06 März 2011

Costa Rica: San Jose, Cahuita - Panama: Bocas del Toro, Boquete, Santa Catalina, El Valle, Panama City, Portobelo, Isla Grande


Hochsicherheitshostel in San Jose
Nationalpark Cahuita
Waschbaer im Nationalpark
Faultier an der Strassenkreuzung
Wildnis Costa Rica
Bananenwaesche
Die Bruecke nach Panama
Bienvenidos a Panama
Unsere Verschnaufpause in San Juan Del Sur auf dem Südzipfel Nicaraguas haben wir auch dazu genutzt, uns über unser nächstes Reiseland Costa Rica zu belesen. Da stellte sich wie üblich das Problem 'wohin fahren'? Nachdem wir unseren Führer rauf und runter gelesen hatten, fehlten uns die Orte, die sagen „Besuch mich“. Irgendwie war immer von schönen aber bevölkerten Stränden, mehr touristen- als tierreichen Nationalparks und überfüllten Unterkünften die Rede. Die angepriesenen Highlights waren dieselben wie vor sieben Jahren bei meinem ersten Besuch und hatten mich damals schon nicht so richtig vom Hocker reißen können. Dazu kam, dass seitdem die Preise explodiert sind und es mittlerweile schwierig ist, Unterkünfte unter dreißig Dollar zu finden, während jeder Ort von touristischem Interesse mindestens zehn Dollar Eintritt kostet. Da die Nachbarländer wenigstens ebenso attraktiv aber wesentlich weniger überlaufen und sinnvoller bepreist sind, entschieden wir uns, Costa Rica nur kurz unsere Aufwartung zu machen, sozusagen „en passant“. Wir packten also unsere Sachen und fuhren mit einer Chickenbus-Kombination bis zur Grenze Nicaraguas und bekamen ziemlich schnell und problemlos unsere Ausreisestempel. Auf dem Fußweg durch das Niemandsland zwischen den Einwanderungsbehörden wollte uns ein Officer dann wie fast schon üblich nochmal Extrageld abknöpfen. Schon die Fragen wofür und warum und wo das geschrieben stehe brachten ihn allerdings schnell dazu, uns unseres Weges ziehen zu lassen. Wenn nur jeder zehnte bezahlt, reicht es wahrscheinlich immer noch aus, um die kargen Gehälter, die die Beamten hier bekommen zu vervielfachen. Wir sahen uns also schon fast im Direktbus nach San José, als wir die Schlange an der costaricanischen Immigration sahen. Gestanden haben wir fast zwei Stunden immer mit dem Blick auf das Schild, welches uns an ein Weiter- oder Rückreiseticket erinnern sollte, was wir nicht hatten. Die meisten Länder in Lateinamerika haben gesetzlich geregelt, dass man ein solches Ticket (in der Regel das Rückflugticket) und ausreichend finanzielle Mittel bei Einreise vorweisen muss, um sicher zu gehen, dass man nicht geld- und mittellos im Land strandet und deswegen nicht mehr ausreisen kann. Gefragt hat man uns dann doch nicht und stattdessen rücksichtlos den Einreisestempel mitten auf eine der mittlerweile raren, kostbaren leeren Seiten in unseren Pässen gekloppt, ehe wir eingreifen konnten. Jedenfalls haben wir es danach noch zu einem der späteren Busse geschafft und sind nochmal fünf Stunden durch grüne Hügel in die Hauptstadt gerollt. Dass Costa Rica nicht mehr das sicherste Land in Mittelamerika ist, wird in San José schnell an den verrammelten und mit Stacheldraht bewehrten Gebäuden sichtbar. Da es schon dunkel war sind wir mit dem Taxi zu einem der größeren Hostels gefahren, wo uns gleich zwei Wachmänner mit Knüppeln und Funkgeräten eingelassen haben. Von außen bunkerähnlich, von innen hochgezüchtet mit Pool, Skybar, Internetcafe und resortmäßigen Bändchen, ist das nicht die Art Unterkunft, die wir normalerweise ansteuern, aber für eine Nacht sollte es gehen. Die Übernachtung war dann bisher auch die teuerste, was keineswegs bedeutet hat, dass wir dafür auch das bisher beste Zimmer bekommen haben. Die zahlreichen in Strandkleidung gehüllten Backpacker im Resto saßen mit wenigen Ausnahmen vor Facebook. Die restlichen spielten „Ich kleb Dir einen bekloppten Promi an die Stirn und Du musst ihn erraten.“ Also stellten wir uns vor, dass es in Costa Rica mittlerweile überall so zugeht und freuten uns über die Entscheidung uns hier nicht allzu lange aufzuhalten. Werden wir am Ende etwa doch noch alt?

