03 Dezember 2010

Mexiko: Tijuana, Mexico City, Taxco, Puebla, Oaxaca, San Cristobal, Palenque, Campeche, Merida, Valladolid, Tulum, Chetumal, Calakmul - Belize: Caye Caulker

Hecho en Mexico
Mexico City Downtown
Mexico City Suburbs
Teotihuacan
Al-Kai ist auch Da!
Los Tacos en Los Wochos
Taxco
Jesus von Taxco
Käfer brummen durch Taxco
Um ein Haar der Diabetes Tropica in Indonesien entkommen, brachte uns unser zweiter Flug zunächst einmal von Bali zurück nach Bangkok. Dort haben wir drei Tage damit verbracht, unseren Hausstand (Rucksäcke) auszumisten, Kleidung, Medikamente und Hygieneartikel aufzufüllen und uns nochmal umfangreich mit Thailändischem Essen vollzustopfen, ehe wir unsere Expedition ins Land von Huhn, Bohnen und Mais (aka Polloland) antraten. Am 1. November startete der Marathon Pazifiküberquerung. Von Bangkok ging es um 1:30 Uhr morgens in fünf Stunden nach Seoul, wo wir acht Stunden Aufenthalt hatten, um dann von Südkorea nochmal zehn Stunden nach Los Angeles zu fliegen. Da wir dabei auch die Datumsgrenze überquerten und deswegen auch am 1. November um 11:00 nordamerikanischen Boden betraten, schrumpfte unser 48h Trip auf dem Papier auf nicht mal zwölf Stunden zusammen. Unglaublicherweise haben uns die USA wesentlich mehr Kopfzerbrechen bezüglich der Einreise bereitet als jedes zentralasiatische Land. Kommt man nämlich mit einem One-Way-Ticket daher, wird einem voreingestellt unterstellt, man wolle auf unbestimmte Zeit im Land verbleiben. Um das Gegenteil zu beweisen, sind Arbeits- und Mietverträge aus dem Heimatland erforderlich, die wir offensichtlich nicht haben. Unsere Überlegungen in Thailand ein US-Visum zu beantragen, haben wir schnell wieder zu den Akten gelegt, da ein Vorstellungsgespräch erforderlich ist, bei dem die gleichen Nachweise erbracht werden müssen. Außerdem fallen 140 Dollar Gebühren an, sodass wir schließlich für weitaus weniger Geld One-Way-Flüge von Los Angeles nach Kolumbien gebucht haben, die wir zwar nicht antreten werden, aber als Nachweis der beabsichtigten Ausreise ausreichend sind. Flüge in die Nachbarländer Mexiko und Kanada oder auf die karibischen Inseln reichen im Übrigen nicht aus. Der Weg durch die Immigration verlief dann auch problemlos, abgesehen davon, dass man mein Konterfei nicht mit dem langhaarigen Bombenleger in meinem Reisepass in Übereinstimmung bringen konnte. Zum Glück konnte ich mit dem Lichtbild in meinem Führerschein Abhilfe schaffen. Trotz des Aufwandes hinein zu kommen, haben wir keine Zeit verloren das verheißene Land schnellstmöglich wieder zu verlassen. Nach einer Busfahrt vorbei an den Hollywood Buchstaben und einem Fußmarsch durch Downtown L.A. sind wir mit einem auf 16 Grad tiefgekühlten Greyhound Bus die Pacific Ocean Road bei Sonnenuntergang Richtung Süden gefahren, um nach vier Stunden im Dunkeln an der amerikanisch-mexikanischen Grenze zu stehen. Nachdem wir durch ein Parkhaus, über den Highway und durch ein Oneway-Drehkreuz gelaufen waren, standen wir auf mexikanischem Boden und hatten weder die amerikanische noch die mexikanische Immigration gesehen. Nach den ersten Spanisch-Versuchen bei den Mexikanern und viel Unverständnis bei den Amerikanern haben wir schließlich eine Extrarunde zurück durch USA und wieder nach Mexiko gedreht, immer noch ohne Ausreise-Stempel, den es angeblich nicht gibt, dafür aber zumindest mit der erforderlichen Touristenkarte für Mexiko. Die letzten Meter in ein kleines, einfaches Hotel haben wir dann im Taxi zurückgelegt um nach mehr als fünfzig Stunden mal wieder ein Bett zu sehen.
Tequilla in Oaxaca
Der alte Mann und das Fenster
Morgensonne nach kalter Nacht in San Cristobal
Farbenfrohes San Cristobal
San Juan Chamula
Wer hat meine Mandarinen gegessen?
1000m über und 200m unter dem Wasser im Canyon del Sumidero
Palenque
