09 Mai 2011

Tierspezial: die Galápagos-Inseln

Goldrochen zur BegruessungDer wahrscheinlich weisseste Strand Ecuadors: Tortuga BaySchwarze Meerechsen am weissen StrandRiesenschildkroete im WaldSo alt werde ich wohl leider nichtGanz schoen schlapp fuer ihr junges Alter
Nach dreizehn Monaten des Reisens war es endlich soweit: Wir haben Urlaub vom Urlaub gemacht! Das kalte und zudem noch regnerische Hochland von Ecuador sowie die Schwärmereien anderer Reisenden haben uns dazu verleitet, zu den „Verzauberten Inseln“ den Galápagos zu fliegen. Fast 1.000 km vom ecuadorianischen Festland entfernt liegen die siebzig vulkanischen Inseln, die ozeanischen Ursprungs sind und durch deren Norden der Äquator verläuft. Wir haben die zahlreichen Last-Minute-Angebote, die einem in Quito in die Augen springen, ausgelassen und nur einen Flug auf die Insel Baltra gebucht.
Hungrige Gaeste auf dem FischmarkttresenEin tropisch bunter FangNoch mehr hungrige Gaeste: Pelikane, Blaufusstoelpel und EchsenTranquilo auf IsabelaFlamingolagune auf IsabelaFlamingojagd
Hier auf dem kleinen Flughafen schlug uns schon die erste sehnsüchtig herbeigesehnte heiße tropische Luft entgegen, die wir auch gleich mit jeweils 100$ Eintrittsgeld bezahlen mussten. Zur Zeit überlegt man sogar diesen Eintritt auf 200$ zu erhöhen. Mit diesem kleinen Glücksgefühl „Geld gespart“ zu haben, konnten wir schon auf der zweiminütigen Überfahrt nach Santa Cruz, einer der Hauptinseln, die ersten Meeresbewohner bewundern. Unter uns im türkisblauen Wasser schwamm ein Schwarm kleiner Goldrochen vorbei und neben uns sprang ein Seelöwe aus dem Wasser auf eine Boje um sich dort zu sonnen. Nach dieser tierisch netten Begrüßung wollte man uns unmenschlicherweise nicht im Bus haben sondern verwies uns auf ein teures Taxi. Vielleicht lag es daran, dass wir keine Pauschaltouristen und ohne Guide unterwegs waren. In einer unaufmerksamen Sekunde des Busfahrers stiegen wir jedoch trotzdem ein und gelangten nach einer Stunde Fahrt durch einen Wolkenbruch im kleinen jedoch wenig charmanten Hafenort Puerto Ayora an. Ganze fünf Inseln des Archipels sind bewohnt und überrascht waren wir über die Anzahl der Einwohner: 20.000 von insgesamt 30.000 Einwohnern leben allein hier auf Santa Cruz.
MeerechsenknaeuelDas taegliche SonnenbadGute FreundeMangroventunnelSeeloewenbaby zum KuschelnSeeloeweneltern beim Mittagsschlaf im bevorzugten Boot
Einmal auf den Inseln angekommen kann man sowohl Unterkünfte als auch Essen zu Festlandpreisen bekommen und so quartierten wir uns in einem netten kleinen Hotel mit Garten ein und gingen auf Erkundungstour. In El Chato, einem riesigen Wald im Inselinneren, konnten wir unsere ersten Riesenschildkröten in ihrer natürlich Umgebung bewundern. Dieses irreale Gefühl, diese für uns exotischen Tiere in der freien Natur zu sehen, sollte uns die nächsten zwei Wochen begleiten. Nach dem obligatorischen Besuch der Charles Darwin Research Station bekamen wir dann am wohl weissesten Strand Ecuadors der Tortuga Bay die schönen schwarzen Meerechsen zu sehen, die weltweit die einzigen Reptilien sind, die sich erfolgreich an ein Leben im Meer angepasst haben und aufgenommenes überschüssiges Salz durch die Nasenlöcher ausstoßen, was wie ein Spucken aussieht. Meistens liegen sie in der Nachmittagssonne auf den heißen schwarzen Lavafelsen, stecken zu Hunderten ihre Köpfe in die Sonne und umarmen sich dabei auch gerne mal.
