelmäßige Natursteinen ohne Mörtel zu massivsten Wänden gefügt, in deren Fugen sich nicht einmal ein Blatt Papier schieben lässt. Nachdem wir uns die beeindruckende Inkafestung Saqsaywaman oberhalb der Altstadt und die kleineren Außenposten in der näheren Umgebung angesehen hatten, unternahm ich noch einen Sonntagsausflug ins Andendorf Chinchero. Inmitten von bunten Feldern und vor Schneebergen sitzt das Dörfchen mit seinen Adobe(Lehmziegel)hütten malerisch auf einem Hügel dessen Flanken mit Inkaterrassen bedeckt sind. Wie im Hochland üblich besteht die Bevölkerung fast ausschließlich aus Indigenen die regional sehr unterschiedliche farbige Trachten und ihre ganz speziellen Kopfbedeckungen tragen. In Chinchero glichen diese ein wenig rot und schwarz bestickten Wagenrädern. Glücklicherweise traf ich früh genug ein, um dem Treiben auf dem Markt zusehen zu können, ehe eine ganze Kolonne von Tourbussen eintraf, um dickbäuchige, rotbackige Touristen auszuspeien, die den Einheimischen schamlos ihre riesigen Objektive ins Gesicht hielten. Die Szene erinnerte durchaus an einen Zoobesuch, nur dass es keine Gitterstäbe gab. Natürlich fotografieren wir die Menschen auch, aber entweder fragen wir vorher um Erlaubnis oder halten uns diskret im Hintergrund. Die Peruaner nahmen es aber gelassen und konterten ihrerseits, indem sie den Gästen viel zu hohe Preise für ihre Strickmützen und Alpakaschals abnahmen (somit Heim-Gast 1:1). Übrigens haben wir die Peruaner durchweg als sehr freundlich, neugierig und redselig erlebt. Eine völlig andere Erfahrung als zum Beispiel in Guatemala, wo man meist völlig ignoriert, wenn nicht sogar mit offener Abneigung behandelt wurde. Die durchaus liebenswerte Angewohnheit der Südamerikaner alles zu verniedlichen wird von den Peruanern auf die Spitze getrieben. War in Kolumbien anstatt von Cafe nur von Cafecito die Rede und wurde in Ecuador aus Dollar gerne Dollarito, nennt man hier die Mutti Mamacita und vetröstet anstatt auf Mas Tarde (später) mal gerne auf Mas Tardecito. Als einziges Wort bei der diese Verniedlichung mit einem Sinngewinn verbunden ist fällt mir Ahora (jetzt) ein, das im normalen Sprachgebrauch demnächst bis morgen bedeutet, wohingegen Ahorita tatsächlich sofort meint.Trotzdem gibt es auch eine schlechte Eigenschaft an peruanischen Männern, die wir nicht verschweigen möchten: Ähnlich Hunden, die ihr Revier markieren, haben viele die Angewohnheit, ehe sie ein Gebäude betreten vorher neben die Tür an die Wand zu pinkeln(!). Das kann das Forellenrestaurant in Caraz sein, in dem es durchaus ein Klo gab, oder das Comedor an der Landstraße. Aber auch vor der gerade zum Gottesdienst läutenden uralten Kirche in Chinchero wurde da nicht halt gemacht.
Das „Valle Sagrado de los Incas“, das heilige Tal der Inkas erstreckt sich zwischen Cusco und Machu Picchu und war Dank seines milden Klimas die Kornkammer der Inkas. Aufgrund unserer Verzögerung konnten wir unseren Besuch in Pisaq mit dem jährlich Fest zu Ehren der Jungfrau Carmen synchronisieren. In Lateinamerika rennt man ständig in das ein oder andere Festival, aber entgegen unserer Vorstellung von ausgelassenen und temperamentvollen Tanzveranstaltungen handelte es sich dabei meist um strenge, fast militärische Paraden, die im besten Falle in einem abendlichen Besäufnis endeten. Nicht so in Pisaq: Karnevalsgleich zog Gruppe um Gruppe mit den buntesten Kostümen bei lautstarker Musik an uns vorbei, so dass wir uns kaum losreißen konnten, um die Inkafestung auf dem Berg über dem Dorf zu erklimmen. Wie überall im heiligen Tal sind die steilsten Hänge noch mit Agrarterrassen versehen, da der schmale Talboden nicht genug Anbaufläche bot. Im Falle von Pisaq enden sie unterhalb der Befestigung über einer hundert Meter hohen, senkrechten Felswand im Nichts. Hat man die ersten Türme erreicht, erblickt man immer weitere Bauwerke, die erkundet werden wollen auf den umliegenden Berggraten. Eine weitere Tempelburg mit ebenso beeindruckender Lage haben wir in Ollantaytambo gefunden, eine einzigartige, gut erhaltene aus Naturstein gemauerte Inkastadt. Von dort unternahmen wir auch einen Tagesausflug nach Moray, zu den kreisförmigen, konzentrischen Terrassenanlagen, bei denen jede Ebene ein anderes Mikroklima haben soll. Weiter wanderten wir durch Kornfelder vor einer dramatischen Andenkulisse zu den Salzterrassen von Pichingoto. Aus einer salzhaltigen Quelle wird Wasser in über dreitausend Becken an einem steilen Hang geleitet, um es in der Sonne verdunsten zu lassen und schließlich nach einem Monat das zurück gebliebene Salz abbauen zu können. Unglaublicher weise wurden und werden diese Salinen seit der Inkazeit durchgehend von Familien mit fest zugewiesenen Becken bewirtschaftet. Wir waren schon von diesen kleineren archäologischen Stätten rund um Cusco und im Valle Sagrado sehr beeindruckt und waren froh, sie vor dem finalen Höhepunkt jeder Perureise angeschaut zu haben: Machu Picchu.
Die Terrassenanlage Moray
Moray Detail
Das heilige Tal der Inkas
Wegelagerer
Die Salzterrassen von Pichingoto
Verschwitzt und salzig
