31 Januar 2011

Honduras: Copan, Santa Rosa, Gracias, Comayagua, Tegucigalpa, Choluteca - Nicaragua: Jiquilillo, Leon, Las Penitas, Granada, Isla de Ometepe, San Juan del Sur

Reifenwechsel
Copan las Ruinas
Kopfsteinpflasterstrasse in Copan
Kirche in Gracias
In Antigua entschieden wir uns, die Fahrt nach Honduras nicht im überfüllten Chickenbus mit fünfmal Umsteigen zurückzulegen, sondern mit einem der schnelleren Kleinbusse. Mit entsprechend hoher Geschwindigkeit rasten wir dann auch der Grenze entgegen. Ein kurzer Pinkelstop wurde uns großzügiger Weise nach 4 Stunden vom Fahrer gewährt, der anscheinend schon viel zu spät für ein Rendevouz dran war und deswegen das Gaspedal des kleinen Busses durchtrat. Schon während der Fahrt hatten wir ein ungutes Gefühl was die Straßenlage unseres Gefährts anging und in der Pause sahen wir, dass ein Vorderreifen ziemlich platt war und aufgrund des fehlenden Profils eher wie ein Luft lassender Schwimmreifen aussah. Da die anderen Reifen auch nicht besser, sondern nur voller aussahen, machten wir dem Fahrer klar, dass wir so nicht weiterfahren wollten. Er sah das wohl selbst schnell ein und hielt tatsächlich beim nächsten Straßenrandmechaniker wo vier komplett neue Reifen aufgezogen wurden, die irgendwo unter unserem Gepäck hervor geholt wurden. Diese mussten natürlich sofort mit noch rasanterem Fahren auf die Probe gestellt werden. Trotzdem haben wir die Grenze erst im Dunkeln überquert aber dafür die Versuche der Grenzer, irgendwelche Traumgebühren zu erheben, um so besser entlarvt. Ein paar Kilometer hinter der Grenze liegt das kleine Städtchen Copan Las Ruinas, wo wir uns für zwei Tage niedergelassen und die nahegelegene und wohl letzte weil südlichste Mayastätte unserer Reise besucht haben. Beim Rundgang durch das Dorf mit den kleinen bunten Häuschen und durch die Landschaft fiel uns sofort auf, dass die indigene Bevölkerung Guatemalas nun in Honduras durch Cowboys abgelöst wird. Männer bis hin zum Kleinkind tragen Cowboyhut, Lederstiefel, Jeans und meistens ein kariertes Hemd. Manchmal kommt noch der Schnäuzer hinzu, aber der scheint sich ja gerade ebenfalls bei trendbewussten Backpackern durchzusetzen. In der Regel führt man immer eine rostige Machete mit sich, was aber durchaus weniger beunruhigend ist, als der Colt, den der Banknachbar im Bus schon mal gerne im Hosenbund stecken hat. Von Cowboys und hügelig trockenem Weideland ganz angetan entschieden wir uns gegen die östliche Karibikroute mit den hoch frequentierten Bay Islands und damit für die Routa de Lenca, eine Strecke durch die kolonialen Städte im Inland Honduras. Nach jeweils einer Nacht in Santa Rosa de Copan, in dem von allen angepriesenen Gracias und der alten spanischen Hauptstadt Comoyagua ist uns jedoch schnell klar geworden, dass wir Honduras eher verlassen wollten als geplant. Die genannten Städtchen würden bei uns eher als Dorf bezeichnet werden, bieten jeweils zwei, drei nette Kirchen und einen Marktplatz, aber nach zwei Stunden hatten wir in der Regel alles Interessante gesehen und krochen abends meistens in durchgelegene, schmale Betten von wenig attraktiven Behausungen. Auch die entwaldeten Hügel zwischen den Orten verloren schnell ihren Reiz und so fassten wir den Plan, einen schnellen Ausfall nach