Mexiko-Feeling kommt bei Tijuana nicht auf. Eine Touristenmeile mit Bars, Discos und übergroßen Sombreros für die Amerikaner. Ein paar Restaurants und der Rest sieht aus wie eine herunter gewirtschaftete amerikanische Vorstadt. Wie durch alle anderen Grenzstädten zwischen diesen beiden Ländern fließt auch durch Tijuana der Drogenstrom von Süd- und Mittelamerika. Unzählige Polizisten und Soldaten sind unterwegs und im Hintergrund hört man ständig die Einsatzsirenen. Auch wenn es eine der gefährlichsten Städte Mexikos sein soll, sind die Einwohner deswegen nicht weniger freundlich und wir haben uns mit Freude von ständig lächelnden Mamas in die lokale Ess- und Trinkkultur einweihen lassen. Jeder ist hilfsbereit ohne eine Gegenleistung zu erwarten und anders als von Asien gewohnt versuchen weder Taxi- noch Collectivofahrer zu Betuppen. Nachdem uns ein Nachmittagsausflug an die Pazifikküste gezeigt hatte, dass die vorhandene trostlose Bebauung nur von noch hässlicheren Resorts abgewechselt wird und wir festgestellt hatten, dass der Weg nach Mexiko-City im Wesentlichen aus vielen 12h-Busfahrten durch Wüste und für uns wenig interessante Landstriche führen würde, haben wir uns entschlossen unsere Reise durch Lateinamerika erst in der Hauptstadt Mexikos zu beginnen und sind dorthin kurzerhand geflogen. Respekt hatten wir schon vor dieser Stadt mit weit mehr als zwanzig Millionen Einwohnern, verstärkt noch durch die Landung im Dunkeln, bei der die endlosen Lichter unter uns scheinbar bis zum Horizont reichten. Gefallen hat es uns tatsächlich um so mehr. Flanieren über den Zocalo, dem zentralen Platz vor der Kathedrale, Entdecken der kolonialen Innenstadt und Ausspannen in einem fünf Meter hohen Zimmer mit Balkon in einem der riesigen Hofhäuser. Die ungewohnte Kälte hat uns am ersten Morgen ziemlich früh aus den Betten auf die Straße getrieben und da die Mexikaner es scheinbar gemütlich angehen lassen, teilten wir die Straßen mit wenigen Frühaufstehern und einer Handvoll Polizisten. Wider Erwarten waren auch diese sehr freundlich und offen und haben uns auch ohne Schmiergeld zielsicher zum Straßenstand mit dem besten Frühstück geführt. Im Stehen und in der ersten Sonne haben wir Burritos mit Zuchiniblüten und Käse gegessen und dazu Cafe de Olla mit Zimt und Honig geschlürft. Am Rande der Hauptstadt haben wir auch die erste eindrucksvolle Ausgrabungsstätte besucht, abends den ersten Tequilla getrunken und dem ersten Gitarrenspieler in der ersten Altherrenkneipe gelauscht.
Blick aus unserem Fenster auf den Zocalo in Campeche
Nadjalyn in Campeche
Fluch der Karibik oder Dr.Zoidberg
Tanz auf dem Zocalo in Merida
Innehof unseres Hostels in Merida
Unser Frühstücksstand in Valladolid
Chichen Itza
Uups!
Maya Tic Tac Toe
Dia del Muertes
Immer noch Totensonntag
Ein Zweitagesausflug führte uns nach Taxco, einem der Pueblos Magicos. Wie in einem italienischen Bergdorf kaskadieren unzählige weiß gestrichene alte und neue Häuschen den Berg mit dem großen Jesus auf der Spitze herunter und umfließen dabei protzige Barockkirchen, alte Wohnpaläste und gemütliche Plätze auf denen die Bewohner lebende Wanzen und Käfer als Snacks anbieten. Die metallenen Brüder der letzteren in Form unzähliger, weißer VW-Käfer und ihre großen Onkels, die ebenfalls weißen VW-Busse, sorgen als Taxis und Sammeltaxis für mehr als genug Leben und Lärm in den engen Gassen. Nach der Rückfahrt durch Kakteen übersäte Berge und Garben bestandene Felder starteten wir von Mexiko-City aus schließlich unsere kulturelle und kulinarische Reise durch dieses riesige Land.
Unser Weg führte uns mit Puebla, Oaxaca, San Cristobal, Campeche, Merida und Valladolid in alte koloniale Städte, die sich durch Größe und Landschaft unterscheiden, dabei aber alle den zentralen Zocalo mit der großen Kathedrale, die kolonialen Verwaltungsgebäude und die bunten Wohnhäusern gemeinsam haben. Wie wenig Sinn es macht den Ureinwohnern einen fremden Glauben aufzudrängen haben wir wieder eindrucksvoll in San Juan Chamula, einem kleinen Dorf in der Nähe von San Cristobal erlebt. Dorthin gefahren waren wir eigentlich wegen des sonntäglichen Marktes bei dem sich die ethnische Minderheit der Tzotzil aus den umliegenden Dörfern mit ihren farbenfrohen Trachten und Fellmänteln auf dem zentralen Marktplatz versammelt. Die Frauen bieten Waren feil während sich die Männer auf Musik und Alkoholgenuß konzentrieren. Inmitten dieses bunten Treibens steht die weiß getünchte Kirche San Juan wie ein Fels in der Brandung. Betritt man dieses Gotteshaus wird man zunächst von einer Dunkelheit empfangen, in der jedoch unzählige Kerzen flackern. Der Geruch von Piniennadeln steigt einem in die Nase ehe sich die Augen an das Dämmerlicht gewöhnt haben. Der Steinboden ist vollständig mit ihnen bedeckt und kleine Gruppen von Mexikanern kauern auf frei gefegten Inselchen. Mit Hilfe der Curanderos, den örtlichen Medizinfrauen werden allerlei dubiose Rituale zelebriert. Im Zentrum steht meist ein Kind, über welches reichlich Schnaps anstatt Weihwasser gespritzt und daraufhin mit einem lebenden Hahn abgewischt wird, dem anschließend der Hals umgedreht wird. Neben dem Alkoholdunst und dem Hahnengeschrei wird man von schwerem Weihrauch benebelt während man vermeintlich entsetzt von den vor den Wänden aufgereihten Heiligenfiguren angestarrt wird. Wenn das der Papst wüsste!
