28 Oktober 2010

Indonesien Java: Jakarta, Cibodas, Bandung, Pangandaran, Yogyakarta, Surabaya, Bromo - Indonesien Bali: Lovina, Ubud, Nusa Lembongan, Sanur

Langsam aber beharrlich!
Interview am Strand von Pangandaran
Schulschluss
Schweren Herzen stiegen wir nun das erste Mal auf dieser Reise in ein Flugzeug, was uns nach Jakarta auf der Insel indonesischen Java brachte. Und hier stießen wir auch zum ersten Mal auf Korruption, die uns am eigenen Leib betraf, denn der Mann am Flughafenschalter wollte uns nicht einreisen lassen, weil wir kein Flugticket für die Ausreise vorweisen konnten. Bei unserer Recherche im Vorfeld konnten wir keine derartige Bestimmung finden. Vor dem Schalter stehend ist dies jedoch egal und nachdem wir dem Wunsch des Mannes nach einem „Souvenir“ in Form von Geldscheinen nachgekommen waren, durften wir dann für umgerechnet fünf Euro doch noch indonesischen Boden betreten.
Die Hauptstadt selbst ließen wir links liegen und fuhren mit einem kleinen, verrosteten und vollgestopften Bus in die Berge nach Cibodas, um unser Bedürfnis nach Natur zu befriedigen. Indonesien war bis Ende 1949 eine holländische Kolonie und so sahen wir schon während der Busfahrt noch alte Spuren. Beim Schild „Knallpott“ gibt es z.B. Auspuffe zu kaufen, was man jedoch bei den „Fresstips“ bekommt, war uns auch nicht klar geworden. Die ersten paar Tage verbrachten wir bei einem netten alten Indonesier, der damals noch in der Schule holländisch gelernt hatte und sich das bis heute durch Bücher Lesen bewahrt hat. Wir genossen die Tage bei angenehmen Temperaturen mit Wandern und Akklimatisieren, ließen uns bekochen und beantworteten gerne die morgendliche Frage, ob wir „lekker beslapen“ oder ob die Dusche „lekker koud“ war, mit ja. Cibodas selbst ist ein kleines unspektakuläres Dörfchen am Fuße des 3000 Meter hohen Vulkans Gede, was sich am Wochenende in ein riesiges Touristenzentrum entwickelt und von nach kühlem Klima hungrigen Indonesiern aus Jakarta oder Bandung per Motorrad angesteuert wird. Die ca. 100 verlassenen Essens- und Souvenirstände unter der Woche deuteten schon auf ein großes Spektakel hin.
Schlafend sind sie uns am liebsten
Taman Sari in Yogyakarta
Tagesausflug Wasserschloß
Prambanan Tempel
Borobudur Tempel
Grüne Bohnen Saft
Grünroter Fuß
Vulkan Merapi
Schnell bekamen wir ein gutes Bild von Indonesien, das sich so sehr von den anderen südostasiatischen Ländern unterscheidet. Sicherlich am augenscheinlichsten sind die vielen kopftuchtragenden Frauen und die zahllosen Moscheen, von denen jedes Dorf mehr als Straßenecken hat. Der Hinduismus auf Java wurde schon im 15. Jahrhundert zurückgedrängt und dann ganz vom Islam abgelöst. Wir hatten manchmal das Gefühl, nicht weit entfernt von Zentralasien zu sein. Der Wohlstand einer Familie wird hier noch in der Größe und Lautstärke des Motorrades ausgedrückt und Autos auf den Straßen sind entweder Transporter oder kleine bunte Minivans, die als örtlicher Busersatz dienen. Erstaunlich ist aber, dass hier jeder mit einem Blackberry herumläuft, auch wenn das Haus, was ihm gehört, weder Toilette noch Dusche aufweisen kann. Die Modernisierung hat Einzug gehalten und schreitet in zu großen Schritten voran. In diesem Falle wurde die Handyzeit einfach übersprungen. Schnell haben wir auch erkannt, dass wir bezüglich des Essens eine vierwöchige Durststrecke zu absolvieren hatten. Der Vitaminhaushalt sank aufgrund des fehlenden Gemüses im Essen drastisch, da sich die Mahlzeiten hier nur um Nasi oder Mie Goreng (gebratener Reis oder Nudeln), Huhn mit Reis und nicht definierbaren frittiertem Allerlei (auch noch Überbleibsel der Holländer?) drehen. Selbst unsere morgendliche Nudelsuppe veränderte sich in eine Brühe mit nach Fleisch schmeckenden Klößchen natürlich ohne Gemüse, wenn wir Glück hatten mit noch ein paar blauen Nudeln darin, die erst bei Kontakt mit dem heißen Sud weiß wurden. Dafür stieg unser Zuckerhaushalt gefährlich Richtung Diabetes an, da sämtliche Getränke eine Unmenge an Zucker enthalten, die selbst einen Kaffee manchmal ungenießbar machen. Und wenn wir von sämtlichen Getränken reden, dann meinen wir damit auch das Bier!!!