Nicaragua zu unternehmen. Hierfür mussten wir dann nach einer Fahrt über den Moloch Tegucigalpa noch einen Zwischenstopp in Choluteca einlegen, wo wir eine Nacht in einem Gewerbegebietmotel, ähnlich einer Tarantino Filmkulisse verbracht haben und somit zumindest unser Bild von Honduras schlüssig abgerundet wurde. Im Übrigen waren wir nach einer knappen Woche Honduras ziemlich geschlaucht aufgrund der permanenten Busfahrten, ziemlich pappsatt vom frittierten Essen, ziemlich verknöst vom Staub in der Luft und ziemlich wasserdurstig, da es mittlerweile sehr warm war aber der gemeine Honduraner seinen Durst eher mit 3 Liter Colaflaschen löscht als mit Wasser. Nicht nur einmal wurden wir in Läden bei der Frage nach Wasser entgeistert mit großen Augen angeguckt und mitunter tatsächlich abgewiesen. Zumindest fühlten wir uns in Honduras trotz Macheten und Pistolen sicherer als in Guatemala.
Bienvenidos en Nicaragua!
Einsamer Pazifikstrand in Jiquilillo
Buntes Leon vor Vulkanbergen
Kirche in Leon
Mit Schuerze und Schuessel unterwegs in Leon
Die Grenzüberquerung nach Nicaragua verlief ziemlich unproblematisch bis auf die üblichen Horden von Menschen, die jeden Bus in gewohnter Manier an der Grenze empfangen, um irgendein Geschäft zu machen, sei es um Gepäck zu tragen, die letzten Geldstücke der Landeswährung zu erhaschen oder arglose Reisende bei ihrem Kampf um die richtigen Stempel bei der Immigration wahlweise zu unterstützen oder zu nerven bis die Grenze schließlich überquert ist.
Im Bus sitzend empfing uns Nicaragua erst ziemlich staubig dafür aber sehr freundlich. Die Sonne strahlte, die grünen Wiesen und Weiden waren voller zufrieden kauender Rinder, ab und an zogen sie auch ganz gemütlich einen Karren hinter sich her während die Vulkane im Hintergrund vor sich hin prusteten. Mit einigen Umsteigeaktionen und den bekannten, immer überfüllten, bunten Bussen fuhren wir hinauf ins Niemandsland zum nördlichsten Zipfel am Pazifik nach Jiquilillo, einem kleinen Fischerdorf. Hier bestehen die Häuser lediglich aus großen aufgeständerten Schilfdächern, es gibt ganze zwei Unterkünfte für Reisende und die Straßen bestehen zu gleichen Teilen aus Schotter und Schlaglöchern. Belohnt wurden wir mit herrlich breitem, unberührtem und dunklem Lavasandstrand, viel Ruhe und unserem ersten Fisch nach wirklich langer Zeit.
Nach ein paar ruhigen Tagen waren wir wieder bereit für die Stadt und rumpelten in einem der drei täglichen Chickenbusse über die Schotterpiste Richtung Zivilisation nach Leon. Die ehemalige Hauptstadt begeisterte uns sofort. Es brauchte dafür nur die alten kolonialen Hofhäuser, viele farbige Fassaden, Kopfsteinpflaster, unzählige Kirchen, und ein paar Markt- und Essensstände, deren Grillgeruch uns den ganzen Tag um die Nase schwirrte und 'Iss mich' in unsere Ohren flüsterte. Im Gegensatz zum aufgehübschten Antigua in Guatemala kommt Leon noch deutlich authentischer daher.