Unser Cabana am Strand von Tulum
Wir am Strand von Tulum
El Castillo Tulum
Los Attractivos Tulum
Las Chicas del Playa
Roadtrip to Calakmul
Eine Pyramide in Calakmul
Über den Bäumen von Calakmul
Neben Chamula gibt es natürlich auch in allen anderen Städten vielfältige Märkte, die für uns vor allem die Möglichkeit darstellten, ins lokale Essen einzutauchen. Grundnahrungsmittel Nummer eins in Mexiko ist der Tortilla, ein dünner Fladen, meist aus Mais-, seltener aus Weizenmehl. Reis liegt weit abgeschlagen auf Rang zwei während Nudeln und Kartoffeln noch nicht einmal im selben Stadion spielen. Nun haben sich die Mexikaner einen Haufen verschiedener Verarbeitungsarten des Roh-Tortillas ausgedacht und jedes Endresultat mit einem eigenen Namen unter dem Sammelbegriff Antojitos belegt. Da gibt es Tacos, kleine Tortillas mit viel Fleisch und wenig Gemüse belegt auf die man noch möglichst viel scharfe Jalapenos und Salsa Verde häuft, bevor man sie mit Limettensaft beträufelt und versucht auf dem Weg zum Mund weniger als die Hälfte des Belags zu verlieren. Sopes sind größere Tacos mit zusätzlichem Bohnenmus. Burritos sind Sopes, die eingerollt und nochmal gebraten werden. Quesadillas sind Burritos mit Käsefüllung. Enchiladas sind Quesadillas, die im Ofen gebacken und mit Salat und Frischkäse bestreut werden. Flautas sind frittierte Enchiladas und so lässt sich das Spiel endlos fortsetzen. Die wenigen Gerichte denen keine Verwandtschaft mit Tortillas nachzuweisen sind, bestehen in Suppen oder Huhn-Reis-Bohnen-Kombinationen mit den verschiedensten Soßen (natürlich gibt es immer Tortillas als Beilage). Besonders erwähnenswert ist hier die Mole Negro, eine dicke schwarze Soße, die neben zahlreichen Gewürzen auch Schokolade als Zutat aufweist. Da das Tortilla-Fleisch-System auf Dauer recht einseitig ist und im Übrigen auch eine akute Skorbut-Gefahr birgt, haben wir wann immer es ging die Gemeinschaftsküchen der kunterbunten Hostels genutzt, um ein wenig Abwechselung auf unsere Teller zu bringen. Sehr gut ist uns das mit dem 1,3kg schweren Kopffüßler in Campeche gelungen (Krake à la Fluch der Karibik).
Haaros Lassos
Looking good on Caye Caulker
Auf Caye Caulker in Belize
Riesenmuscheln auf Caye Caulker
Auf Wiedersehen Meer!
Besonders interessant zum Bereisen ist Mexiko natürlich auch durch die Baudenkmäler der Zivilisationen vor der Kolonialisierung durch die Spanier. Wir haben uns bei unserer Route auf die größeren Anlagen beschränkt, wobei jede ihren eigenen Reiz hatte. Liegt Teotihuacan in der Hochebene von Mexiko-City mit den beiden großen Sonne- und Mondpyramiden um die zentrale Straße der Toten gruppiert, glänzt die kleinere Stätte Monte Alban bei Oaxaca mit der Lage auf einer Bergspitze am Kreuzungspunkt dreier Täler. Die erst teilweise ausgegrabenen Pyramiden der Maya-Stadt Palenque liegen im Dschungel auf den Bergen, die aus der Halbinsel Yucatan empor steigen, während Chichen Itza zwischen Merida und Valladolid besonders reich an Fresken und Details ist. Hier haben wir uns auch mit Patricia und Isabel getroffen, die uns eine gute Woche über Yucatan begleitet haben. Zusammen haben wir den alten Mayahafen in Tulum erforscht und ein paar Tage in Strohhütten unter Palmen an weißen Karibikstränden verbracht. Zu viert sind wir mit einem Mietwagen per Roadtrip tief in den Dschungel an der Grenze zu Guatemala eingedrungen, um einige der über 6000 Gebäude der Maya-Stadt Calakmul zu erklimmen. Die größten überragen sogar den Regenwald, so dass man von oben über das endlose Grün schauen kann. Zurück in Chetumal bin ich noch meine seit Bishkek nicht mehr gekürzten Haare los geworden, bevor wir Mexiko schließlich per Boot verlassen haben. Uns hat Mexiko sehr gut gefallen. Die große Vielfalt mit Pazifik, Karibik, Bergen, Vulkanen, Kolonialerbe, Dschungelstädten und nicht zuletzt den Mexikaner selbst machen es für uns zu einem besonderen Land auf dieser Reise.
Mittlerweile sind wir auf Caye Caulker, einer kleinen Insel vor Belize mit vielen bunten Holzhäusern, weißem Sand und einem Haufen langhaariger Rastafaris. Bei der immanenten Bob Marley Musik genießen wir hier nochmal Meer und Fisch ehe es weiter in die Berge Guatemalas geht.

