25 Juni 2011

Bergspezial: Santa Cruz Trek in Peru

Selbstauslösersprint 20sPauseErster Abend auf 3760m
Erstes AbendessenEs wird kalt!Kaffee am zweiten Morgen
Nachdem wir in Caraz herausgefunden hatten, dass der berühmte Santa Cruz Trek durch die Cordillera Blanca im Nordwesten Perus durchaus ohne Führer und auf eigene Faust zu unternehmen ist, brachen wir zwecks Höhenakklimatisierung erstmal zu einer Tagestour auf. Warum wir uns bei dieser Wanderung von den Llanganuco Lagunen zur Lagune 69 (auf diesen Namen kann ich mir keinen Reim machen) mindestens um 50 älter fühlten, stellten wir nach der Rückkehr bei einem Blick auf die Karte fest. Wir waren von 3900m auf 4600m geklettert. Unsere Akklimatisierung war so erfolgreich abgeschlossen, dass wir erstmal einen Ruhetag brauchten, während unser Proviant für die geplante vier Tagestour im Regal nicht besser wurde. Halb so schlimm, da die meisten Tütensuppen ohnehin bereits abgelaufen waren und der Käse vom Markt mit der Zeit nur noch mehr Geschmack bekommt.
Am Samstag Morgen des Aufbruchs wurden wir rüde um 6:00 Uhr vom Wecker aus dem Bett geworfen. Nachdem wir unsere Rucksäcke mit den geliehenen Schlafsäcken, Isomatten und dem Zelt geschultert hatten ging es erstmal zum bunten Markt von Caraz, um Ersatz für unser abhanden gekommenes chinesisches Essbesteck in Form von gestanzten Löffeln und Gabeln für je ein Sol zu besorgen. Nachdem wir ein bisschen mit den Collectivo Fahrern gehandelt haben, erstanden wir für 20 Soles drei Plätze auf der Rückbank eines runter gewirtschafteten, japanischen PKWs, um uns nicht zu viert sondern nur zu dritt hinein quetschen zu müssen. Der vierte Passagier stieg kurzerhand in den Kofferraum um, während Nummer fünf und sechs auf dem Beifahrersitz und der Schaltung saßen. Die Peruaner haben großes Geschick darin Gänge einzulegen, obwohl eine Mutti mit mehreren Röcken und einer Kiste Hühner auf der Schaltung sitzt. Schließlich ging es los über Schotterpisten in die Berge hinauf, zwischen ausgemauerten Stahlbetonskeletten und braunen Lehmziegelhütten, die irgendwann von Maisfeldern und Eucalyptushainen abgelöst wurden. Nach anderthalb Stunden Rappelei stiegen wir in Cashapampa auf 2973m aus. Los ging es um 8:15 Uhr, entlang des Bewässerungskanals, hinein in das Santa Cruz Tal, welches uns an rund zwanzig schneebedeckten Gipfeln um die 6000m vorbeiführen sollte. Bei blauem Himmel kletterten wir die ersten 800 Höhenmeter entlang des Flusses durch ein saftig grünes Tal mit vielen wild weidenden Rindern und konnten hier und da die ersten Schneeflecken erblicken. Nach insgesamt anderthalb Stunden Frühstücks- und Verschnaufpausen in feinstem Sonnenschein trafen wir um 14:15 Uhr in Llamacorral, unserem ersten Nachtlager auf immerhin 3760m ein. Das Zelt war schnell aufgebaut, die Spaghetti mit Thunfischsoße schnell verspeist. Sobald die Sonne verschwand wurde es schon empfindlich kalt und bei Dämmerung ließen sich fledermausgroße Moskitos in Scharen auf unseren ecuadorianischen Wollmützen nieder, so dass wir schleunigst ins Zelt flüchteten. Leider nicht schnell genug, um zu verhindern, dass Nadjas linke Hand dank eines Stiches auf Luftballongröße anschwoll und in diesem Zustand auch für den Rest der Tour bleiben sollte. Glücklicherweise hatten wir mit unserem Ausrüster offensichtlich einen guten Griff getan, da uns die Daunenschlafsäcke in Verbindung mit einigen Lagen Kleidung während der Nacht ausreichend warm halten konnten. Die Höhe allein reicht aber aus, um trotz Coca-Tee und Aspirin für einen unruhigen Schlaf mit langen Unterbrechungen zu sorgen.
Weiter gehts!Wir tragen unsere RucksäckeAndere lassen tragen
Ankunft zweiter TagZweiter Abend auf 4250mEis auf dem Zelt am dritten Morgen
Dass die Temperatur in der Nacht unter den Gefrierpunkt gefallen war, bewies uns am Sonntag Morgen um 6:20 Uhr die dünne Eisschicht auf unserem Zelt. Kurz darauf konnten wir in der Sonne Kaffee trinken und unsere Asiasuppen zubereiten. Nachdem das Zelt trocken verpackt war ging es um 9:15 Uhr auf zu Teil zwei unserer Wanderung, die uns zunächst um zwei große, tiefblaue Lagunen mit vielen Vögeln führte. Während unserer einstündigen Käse- und Brotpause, wie üblich bei bestem Wetter, begegnete uns wie auch schon am Vortag eine der geführten Gruppen mit circa zehn Touristen aus Huaraz, die den Trek in anderer Richtung gehen. Dabei bedient man sich unehrenhafterweise;-) einer Herde Esel, die Rucksäcke, Zelte und Verpflegung tragen. Je weiter der Tag voranschritt, desto mehr schnee- und eisbedeckte Gipfel tauchten links und rechts von uns auf. Als Höhepunkt schlugen wir um 14:45 Uhr unser Nachtlager in Taullipampa auf 4250m vor der eindrucksvollen Kulisse des Taulliraju auf. Nach Katzenwäsche im eiskalten Fluss gab es die Spaghetti diesmal mit Tomatensoße in der Abendsonne, bevor wir um 19:00 auf unsere Isomatten fielen.
Gas ist alleAuf zum PassBlick zurück
GegenverkehrKurz vor dem PassFast geschafft