Holzsteghaus Bocas-Style
Wer hat die Kokosnuss?
Kokosakt
Bastimentos: Wohnen auf dem Wasser
Bastimentos: Wohnen auf dem Land
Waesche trocknen auf Bastimentos
Karibische Kinder
Karibische Umnutzung
Surfende Kids
Surfen lernende Kids
Wasserklosett
Unser Balkon auf Bastimentos
Sehstern?
Seestern!
Kayaking im Mangrovenwald
Da hat der rote Frosch...
Am nächsten Morgen saßen wir also wieder im Bus und durchkreuzten auf einer Bergstraße die dichte grüne Wildnis Costa Ricas. Diesmal ging es nach langer Zeit wieder Richtung Karibikküste. Cahuita ist ein 500-Seelen Dorf voller farbiger Rastafaris mit einer Menge Bierdosen, Sportzigaretten und Bob Marley Postern. Die hellblauen oder rosafarbenen Holzhütten modern langsam vor sich hin und die Omas quetschen sich immer noch in diese pinken viel zu engen Kleidchen. An der einzigen Straßenkreuzung wird gerne ein Boxenturm aufgestapelt, der ausreicht um wesentlich mehr als nur die zwei vorhandenen Schotterwege zu beschallen. Ein typisches karibisches Fischerdorf eben. Wir haben uns ein Holzhaus mit haufenweise Hängematten direkt am Wasser zwischen Palmen gesucht und ein paar Tage die Seele baumeln lassen (darin sind wir besonders gut). Neben Begegnungen mit Faultieren, Affen und Waschbären im naheliegenden Nationalpark konnte man hier regelmäßig gegen Mittag große Mengen der Spezies Mensch beobachten, die extra mit Bussen herangeschafft wurden. Meistens handelte es sich um das 150kg Exemplar mit Trekkingsandalen, Bermudas oder Bikinis, offenem Hawaihemd und Hut der einem umgedrehten Hundenapf ähnelt. Um Gelegenheitsdiebe auf sich aufmerksam zu machen gesellen sich dazu Accessoires wie Kameras und dicke Brustbeutel auf der Plauze oder einladende Portemonnaies in den umfangreichen Gesäßtaschen. Trotzdem konnte man zu den richtigen Zeiten karibisches Paradies genießen und zu späteren Zeiten sämtliche Dorfbewohner mit Kind und Kegel beim Calypso Konzert in der einzigen Bar antreffen. Am letzten Abend haben wir uns dann mit zwei Spaniern und einem italienischen Paar zusammengetan und drei riesige Fische auf den Grill geworfen. Bei dem daraus resultierenden Gelage entstand auch die Idee, am nächsten Morgen gemeinsam die Reise ins südliche Nachbarland anzutreten. Wie die Spanier so sind ,haben sie am nächsten Morgen doch noch kurz vor Start abgesagt und da der Bus gerade weg war, sind wir mit ins Mietauto der Italiener gestiegen. „Wo ist denn hier der Weg?“ fragten wir den Tankwart an der Straße und er sagte „Da vorne nach rechts!“. Also fuhren wir auf der Küstenstraße Richtung Süden, auf dem einzigen Weg hier an der Küste, um Costa Rica in diesem Landesteil verlassen zu können und endeten hier im relativen Niemandsland nach nur 5 km in einem umfangreichen Stau. Ein paar Fischer hatten eine Brücke blockiert, um Geld zu fordern. Die letzte Straßensperrung lag zwar mit Südmexiko schon länger zurück, die acht Stunden extra Busfahrt sind uns aber noch eindrücklich in Erinnerung. Wir entschlossen uns zur Suche nach einer Umgehungsstraße durch die Nationalparks im Inland, die wir auf einer Karte entdeckt hatten. Ohne die Vollkaskoversicherung wären wir wahrscheinlich nicht weit gekommen, da der Asphalt schnell in Staub und Steine überging. An der ersten Hängebrücke fragten wir einen der Bauern am Wegesrand „Wo ist denn hier der Weg?“ und er sagte „Da vorne nach rechts!“. Der wackeligen Brücke zur Linken entkommen, fuhren wir durch dichten Bambuswald und weiter durch endlose Bananenfelder bis unsere Piste schließlich vor uns in einem Fluss verschwand. Wir haben eine Weile zugeschaut, wie die Ticos mit ihren Motorrädern und ordentlich Anlauf durch das knietiefe Wasser schlingerten und drehten dann um. Der nächste Abzweig führte uns zu einer riesigen „Bananenfabrik“, deren Name international bekannt ist. An einem aufgeständerten Schienensystem, welches kreuz und quer durch die Bananenfelder verläuft, hängen die einzelnen Bananenstauden mit Seilen zu einem Bananenzug verkettet und werden mit Pferden bis zur Säuberungsstraße und der Verpackunghalle gezogen. Wir schauten eine Weile zu und fragten dann den Mann mit der Rastamütze „Wo ist denn hier der Weg?“ und er sagte „Da vorne nach rechts!“. Also holperten wir weiter durch die Wildnis und fanden irgendwann auf die Küstenstraße zurück. Die Straßensperre hatte sich im Verlaufe des Tages aufgelöst, oder besser gesagt, wurde von der örtlichen Polizei aufgelöst und wir waren nun frohen Mutes, Costa Rica heute doch noch verlassen zu können. So frohen Mutes, dass keiner auf die Karte schaute, wir die Abbiegung Richtung Grenze verpassten und schließlich in Manzanillo auf einem sandigen Parkplatz direkt am Meer endeten. So fragten wir unsere spanischen Freunde, die hier wieder auftauchten „Wo ist denn hier der Weg?“ und sie sagten „Da vorne nach Rechts!“. Tja, und wie jeder weiß landet man, wenn man viermal nach rechts fährt... richtig: In Panama! Die Grenze also erreicht, ging es nun zu Fuß weiter über die Eisenbahnbrücke, die mehr für Bananenexpresse als für Fußgänger geeignet ist, wo uns das Schild „Bienvenidos a Panama“ begrüßte.