Danach gingen wir durch eine ganz andere Art von Dschungel. Nur eine „Kreuzfahrt“ ermöglicht dem Besucher der Inseln, wirklich eindrucksvolle und spannende Stellen der Galapagos zu besichtigen. Individuelles Reisen ist hier nur eingeschränkt möglich, da die meisten dieser Besucherstandorte nur über das Meer zu erreichen sind. Wir kämpften uns also durch den Informationsdschungel der Reisebüros, der angebotenen Routen, der Anzahl der Tage, der Klassifizierungen der Guides und der Boote und natürlich durch den Preisdschungel und entschieden uns für einen Katamaran mit nur 5 Kabinen und einer 4 Tagestour zu einem wie wir später erfahren haben ziemlich guten Preis. Unsere Mitreisenden bezahlten auf dem Festland das Doppelte bzw. sogar das Dreifache, was bei einer solchen Größenordnung richtig weh tut.
Las Grietas zum SchnorchelnGeburtstagskaiSegel hissenZwei SterneUnser Katamaran vor RapidaInsel RapidaSein oder nicht sein...Seeloewenreste
Da wir bis zur Abreise unseres Katamarans noch 3 Tage Zeit hatten, sprangen wir am nächsten Tag auf ein Boot nach Isabela, der größten Insel, die durch die Verschmelzung von fünf aneinandergereihten Vulkanen und deren Lavaströmen nun eine Landmasse darstellt. Ganz im Süden der Insel leben ca. 2.000 Menschen in einem noch verschlafenen Fischerdorf namens Puerto Villamil ohne Straßen zwischen Kokospalmen, langen Sandstränden, vielen Hängematten, Flamingo-Lagunen und in der Sonne bratenden Iguanas. Hier kann man entweder aktiv sein und auf den einzigen für Besucher freigegebenen Vulkan Sierra Negra, dem angeblich zweitgrößten Vulkankrater der Welt mit 10 x 9 km Breite steigen, oder sich wie wir vom „Tranquilo-Gefühl“ der Insel anstecken lassen und einfach nur die Tiere beobachten. Schon bei unserer Ankunft im Hafen waren wir ganz aufgeregt, als wir die ersten kleinen Seelöwen im Wasser zu Gesicht bekamen. Und so packten wir unsere Schnorchelausrüstung und stiegen nicht nur einmal im klaren türkisfarbenen Hafenwasser hinunter zu kleinen neugierigen Seelöwen, 20 düsenschnellen Pinguinen, unzähligen bunten Fischen und einigen großen Rochen. Erst als wir wieder an Land waren, sahen wir die großen faulen Seelöwen, die sich zum Schlafen in irgendwelche Fischerboote nieder gelassen hatten und damit manchmal zum Ärgernis der Fischer beitragen.
Fotoshooting DelfineUnsere BegleiterNoch mehr Begleiter: WasserschildkroetenAussicht auf den Pinacle RockSouth PlazaKakteen auf South Plaza
Am dem Tag, an dem unsere Tour abends losgehen sollte, setzten wir noch völlig begeistert von Isabela wieder Richtung Santa Cruz über, wo wir den ganzen Tag stilvoll Kais Geburtstag mit Seafood, viel Kaffee und Eis, Schwimmen in einer netten Bucht und ein paar Happy Hour („Hora feliz“) Cocktails gefeiert haben. Zu guter Letzt gab es abends noch ein Ständchen mit Kuchen und Kerzen auf dem Katamaran. Im Übrigen haben wir neben dieser netten Bucht zum Schwimmen, in die man nur mit einem Boot kommt, das italienische Konsulat gefunden, eine dicke Villa mit Pool und eigenem Anlegesteg mit Boot. Wir haben uns gefragt, welcher italienische Tourist sich hierher verlaufen soll und ob der Konsul nicht mit Berlusconi verwandt ist.
Junger FregattvogelIch bin der Groesste!... ein PrachtfregattvogelEine huebsche MoevePinguin im FrackSeht her meine blauen Fuesse...BlaufusstoelpelPink, pink, pinkKurzer Landgang
Die nächsten vier Tage und Nächte verbrachten wir auf dem Katamaran „Galápagos Vision“ mit 7 weiteren Passagieren und allein 5 Crew-Mitgliedern plus einem Guide. Letztere mussten sich irgendwie 3 Betten teilen bzw. haben tagsüber sowieso irgendwo auf dem Boot geschlafen. Bei herrlichstem Wetter fuhren wir durch klares Pazifikwasser, ließen uns von der angenehm frischen Brise auf dem Deck abkühlen und legten hin und wieder an wunderschönen Buchten von verschiedenen Inseln an. Hier erfuhren wir von unserem Guide natürlich alles von der Entstehungsgeschichte der Inseln, über die ersten Besiedlungsversuche der Menschen, die Piraterie und den Raubbau an den hier ansässigen Tieren bis zur Beschreibung sämtlicher endemischer Tier- und Pflanzenarten, sprich solche, die sich völlig