Viel Schlaf konnten wir beide auf dieser Höhe nicht finden, aber zumindest blieben wir trocken und warm. Am Montag, wieder um 6:20 Uhr war unser Zelt mal so richtig vereist. Dazu ging kurioserweise mit dem ersten Coca-Tee das Gas aus, so dass wir für unsere Suppen verbotener Weise ein Feuer stochen mussten und dabei fortwährend die neugierigen und hungrigen Kühe verjagen mussten, die alles anfraßen, was nicht niet- und nagelfest war. Aber auch diese Aufgabe konnten wir mit Bravour bestehen, wenn sich unser Aufbruch dadurch auch auf 10:15 Uhr verschob. Schritt für Schritt ging es den schmalen Weg zum Pass hoch, immer vor der Kulisse der vergletscherten Berge, die Taullicocha Lagune zu Füßen. Nach vielen Fotostopps erreichten wir um 13:00 Uhr den Punta Union Pass auf 4750m und damit den höchsten Punkt unserer Wanderung, sowie zu unserer beider Lebzeiten bisher. Der letzte Käse besiegelte hier sein Schicksal während die Möhrenschalen an die Andenkaninchen, die wie große Eichhörnchen aussehen, gingen. Wir genossen eine Weile die Aussicht auf die umliegenden Berge und zurück ins Tal, durch das wir gekommen waren. Die kleine Gruppe, die uns entgegen kam, konnten wir als Fotogehilfen gebrauchen. Tatsächlich sind uns pro Tag vielleicht zehn andere Wanderer begegnet. Viel weniger als wir erwartet haben auf dem Trek, der nach dem Incatrail der meist gegangene in Peru sein soll. Vielleicht liegt es daran, dass er höher und länger ist und schwieriger sein soll. Als wir um 14:20 Uhr den Abstieg auf der anderen Seite antraten, hatten sich auch die Wolken im nun vor uns liegenden Tal verabschiedet und so konnten wir die folgenden drei Stunden wie bisher bei optimalem Wetter vorbei an kleinen Lagunen, durch große Trümmerfelder und unter schroffen Felsformationen laufen. Um 17:30 Uhr erreichten wir mit Paria unser letztes Nachtlager auf 3870m. Von der einzigen Gruppe auf diesem Zeltplatz konnten wir heißes Wasser für unserer Sopas instantaneas schnorren, dass auch noch für einen Tee reichte. Im Dunkeln verkrochen wir uns um 19:00 Uhr in unseren Schlafsäcken.
Geschafft auf 4750m!Sonne tanken vor dem AbstiegDie andere Seite
AbstiegDritter Abend auf 3850mHausarbeit
Mittlerweile schienen wir uns bestens an die Höhe gewöhnt zu haben, da wir beide nach tiefem Schlaf am Dienstag um 6:30 Uhr die Köpfe in die kalte Bergluft steckten. Aufgrund der steilen Flanken gab es ausnahmsweise noch keine Sonne, so dass wir das Zelt in anhaltender Kälte mit der dünnen Eisschicht einpacken mussten, um es später bei einer Pause zu trocknen. Wir liehen uns nochmal heißes Wasser für das letzte Suppenfrühstück und traten mit bester Laune die letzte Etappe an, die uns, wie wir glaubten konstant nach unten führen sollte. Die Schneespitzen verschwanden hinter unseren Rücken, das Tal wurde breiter und die ersten Peruaner in ihren Trachten tauchten mit den ersten Tieren auf. Dem ersten Bauer, der uns nach Lebensmitteln fragte, überließen wir unsere Extraportion Nudeln und die letzte Suppe, um dann vor den vielen folgenden, die tatsächlich nach „Pasta“ fragten, mit leeren Händen zu stehen. Nachdem wir im ersten Dorf den Fluss überquert hatten, trauten wir unseren Augen nicht, der letzte Abschnitt nach Vaqueria führte unverschämter weise wieder steil nach oben. Es nützte alles nichts, wir schleppten unsere mittlerweile müden Knochen nochmal eine Stunde bergauf, um das Vierhüttendorf an der Schotterpiste zurück nach Yungay um 12:20 Uhr zu erreichen. In einer Ruine, in der kistenweise Softdrinks herum standen zauberte man uns aus dem Hinterzimmer eine Blechschüssel mit Picante de Cuy hervor. Ein riesiger Haufen Kartoffeln in einer ziemlich scharfen roten Soße mit einem Viertel Meerschweinchen als Topping. Zusammen mit Cola brachte uns das zurück ins Leben, so dass wir gerade noch genug Energie fanden, um den nächsten Pickup um 13:00 Uhr anzuhalten, der uns für je 10 Soles den langen Weg bis nach Yungay mitnehmen wollte. Zwanzig Minuten später wurde kollektiv vor der beeindruckenden Kulisse des 6354m hohen Chopicalqui gepinkelt. Während wir aufgrund der Pinkeltechnik unserer indigenen Mitfahrerin (da wird nichts hoch- oder runtergezogen sondern einfach hingesetzt) ein paar Minuten später noch rätselten, ob die Peruanerinnen Unterwäsche tragen oder nicht, hatten wir den ersten Platten auf unserer Reise (wenn man vom Moped in Laos absieht). Unglaublicher Weise nach erst fünfzehn Monaten! So oft, wie dass hier auf den „Straßen“ passieren muss, so schnell war der Reifen gewechselt und wir überquerten den Portachuelo Pass auf 4737m, um uns unter dem Huascaran, den mit 6655m höchsten Gipfel Perus, 800m fast senkrecht die steilsten Serpentinen hinunter zu winden, die wir jemals gefahren sind. So sehr eindrucksvoll die Fahrt, so froh waren wir auch um 14:40 Uhr Cebollapampa, den Ausgangsort für den Weg zur Lagune 69, gesund und munter zu passieren. Dass uns dann auch noch auf den letzten anderthalb Stunden der bekannten Strecke zurück nach Yungay der Atem geraubt wurde, lag nur noch an den Blähungen unserer Banknachbarin. Um 16:00 Uhr waren wir in Yungay, um 17:00 Uhr hatten wir mit dem Colectivo für je zwei Soles Caraz erreicht und unsere Ausrüstung zurück gegeben (für uns beide circa 70 Dollar für die vier Tage). Nach gierigem Verschlingen von Lomo Saltado und Salat lagen wir um 18:00 nach einer wunderbaren Andenerfahrung wieder in einem richtigen Bett.
Hoch zum Portachuelo PassHuascaranDer Rückweg