Schon auf der Fahrt von der Grenze nach Almirante bekamen wir einen Vorgeschmack auf die grüne, bergige und noch weitgehend ungezähmte Wildnis Panamas mit einsamen Karibikbuchten zur Linken und Wolken gefüllten Schluchten zur Rechten. Von Almirante ging es mit einem Motorboot bei einsetzender Dämmerung durch ein System von Mangroven und Buchten bis wir das offene Meer zur Isla de Colon im Inselarchipel Bocas del Toro überquerten. Bocas Town auf Colon wurde ursprünglich von einem amerikanischen Fruchtriesen als Umschlagplatz gebaut und lebt mittlerweile überwiegend vom Tourismus. Die Bebauung wird durch karibische Holzhäuser auf Pfählen im Wasser geprägt, das Inselinnere ist von einem undurchdringlichen Dschungel bedeckt, der durch eine einzige Straße geteilt wird. Nachdem wir über diese Straße mit einem der wenigen Busse einen der schöneren Strände auf dem verlassenen Nordzipfel erkundet hatten, sind wir nach zwei Nächten dem Rummel mit dem Boot auf die Nachbarinsel Bastimentos entflohen. Hier tickt das Leben noch völlig anders. Keine Autos, nur ein kleiner Betonweg am Ufer entlang und auch die Einheimischen sind den Reisenden zahlenmäßig noch weit überlegen. Jeder grüßt noch jeden und mit etwas Glück kann man wie wir einer spontanen Trommel- und Tanzsession am Pier beiwohnen. Wie eigentlich überall in Mittelamerika bereitete uns die Unterkunftssuche einige Schwierigkeiten. Waren wir zwar zunächst schnell in einem schönen Holzhaus mit Terrasse auf einem Steg über dem Wasser fündig geworden, waren wir spätestens nach der zweiten Nacht sicher, dass wir nicht von Moskitos, sondern von Bedbugs zerstochen wurden, leicht zu erkennen an den zahlreichen roten Pusteln die vorzugsweise in Reihen auftreten. Dann sehnt man sich nach Asien, wo wir mit Ausnahme Indonesiens nie solche Probleme hatten. Hier wird es immer mehr zur Gewohnheit, ein oder sogar zweimal je Ort die Unterkunft zu wechseln. Gerne werden die Sparren unter dem Blechdach auf die Wände gelegt, ohne dass die verbleibenden Öffnungen verschlossen werden, so dass außer einer Menge Moskitos von außen auch alle Geräusche und Gerüche der Nachbarn hinzukommen. Gerne gibt es aber auch mal nur nachts für 5 Minuten Wasser, was wir dann an der volllaufenden Toilettenspülung hören und sofort ins Bad stürzen, um einen Tropfen Wasser ab zu bekommen und in der Hoffnung, noch die Zeit zum Entseifen zu haben. Oder aber Leguane, die alles anknabbern vertreiben uns aus der Unterkunft. Die tägliche Dosis Geckokacke auf dem Bett ist schon zu etwas Alltäglichem geworden. Der nun zweite Versuch auf Bastimentos im The Point verlief dann aber um so besser und von Tag zu Tag verlängerten wir unseren Aufenthalt, paddelten mit Kajaks übers Meer und durch Mangroven, schnorchelten vor unserer Tür und gingen mit dem Boot auf Delfinsuche. Unsere Wanderung auf alternativen Pfaden zum Strand auf der anderen Inselseite stellte sich mit FlipFlops allerdings spätestens als der Weg einfach verschwand als extrem anstrengend dar. Als wir uns durch Dschungel und Sumpf gekämpft und schließlich eine kleine einsame Paradiesbucht gefunden hatten, konnten wir unser Robinson Crusoe Dasein noch nicht mal genießen, da wir damit beschäftigt waren über vierzig Zecken von unseren Körpern und Kleidung zu sammeln. Der Versuch, auf einem anderen Weg in die Zivilisation zurückzukehren, artete dann in eine Klettertour durch Dschungel, Mangroven und Gischt gepeitschten Felsen aus. Neben Faultieren, Affen und Schlangen sind wir dann auch noch auf einen ganzen Stamm roter Frösche getroffen bevor wir erschöpft den Wizard's Beach erreichten, von dem wir nochmal eine Stunde Fußweg durch knietiefen Schlamm zurück vor uns hatten. Wieder was gelernt: Dschungel ohne Weg nix gut und schon gar nicht mit FlipFlops.