Am Wochenende fahren die Nicas (so nennen sich die Bewohner Nicaraguas selbst) nach Las Penitas, dem „Stadtstrand“ von Leon, der ca. 20 km entfernt liegt. Wir packten ebenfalls unsere Sachen für ein weiteres Stelldichein mit dem Pazifik. Der Strand in Penitas ist ebenfalls sehr breit, fällt aber viel steiler ab als in Jiquilillo und wartet mit starker Brandung auf, die zahlreiche Surfer nach der perfekten Welle suchen lässt. Wir hatten ein touristisches Feriendorf erwartet und fanden ein verschlafenes kleines Dörfchen vor, was ein paar Unterkünfte zu bieten hat, jedoch leider vor zwei Jahren von einem Hurrikan ziemlich stark verwüstet und noch nicht wieder aufgebaut wurde. Mit Meer, Wellen, Strandwanderungen und Fisch äußerst zufrieden konnten wir uns im Anschluss auch dem konservativen Erzrivalen von Leon hingeben.
Kathedrale in Granada
Bunte Strassen in Granada
Auch das ist Granada - Marktstrasse
Nica Alltag
Unser Alltag
Essen auf Beinen
Gute Geschaefte gemacht
Vulkankrater Masaya
Und noch einen Schritt zurueck
Granada ist Nicaraguas älteste koloniale Stadt und liegt am Fuße des Vulkanes Mombacho, sowie am Ufer des Lago de Nicaragua, dem größten See in Mittelamerika. Es wird sofort bei der Ankunft deutlich, dass Granada einmal eine reiche Handelsstadt war, die in der Vergangenheit davon profitierte, dass der See mit dem Rio San Juan über eine natürliche, schiffbare Verbindung zur Karibik verfügte. Dieser Zugang für Handelsschiffe aus Europa wurde allerdings auch wiederholt von Piraten für Überfälle und Plünderungen genutzt. Mitte des 19.Jahrhunderts hatten dann sowohl die Briten als auch die Amerikaner Pläne, die letzten zwanzig Kilometer zum Pazifik mit einem großen Kanal zu überbrücken, der dann schließlich jedoch in Panama gebaut wurde.
Die Häuser Granadas sind im Gegensatz zu Leon oft mehrgeschossig, die Kirchen sind zahlreicher, die Portale höher und die Plätze größer. Wir wollten unser 50 qm großes und 5 m hohes Zimmer mit seinen riesigen Flügeltüren gar nicht wieder verlassen. Im Gegensatz zu anderen Orten in Nicaragua haben ausländische Touristen hier längst ihren Platz gefunden und dinieren in guten Restaurants oder Cafés und wohnen in guten Hotels oder bunten Hostels, die von ausländischen Aussteigern betrieben werden. Trotzdem findet man ein wenig abseits vom Trubel leicht das ursprüngliche Leben, staubige Straßen und streng riechende Märkte auf denen allerlei Waren von dunklen, beleibten Nicas mit ihren Spitzenschürzen feil geboten werden. Granada bietet sich auch hervorragend als Ausgangspunkt für Tagesausflüge an. Während man direkt auf dem Lago de Nicaragua zwischen den vorgelagerten Inseln Kanu fahren kann, hat man von den höher gelegenen Pueblos Blancos, wie dem kleinen Catarina einen wunderbaren Ausblick auf einen Vulkankratersee, die Laguna de Apoyo, das dahinter liegende Granada und den wiederum dahinter liegenden Lago de Nicaragua. Der Besteigung des Vulkans Mombacho haben wir die Anfahrt an den Kraterrand des aktiven Vulkans Masaya vorgezogen. Der Krater des Masaya hat einen Durchmesser von mehreren hundert Metern, aus der Tiefe steigen ähnlich wie aus dem Bromo auf Java schwefelhaltige Wolken hinauf und man hört es die ganze Zeit brodeln. Um den Kraterrand herum wächst das gleiche lange gelbe harte Gras. Besteigt man eine Erhöhung sieht man dann weitere Trichter und Krater, die jedoch nicht mehr aktiv sind. Eine beeindruckende Landschaft finden wir und beschlossen danach auf die Vulkaninsel Isla de Ometepe im Lago de Nicaragua zu fahren.
Isla de Ometepe
Transportmittel tanken
Bananenexpress
Inselrundfahrt auf Ometepe
Staendige Begleiter: Affen