Salzbecken im letzten Licht
Inkatrail des kleinen Mannes
Zugausweichen
Machu Picchu im Morgennebel
Die Inkastadt
Lamas
Terrassen in die Tiefe
Neue Freunde
Blick von Wayna Picchu auf Machu Picchu
Geschafft und Glücklich!
Leider hat der ungebremste Ansturm auf die mysteriöse Inkastadt die Peruaner die Preise nicht nur für den Eintritt sondern auch für die Züge und den Inkatrail schamlos in die Höhe treiben lassen. Dass wir die viertägige Wanderung nicht mit den fünfhundert Leuten, die den Trail jeden Tag gehen zurücklegen wollten hatten wir schon entschieden bevor wir nach Peru kamen. Da es ab Ollantaytambo keine Straße mehr gibt, ist die gängige Alternative der Zug. Die Preise reichen da von 30€ bis 200€ einfache Fahrt. Für eine Stunde Bahn fahren ist das weit teurer als in Deutschland was dies somit zum Land mit dem nur zweit teuersten Eisenbahnsystem degradiert. Wie sehr man hier im Verhältnis zu peruanischen Preisen übertrieben hat, erkennt man daran, dass die Peruaner selbst gerade mal 2€ für die Fahrt zahlen. Zum Vergleich: Eine Übernachtung im Doppelzimmer liegt bei etwa 10€. Nicht mit uns und kurzum entschlossen wir uns für den Inkatrail des kleinen Mannes: Mit einem Bus von Ollantaytambo umschifften wir in einer vierstündigen Fahrt durch atemberaubende Landschaft die im Wege stehende Bergkette und fuhren von Sta.Maria mit einem Collectivo nochmal eine Stunde über eine halsbrecherische Gebirgsstraße nach Sta.Marta. Von dort wanderten wir drei Stunden entlang der Bahngleise und dem Rio Urubamba zwischen steilen Felswänden durch dichten Dschungel. Die Wanderung war schon ein Erlebnis für sich und neben vielen Papageien und anderen exotischen Vögeln entdeckten wir hoch über uns wie wir glaubten vergessene Inkabauten. Aguas Calientes, das Tor zu Machu Picchu besteht nur aus und für Touristen und gleicht einer teuren Skiretorte. Am Tag unserer Ankunft wurde das Besucherlimit von 2500 Personen pro Tag eingeführt und wir waren froh noch zwei der letzten Tickets ergattern zu können. Mit einem Bier haben wir auf der Plaza zugesehen, wie Peru gegen Uruguay im Halbfinale des America Cups 0:2 verlor. Mit dem Bus um halb sechs ging es am nächsten Morgen die steilen Serpentinen hinauf, nur um zu erfahren, dass nicht mehr die ersten vierhundert Besucher einen Stempel für den Aufstieg auf Wayna Picchu, dem Berggipfel der auf allen Bildern hinter der Felsenstadt zu sehen ist, bekommen, sondern dass man mittlerweile die Tickets Tage vorher gegen Aufpreis im Internet buchen muss. Um sechs saßen wir in dichtem Nebel am Wachtposten, von dem die ganze Anlage zu überblicken ist und packten unser Frühstück aus. Wir hatten Glück und wenig später rissen die Wolken auf und gaben den Blick frei auf den imposantesten Ort, den wir in Südamerika bisher gesehen haben. Die lange vergessene Stadt der Inkas, gebaut auf einem Grat zwischen zwei Bergspitzen mit Rundumblick über steil abfallende Terrassen und senkrechte Felswände. Die Wolkenschleier sorgten für zusätzliche Mystik und es fiel uns schwer zu begreifen, dass wir nicht vor einer Kinoleinwand, sondern mitten drin standen. Da die ersten Touristenzüge noch nicht in Aguas Calientes angekommen waren, konnten wir in Ruhe und mit vertretbar vielen weiteren Besucher unsere Erkundung starten. Am Zugang zu Wayna Picchu haben wir mal gemäß dem Motto „dreist gewinnt“ gefragt, ob zwei Besucher mehr oder weniger wirklich einen Unterschied machen würden. Als der einsame Aufpasser sich ein bisschen gewunden hatte und dann meinte „schwierig“, wussten wir, dass es nur ein Geldfrage ist. Kurz darauf hatte er den üblichen Aufpreis in seiner eigenen Tasche und wir waren bereits im Dschungel hinter der Bambushütte verschwunden. Nach einer anstrengenden Kletterpartie und schwindelerregenden Treppen über bodenlosen Abgründen (natürlich ohne Absturzsicherungen) standen wir auf alten Grundmauern mehrere hundert Meter über der Inkastadt. Hier konnten wir auch erkennen, dass uns unsere gestrige Wanderung kreisförmig um Wayna Picchu geführt hatte und die verlorenen Bauwerke, die wir wiederentdeckt hatten, tatsächlich Teil von Machu Picchu sind! Hatten wir unsere Erwartungen im Vorfeld auch aufgrund der zu befürchtenden Touristenhorden nicht zu hoch ansetzen wollen, gehört Machu Picchu mit Sicherheit zu den absoluten Highlights unserer Reise.
Als wir am späten Nachmittag wieder ins Tal hinabgestiegen waren, waren die Tickets für den nächsten Tag genau wie die Züge bereits ausverkauft. Also wanderten wir zurück und fühlten uns beim Abhorchen der Bahngleise vor den beiden Tunnels wie kleine Schulkinder. Solche hätten den nahenden Zug wahrscheinlich tatsächlich kommen hören, während wir es so gerade rechtzeitig auf der anderen Seite heraus schafften. Nach unserer Rückkehr nach Cusco und der anschließenden zwölfstündigen Nachtfahrt mit dem Bus sind wir ins peruanische Amazonasbecken vorgestoßen, um uns in Puerto Maldonado auf die Suche nach Wärme, einem Dschungelabenteuer und einem Frachtschiff über den Rio Madre de Dios nach Bolivien zu begeben. Im peruanischen Sinne: Hasta luegito!