Moped fahren in Boquete
Kaffeeplantagenarbeiterkinder
Minoritaeten in Boquete
Kinder und Kaffee
Playa Estero in Santa Catalina
Trockenuebungen
Voller Tatendrang
Another job well done!
Schuppen...
...Ausnehmen...
...und Braten!
Kraterrand um El Valle
Such die Nadja!
Zurück auf dem panamenischen Festland fuhren wir mit dem Bus quer durchs Landesinnere Richtung Pazifik. Da der kleine Bus beim dauernden Beschleunigen und Bremsen den Innenraum mit einem ohrenbetäubenden Dröhnen erfüllte und Unterhaltung unmöglich machte, konnten wir uns um so mehr der Natur um uns herum widmen und halten es hier mit Janosch: „Oh, wie schön ist Panama!“. Nachdem Stausee und dem Passieren der zentralen Bergkette ging es jetzt weitgehend durch Kulturlandschaft, vor allem Rinderweiden. Von David aus fuhren wir mit dem nächsten Bus in ein ehemals kleines Bergdorf. Boquete wurde vor zehn Jahren in einer US amerikanischen Schöner Wohnen Zeitschrift unter den Top10 Wohnsitzen für Rentner angepriesen. Seitdem ist der Zustrom von Retirees ungebremst und sowohl Boquete selbst als auch die Siedlungen im Umland bestehen zum Großteil aus eingeschossigen Bungalows, die mit schweren Dächern, Rundbögen, großen Zaunanlagen und behäbigen Vorfahrten ein bisschen nach Villa aussehen wollen. Amerikanische Supermärkte und Ketten trugen dazu bei, dass wir nicht lange geblieben sind. Bevor wir unser nächstes Ziel ansteuerten, haben wir allerdings die wiederum sehr schöne von Kaffeeplantagen durchzogene Berglandschaft in der Umgebung mit dem Roller und zu Fuß erkundet. Die Felder werden hier von einer der ethnischen Minderheiten Panamas bestellt, leicht zu erkennen an den weiten bunten Kleidern, die praktischerweise zeltförmig geschnitten sind, so dass sie sich problemlos an einen schnell wachsenden Bauchumfang anpassen. Dieser betrifft allerdings nicht nur die Minderheiten. Wie überall in Mittelamerika ist das Essen der Wahl Pollo frito (frittiertes Huhn). Wenn es nicht gleich Pommes dazu gibt, dann wenigstens Patacones, frittierte Kochbananen, die mindestens ebenso viel Öl aufnehmen können. In der Regel ist noch einbißchen Alibi-Möhren-Weißkohl Kombination auf dem Teller und damit hat sich die Vitaminaufnahme der Einheimischen dann erschöpft. Wir versuchen uns mit morgendlichem Müsli, nachmittäglicher Plato Tipico (s.o.) und abendlichen Früchten ein wenig ausgeglichener zu ernähren. Das Problem ist nur, dass es meistens kein Müsli und keine Früchte gibt...
Um Santa Catalina an der Pazifikküste zu erreichen, mussten wir das letzte Mal in Sona umsteigen. Als wir ankamen war der nächste Bus schon da aber leer. Nachdem wir unser Gepäck auf das Dach geladen hatten und der Fahrer uns sagte, er führe erst in einer Stunde, trotteten wir also noch zur nächsten Bank. Eine Viertelstunde später war der Bus mitsamt unseren Rucksäcken verschwunden. Ein interessantes Phänomen, bisher fuhren die Busse wenn dann später ab. Glücklicherweise musste der Bus wohl weiter hinten auf der Straße wenden, so dass er nochmal an uns vorbei fuhr und wir doch noch aufspringen konnten. Der Busfahrer zuckte nur mit den Achseln. Voll ist eben voll. In Santa Catalina haben wir ein schönes Plätzchen auf einer Klippe im Meer gefunden, wo es sich hervorragend mit einem Kaffee in der Hängematte lümmeln ließ. Tatsächlich haben wir es hier endlich geschafft, den lange geplanten Surfkurs zu absolvieren. Mit Privatlehrer haben wir es sogar nach einer halben Stunde das erste Mal auf die Bretter geschafft. Nach zwei Stunden war allerdings schon die Kraft aus, so dass wir weitere Fortschritte auf den nächsten Tag verschieben mussten, nicht ohne Abends noch die vier größten Red Snapper, die wir im Dorf finden konnten, zu schuppen (brumm) und zuzubereiten.
Bevor wir der Hauptstadt ein Stelldichein geben wollten, sind wir auf dem Weg nochmal in die Berge nach El Valle abgebogen. Ein Dorf mitten in einem alten, dicht bewaldeten Vulkankrater, der für zackige Felsspitzen rundum sorgt, über die mit hoher Geschwindigkeit mächtige Wolkentürme geblasen werden. So schnell die Wolken, so wechselhaft war das Wetter und Sonne und Regen verfolgten sich in kurzen Intervallen. Zumindest haben wir es geschafft, die schlafende Indianerin zu besteigen, eine Felsformation, die aussieht wie eine liegende Frau mit langen Haaren. Von oben hatte man einen tollen Blick über den gesamten Kessel, wenn auch nur bis die nächste Wolke alles wieder in Watte packte. Wäre das Wetter besser gewesen, wären wir bestimmt noch ein paar Tage zum Wandern geblieben.