Gefiederter Freund am Strassenrand
Vulkan Concepcion auf Ometepe
San Juan del Sur
Pelikane
Der Ometepe Name bedeutet zwei Berge. Gemeint sind die beiden Vulkane Concepcion und Maderas, die durch erhärtete Lava miteinander verbunden sind und eine große Insel bilden. Nach einer schaukeligen Bootsfahrt landeten wir auf einer fantastisch ursprünglichen Insel. Asphaltierte Straßen gibt es nur im Nordteil und so wird eine Busfahrt oder eine Fahrradtour wie wir sie unternommen haben anstrengender und länger als geplant. Während der Verschnaufpausen kann man sich an Bananenplantagen, tausenden Blüten, bunten Vögeln und Leguanen erfreuen, immer vor der Kulisse eines der beiden Vulkane. Hier auf der Insel haben unsere Freunde die Brüllaffen uns auch zum ersten Mal auf dieser Reise gezeigt, warum sie ihren Namen tragen. Schon oft gesehen haben wir sie jedoch noch nie gehört. Leider zu früher Stunde schien es einen Kampf direkt gegenüber unserer Unterkunft zu geben, dessen Töne uns erst an eine zweite Nessie im See glauben ließen. Und dann traten sie klein und unschuldig aus dem Gebüsch hervor.
Unsere letzte Station in Nicaragua sollte noch einmal der Pazifik sein. San Juan del Sur, der wohl touristischste Ort neben Granada ist nicht mehr als ein kleines Dorf in einer sichelförmigen Bucht voller bunt gestrichener Holzhäuser. Ziemlich idyllisch jedoch mit Strandrestaurantmeile und vielen halbnackten Surfern mit einem Brett unter dem Arm und einem Bier in der Hand. Wir haben uns in einem der lila-gelb angemalten Holzhäuser niedergelassen und eine kleine Bretterbude am Meer gefunden, wo wir täglich frischen Fisch, Krake oder Schrimps kaufen konnten, um in der Küche unserer Gastfamilie zu kochen. Am Playa Maderas, einem der Surferstrände in Nicaragua haben wir trotz langer Suche leider keine auch nur halbwegs akzeptable Unterkunft finden können und so musste der geplante Surfkurs mal wieder, wie schon in Indonesien, in die Zukunft verschoben werden.
Wird in Costa Rica die Tier- und Pflanzenwelt sicherlich noch farbenprächtiger und vielfältiger werden so hat uns Nicaragua mit den liebenswerten Nicas, den kolonialen Städten und den Vulkan- und Kraterlandschaften beeindruckt und wird uns sicherlich wiedersehen.

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Kommentare

inge schrieb:

Die Vielfalt der Bus/Taxierlebnisse ist unglaublich! - Sehr egoistisch hoffe ich,dass Kai sich nicht von den Schmäuzer-backpackern anstecken lässt.
Tragt ihr jetzt auch Machete und Cowboyhut? Kai im Traumzimmer, Nadja am Fahrrad, beide vor dem Vulkan - wie schön, euch zu sehen!
Die ersten Tierbilder!
Übrigens: das Päckchen aus Bangkok ist immer noch nicht da.

05 Februar 2011 um 05:02
anne schrieb:

schön,ein Lebenszeichen von euch zu hören und zu sehen.wieder mal phantastische Fotos,
auf zu neuen Abenteuern:in Costa Rica warten Reservate(Manuel Antonio Nationalpark mit allerlei giftigen Getier)Vulkan Arenal,karibische Küste ist auch zu empfehlen,Hauptstadt San Jose nicht so ,Playa Tamarindo ist super.Trekking-und Kanutouren,Rafting,Surfen,Schnorcheln,Tauchen.Costa Rica ist einfach ein Eldorado für Naturliebhaber und aktiven Tourismus.
Ach ,ihr werdet schon sehen.

06 Februar 2011 um 08:19

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