Unser nächstes Ziel sollte Bandung sein. Nach einer sechsstündigen Busfahrt bei 40 Grad, bei der unser völlig überfüllter Bus sich so stark erhitzte, dass wir in dichtem Nebel fluchtartig den Bus verließen, um den nächsten vorbeifahrenden ebenfalls überfüllten Bus noch voller zu machen und wir am Ende des Tages zwar am Ziel ankamen, jedoch insgesamt nur eine Stecke von 80 km zurückgelegt hatten, beschlossen wir, nur noch per Bahn in diesem Land zu reisen. Mit nur einer Nacht bedachten wir die äußerst unspannende Stadt Bandung und verließen sie am nächsten Morgen diesmal natürlich per Bahn Richtung Südküste durch eine wunderschöne Landschaft aus terrassierten Reisfeldern und lernten dabei 99 weitere Grüntöne kennen.
Straßenszene in Surabaya
Markthalle in Surabaya
Vulkan Bromo von oben
Im großen Krater
Blick in den Bromo Krater
Fahren oder reiten?
Fahren!
Im hochgepriesenen Strandörtchen Pangandaran, welches nur am Wochenende von den Insulanern bevölkert wird und unter der Woche ziemlich ausgestorben daliegt, verweilten wir dann wieder nur einen Tag, da das Schwimmen am Strand aufgrund der starken Strömung fast überall verboten war und unser eigentlicher Plan Wellenreiten sich somit auflöste. Mit ein paar Snappern, Krabben und Garnelen mehr im Magen steuerten wir dann das intellektuelle, kulturelle und ehemals politische Zentrum Javas, die Stadt Yogyakarta an. Hier im Backpacker-Viertel sahen wir dann doch noch ein paar mehr nichtindonesische Touristen, die sich ansonsten ganz gut auf der Insel verteilen. Die Stadt selbst hat außer einem ehemaligen Sultanspalast und seinem Wasserschloss vor allem Batikkunst und alle am Prozess der Herstellung bis zum Verkauf beteiligten Personen zu bieten. Weiterhin die tausende auf der Straße hintereinander stehenden Fahrradrikschas und ihre ziemlich viel darin schlafenden oder im anderen Falle aufdringlichen Fahrer. Dem gemeinen Touristen dient sie vor allem als Ausgangspunkt zur Besichtigung der zwei bekannten Tempelanlagen Borobudur und Prambanan. Letzterer ist der älteste und wichtigste Hindutempel-Komplex in Java mit damals über 50 Tempeln, von denen heute leider nur nur noch wenige zu sehen sind. In ihrer Bauweise erinnern die Tempel stark an die bekannten kambodschanischen, bei näherer Betrachtung unterscheiden sie sich jedoch aufgrund der abgebildeten hinduistischen Mythologie oder auch im geringeren Detaillierungsgrad der Reliefs. Der Borobudur hingegen ist der älteste und wichtigste buddhistische Tempel auf Java. Er besteht aus mehreren übereinander geschichteten Steinplattformen, auf denen nochmal zahllos gemauerte Stupas jeweils einen Buddha in ihrem Bauch aufbewahren. Umgeben wird er von einem grünen Tal mit dichter Vegetation über dem in der Ferne die Silhouette des zur Zeit brodelndem Merapi-Vulkans thront. Beim Verlassen von Yogyakarta sahen wir ihn noch einmal von Weitem rauchen. Heute wissen wir, dass er in den danach folgenden Tagen einige Todesopfer gefordert hat. Ich bin noch