Die Miraflores Schleusen des Panamakanals
Maximocontainerschiff in los Schleusos
Containerschiffscrew
Neues Panama City
Altes Panama City
Avenida Central
Panama City bei Nacht
Portobelo
Karnevalsprobe in Portobelo
Der schwarze Jesus vor Isla Grande
Tosca, Rosa und Carmen
Colibri
Surfer auf Isla Grande
Life is good!
Nachdem wir die Hauptstädte der letzten Länder aus Sicherheitsgründen und aus Mangel an Attraktionen nur auf der Durchreise durchquert haben, wollten wir in Panama City einige Tage verbringen, um unsere Ausrüstung vor dem letzten großen Abschnitt Südamerika wieder auf Vordermann zu bringen. Auf dem Weg vom Busterminal in die Innenstadt sind wir gleich mal mit dem Taxi durch die schäbigsten Wohngegenden gefahren, wo die Häuser keine Scheiben mehr haben und die Dichte an pinken Kleidchen extrem zunahm. Das war sehr praktisch, weil wir so wussten, welche Viertel zu vermeiden sind. Die Hauptstraße Panama Citys, die Avenida Central ist nicht wie erwartet von Boutiquen und teure Läden geprägt, sondern vielmehr von Billig-Kaufhäusern, An- und Verkauf-Etablissements und einfachen Pataconesbuden. Dazwischen findet man noch den ein oder anderen Markt. Erstaunlicherweise setzt sich diese Struktur bis mitten in die Altstadt fort, in der wenige restaurierte Gebäude als Hotels und Restaurants neben vielen herunter gekommenen Wohnhäusern und teils nur noch Ruinen stehen. An vielen hängen allerdings Schilder, die erahnen lassen, dass sich in den nächsten Jahren einiges in dem Weltkulturerbe Casco Viejo tun wird. Sieht man über die Fischerboote in der Bucht auf die Hochhäuser, die sich in den letzten 2 Jahren fast verdoppelt haben, und die vielen Rohbauten, denkt man aber noch, dass auf dieser Seite die Zeit stehen geblieben ist.
Nachdem wir unser Pflichtprogramm nach ein paar Tagen erfüllt hatten, wollten wir uns dann doch noch den Kanal anschauen, vor dessen Mündung wir Tag und Nacht die vielen wartenden Schiffe sehen konnten. Außer dass der Transamerika-Kanal durch Panama führt, wussten wir beide vor unserem Besuch herzlich wenig über dieses Land. Tatsächlich gehörte es lange zu Kolumbien und nachdem die Franzosen beim ersten Versuch den Kanal zu bauen gescheitert waren, da die ganze Mannschaft in wenigen Jahren an Tropenkrankheiten verstarb, schwatzten unsere nordamerikanischen Freunde die Panamesen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in die Unabhängigkeit, um sofort danach (nur wenige Tage) den Vertrag zum Kanalbau abzuschließen. Kolumbien hat die Unabhängigkeit erst viel später anerkannt, nachdem 25Mio.Dollar und einige Karibikinseln den Besitzer gewechselt hatten. In Betrieb ist der Kanal seit 1914 jedoch vollständig unter panamesicher Kontrolle erst seit 01.01.2000(!). Mit seinen Schleusen ist er die begrenzende Größe beim Schiffsbau. Allerdings hat die Bevölkerung Panamas gerade mit eindeutigem Votum beschlossen, größere Schleusen parallel zu den alten zu bauen, um in Zukunft die Kapazität zu verdreifachen und dafür zu sorgen, dass noch größere Schiffe unsere Meere durchkreuzen werden. Nichts desto trotz kamen uns die Schleusen, als wir sie von oben betrachtet haben, klein vor, bis wir ein voll beladenes Containerschiff der Maximalgröße (60cm Spaltmaß) bei der Durchfahrt beobachten konnten.
Mit dem Bus ging es dann irgendwann weiter nach Portobelo, zurück an die Karibikküste. Hier traf der Überlandweg, auf dem die Spanier ihr Gold mit Eseln und Pferden quer durchs Land transportierten auf den Atlantik. Nach einer Zwischenstation im alten Kontor wurde von hier der Reichtum der neuen Welt zum Bau von Kirchen und Palästen ins alte Europa verschifft. Neben einigen alten Forts mit rostigen spanischen Kanonen gibt es allerdings nicht mehr viel zu sehen. Wir wollten hier auf unser Boot nach Kolumbien warten. Da die Überfahrt sich allerdings aufgrund von schlechtem Wetter ein paar Tage nach hinten verschob, sind wir nun auf der Isla Grande und schauen aus unseren Hängematten den Colibris vor dem türkisen Wasser zu und träumen von Südamerika.