isoliert und eigenständig auf den verschiedenen Inseln entwickelt haben. Wer bis dato Charles Darwins Theorie über die Evolutionsgeschichte vergessen hatte, die er 1859 in „The Origin of Species“ veröffentlichte und damit das Gedankengut der Menschheit auf den Kopf stellte und die Kirche erzürnte, dem hallte der Name nun fortwährend in den Ohren. Übrigens veröffentlichte Darwin sein Werk erst über 20 Jahre nachdem er die Inseln verließ, da seine Theorie bis dahin auch gegen seine eigene religiöse Überzeugung sprach. Wir wollen hier keinen Exkurs über die Verschiedenheiten der einzelnen Inseln halten, sondern nur kurz festhalten, dass sich die Inseln nicht nur in Größe und Höhe, sondern viel interessanter noch durch ihr Alter, ihre Form, ihre Landschaft und daraus folgend ihre Tier- und Pflanzenwelt unterscheiden. Durch die unterschiedlichen Gegebenheiten der unterschiedlich jungen Inseln kam es folglich zu unterschiedlich neuen eigenen Pflanzen- und Tierarten. Leider sind heute viele davon durch eingeschleppte Tiere wie z.B. Ratten, Schweine, Hunde, Katzen und Ziegen in ihrem Lebensraum bedroht. Allein auf Isabela leben nunmehr 100.000 Ziegen, die die gesamte Vegetation kahl fressen und damit die Nahrung und Nistplätze der Landschildkröten dezimieren.
Nicht wirklich unauffaelligSurreale Landschaft James BayAbendstimmung auf South PlazaKleine gelbe Drachen IKleine gelbe Drachen IIKleine gelbe Drachen III
Die drei Tage auf See waren schon allein wegen des Erlebnisses Katamaran Fahren großartig. Hinzu kamen noch unsere Landgänge, bei denen wir neben den immer wieder zu sehenden oft laut brüllenden Seelöwen, schwarzen Meerechsen, roten Klippenkrabben, kleinen Darwinfinken und noch kleineren Lavaechsen auch tanzende Blaufußtölpel, schön gemusterte Gabelschwanzmöwen, hungrige Pelikane, räuberische Binden- und aufgepustete Prachtfregattvögel, große gelb-rote Landleguane, blitzschnelle Pinguine, langgefiederte Tropikvögel, seltene Flamingos und noch seltenere Pelzrobben zu sehen bekamen. Unvergessen werden jedoch vor allem unsere zweimal täglichen Schnorchelgänge sein, bei denen wir in die Welt der Pinguine, Seelöwen, Rochen und riesigen Meeresschildkröten eingetaucht sind und wir wiederum auch neugierig begutachtet wurden. Auch nicht vergessen werden wir die Delfine, die unser Boot begleitet haben und dabei zum Anfassen nah waren.
Wie waers mit uns zwei?Aufgewacht vom Mittagsschlaf...als Einziger!Neugierige SeeloewenbabiesKaktus auf BartoloméRote KlippenkrabbeSo ein Seeloewentag ist ganz schoen anstrengend!
Am Ende der Tour kamen wir am vierten Tag mittags auf einer für uns neuen Insel San Cristobal an, wo wir noch zwei Tage die Tiere und Pflanzen an schönen Buchten oder im Wasser beim Schnorcheln (hier wieder mit Schildkröten) auf eigene Faust bestaunten, bevor wir uns nach der Rückfahrt nach Santa Cruz am Kanal zum Flughafen hin, vom uns schon bekannten Goldrochenschwarm verabschieden konnten und von Baltra aus zurück Richtung Festland starteten.
DrachenjaegerSonnenbadPlanet der SeeloewenSonnenuntergangsgetraenkFahrtwindLeon Dormido
Um den Einfluss des Tourismus auf die einzigartige Flora und Fauna der Galápagos-Inseln möglichst gering zu halten, unterliegen die verkehrenden Boote einer strengen Reglementierung. In Kombination mit der wachsenden Nachfrage führt dies zwangsläufig zu weiter steigenden Preisen und teureren Unterkünften. Da eine Reise von Europa schon jetzt nur für die Besserverdiener erschwinglich ist, wird ein Besuch für den Normalverdiener und Backpacker vielleicht schon bald unbezahlbar werden. Um so glücklicher sind wir uns spontan für diese Auszeit auf den die Galápagos-Inseln entschlossen zu haben, die in Verbindung mit der Katamarantour für uns ein unvergessliches Erlebnis bleiben wird.