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Kommentare

Inge schrieb:

Berge-Sonne-Schnee-und Ski (natürlich auch Skilift !) das finde ich großartig.
Noch großartiger ist aber eure Wandertour besonders für jemanden wie mich, die ich bei den Anstrengungen des Bergwanderns (und bei uns sind es höchstens 2 Stunden! ) stöhne und schimpfe! Aber wenn wir das Ziel erreicht haben bin ich ganz schön stolz!
Euer Gipfelbild lässt ein bißchen von eurem Stolz erkennen, diese Tour durchgestanden zu haben. Die Fotos zeigen viel von der Faszination die von den Bergen ausgeht und weshalb man die
Mühen auf sich nimmt.

03 Juli 2011 um 05:56
Thomas schrieb:

Eure Wanderung zum Punta Union Pass war witzigerweise quasi zeitgleich mit der unserer Besteigung des Sella Jochs in den Dolomiten.
Ok, es ist zwar rund 2000 Meter tiefer, aber wir mussten zum Glück auf dem Weg nach oben keine Meerschweinchen futtern.

Eure Tour und die Bilder sind wie immer sehr beeindruckend und als großer Bergliebhaber habt ihr mich schon sehr neugierig gemacht....

03 Juli 2011 um 06:35
Anne schrieb:

Inge war ganz verwundert,daß ich nicht vor ihr meinen Kommentar abgegeben habe.Was soll man zu solchen Bildern sagen???Die Bergwelt ist eben phantastisch,weil sie sich mit dem Himmel auch ständig verändert.Wofür schwärmt ihr denn nun mehr-für die Berge oder das Meer?Beides ist nicht zu verachten,oder?
Übrigens,die Iguazu-Wasserfälle dürft ihr nicht vergessen-sind die Größten.Egal,ob brasilianische oder argentinische Seite.Von brasilianischer Seite sieht man das Panorama und von der argentinischen Seite aus kann man durch die einzelnen Wasserfälle laufen.Das Panorama ist allerdings imposanter.

07 Juli 2011 um 09:26

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