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Kommentare

anne schrieb:

schön,wieder von Euch einen Blogeintrag zu lesen
also,wir waren begeistert von Costa Rica,
Trekkingsandalen scheinen aber für alle möglichen Wege und Pfade praktischer zu sein als Flipflops,
und Mopedfahren habt ihr trotz einiger Blessuren scheinbar noch nicht aufgegeben,oder?
war das Wasserclosett eigentlich in Betrieb?da war es ja bei Kiki 5-Sterne-WC

06 März 2011 um 09:31
Inge schrieb:

Euer Bericht hat mir einen schönen So-spätnachmittag beschert. Jetzt bin ich wieder ganz "weg" von den hinreißenden Farben eurer Fotos, den exotischen Tieren, den Meeresbildern ...
und nicht zuletzt den fesselnden Informationen und manchen plakativen Formulierungen. Besonders gut gefällt mir der "Sehstern" und der Seestern.Bei der "Schnepperei" wäre ich gerne dabei gewesen... So wurde aber auch die Erinnerung an Asien aufgefrischt...

13 März 2011 um 05:57
Luzfuz schrieb:

..ich finde der Sehstern ähnelt von der Körperhaltung ein wenig dem roten Frosch!! ;-)

Toller Bericht und noch toller war unser Telefonat via Skype. Habe an Karneval ganz viele Kölsch auf euer Wohl getrunken (frag mich nur worauf ich NOCH getrunken habe, denn es waren ein paar zu viel! ;-))

Eine wunderbare Weiterreise und ein dickes Küsschen aus Berlin,
die Luzie

17 März 2011 um 03:22

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