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Kommentare

Thomas schrieb:

Mensch, ich bin der Erste, der Euren tollen Zoobeitrag kommentiert. Da habt ihr mal wieder ganz fantastische Bilder gemacht. Kaum vorzustellen wie das reale Erlebnis sein muss, wenn die Bilder schon so beeindruckend sind.

Kai, zu welchem Tier gehört der Schädel?

09 Mai 2011 um 09:37
Anne schrieb:

wir haben schon Einiges gesehen,aber neidvoll müssen wir eingestehen,daß Galapagos wohl ein Tierparadies ist.Ist ja nicht umsonst Weltnaturerbe.Faszinierende Aufnahmen-super Schnappschüsse (vorallem "Gäste am Fischtresen" und "gute Freunde".
Naja,ihr macht auch einen guten Eindruck...Wir sind stolz auf Euch,daß Ihr wieder mal den Busfahrer ausgetrickst habt und sehr sparsam wart.War wohl doch die richtige Entscheidung,Galapagos nicht auszulassen.

11 Mai 2011 um 04:53
KAIundNADJA schrieb:

@Thomas,
der aufmerksame Leser weiß, dass es sich um einen Seelöwenschädel handelt;-)

11 Mai 2011 um 10:39
Interessent schrieb:

Und? Wie hat der Seelöwe geschmeckt?

16 Mai 2011 um 01:07
Inge schrieb:

"Galapagos" ein Traum , vor allem wenn man sich immer wieder mit Evolution beschäftigt ( gerade auch noch mein Thema im Unterricht) und davon fasziniert ist.
Eure Fotos und euer Bericht - ebenfalls ein Traum!! Davon kann mann zehren ...

22 Mai 2011 um 06:16
Interessent schrieb:

...hauptsache man wird auch satt. Ein Seelöwe reicht da vielleicht manchmal nicht...Mal sehen welches Skelett als nächstes präsentiert wird.

30 Mai 2011 um 12:59

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