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Kommentare

patricia schrieb:

et war schöööööön ....

05 Dezember 2010 um 11:55
Buk schrieb:

HAHA!
Doctor Zoidberg! Wat witzig!

06 Dezember 2010 um 08:10
Yasmin+Christian schrieb:

Mensch Ihr lieben, wie gerne würden wir euch nochmal zufällig treffen;-) weil dann wüßten wir das wir in Guatemala wären :-))) weiterhin viel viel spaß und schickt mal ruhig die sonne und ein paar grad rüber ;-) wir frieren uns noch immer den allerwertesten ab :-(

grüße aus der "alten" kalten Heimat zu frankfurt

06 Dezember 2010 um 01:57
inge schrieb:

Ganz hoch hinauf - da hat sogar Nadja keine Schlappen an!
Ganz kurz geschoren - da scheint es ja gut warm zu sein!(Bei uns schneit es weiter)
Ganz neues Essen - da wird euer "Reiserezeptbuch" bereichert.
Ich bin gespannt,welch neue Lieblingsgerichte es bis hier nach D schaffen.

09 Dezember 2010 um 05:45
Johann und Viola schrieb:

Hallo Liebe Nadja und lieber Kai,

ihr seid unsere Helden! Frohe Weihnacht und die herzlichsten Grüße aus der verschneiten und vereister Heimat. Passt gut auf euch auf!!!
Wir denken oft an euch

Viola und Johann

24 Dezember 2010 um 04:39
Juliana & Matthias schrieb:

Hola Koschica und Kai!!
wir wünschen Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Wir werden in Kolumbien und Panama ende Januar sein, wahrscheinlich wird ihr noch nicht so unten sein, aber wenn ja, bitte meldet euch!!!

29 Dezember 2010 um 04:11
Mannheimer Thomas schrieb:

Hey Ihr Zwei!

Jetzt hab ich schin vor Monaten ne Karte von Euch erhalten und immer noch nicht Danke gesagt!

Also: Danke!

Ich wünsche Euch noch alles Gute für Eure weitere Reise und seid Euch unseres Neids bewusst ;-))

Bis demnächst,

Thomas

07 Januar 2011 um 12:01

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