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Kommentare

Anne schrieb:

wir haben unsere reise suedamerika 2005 nochmal mit erlebt und sind froh darüber,daß Euch Machu Picchu genauso gut gefallen hat.Gut,daß ihr Euch doch dafür entschieden habt.Abgesehen von Eurem Parasiten waren eure Erlebnisse köstlich anzuhören.Ein bißchen Schadenfreude kommt schon auf,zu wissen,daß ihr betuppt worden seid.Nach Thailand und Kambodscha mit euch kaum zu glauben...

14 August 2011 um 09:32
Rhea & Martin schrieb:

Nadja scheint die Reise ja sehr ergeizig zu betreiben. Aber vielleicht solltet ihr nicht unbedingt jedes Krankenhaus auf eurem Weg mitnehmen, auch wenn so ein Parasit z.B. bestimmt nochmal ein viel intensiveres Reisegefühl gibt. ;-)
Mussten letztens an euch denken als wir die dicke Kampagnen zum Machu Picchu Jubiläum gesehen haben und sind froh, dass ihr euch doch hoch gewagt habt. Uns hatte es letztes Jahr auch sehr gefallen. Hatten auch das Glück bei Anfänglichen Nebel oben zu sein, macht es nochmal sehr viel mystischer.

17 August 2011 um 05:59

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