einmal glimpflich mit einem angestauchten Zeh davon gekommen, den man sich in Indonesien aufgrund offenstehender Kanaldeckel oder herausstehender Eisenstäbe auf dem Fußweg schnell holen kann. Einen unfreiwilligen aber sehr interessanten Stopp haben wir danach in Surabaya eingelegt. Eine Stadt, in die sich kaum ein Tourist verirrt, es sei denn er wird zum Umsteigen am Bahnhof gezwungen, die auf der einen Seite den Sprung in die Moderne schon längst mit ihren achtspurigen Highways und zahlreichen Shopping-Malls geschafft hat, die inmitten des Zentrums jedoch noch im Mittelalter stehengeblieben ist. Als einzige Ausländer haben wir hier für ziemliche Aufregung gesorgt. Wir sahen besonders durch meine blonden Haare den Straßenverkehr stocken, die Lastenträger stolpern und wurden von allen Seiten in die Arme gekniffen oder an der Haut gerieben. Und wenn man uns nicht mit offenen Mündern anstarrte dann gab es ein Daumen hoch, ein 'Herzlich Willkommen' oder einfach ein Winken.
Tempelwächter
Suppenküche mit blauen Nudeln
Reisfelder um Munduk
Grundsätzlich sind die Javanesen uns bisher alle sehr freundlich begegnet, des Öfteren jedoch mit dem Gedanken etwas verkaufen zu können. Im Übrigen wird man in keinem anderen Land in Südostasien so oft und so schlecht angelogen, was Preise angeht. So soll man sogar für Busfahrten oder im Kiosk um die Ecke immer den doppelten Preis bezahlen, was jedoch nicht so einfach fällt, wenn beim Preis zu lange überlegt oder der Preis auch gerne noch mit dem nebenstehenden Kollegen besprochen wird.
Einen wirklichen atemberaubenden Ort haben wir danach in Cemoro Lawang gefunden. Ein kleines Dorf auf ca. 1.900m direkt am Kraterrand des Bromo-Vulkans gelegen hieß uns mit einem herrlichen Blick in den riesigen Krater, dessen Sohle vollkommen aus schwarzer Sandwüste und weiteren „kleinen“ teilweise noch aktiv brodelnden Vulkankegeln besteht, willkommen. Eine Wanderung während des Sonnenaufgangs durch diese Sandwüste mit rot oder gelb leuchtenden Steppengras hinauf zum brodelnden Bromo wird uns aufgrund der Farbenvielfalt wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Der Schwefelgeruch, der uns umhüllenden Vulkanwolken wohl ebenfalls, und unser geplantes Frühstücks-Picknick auf dem Vulkan verschoben wir deswegen schnell auf die Wiederkehr in die Ebene.
Unser Haus in Ubud
Safety first!
Ein Schrein
Die Opfergaben der letzten 21 Tage
Frauen opfern Früchte
Männer opfern Hähne
Reisterrassen bei Ubud
Reisfeldwächter
Pura Besakih
Reisfelder bei Gunung Kawi
Nach einer weiteren panoramareichen Zugfahrt standen wir viel schneller als gedacht dann irgendwann auf der Fähre nach Bali und steuerten mit Lovina ein kleines Örtchen im Norden der Insel an. Von einem mittelmäßigen schwarzen Sandstrand abgesehen gibt es hier nur wenig zu sehen. Die meisten entscheiden sich wohl für eine Dolphin-Tour zu Sonnenaufgang, nur wir konnten allein das Wort nach einem halben Tag nicht mehr hören und wollten schon ein Schild schreiben mit „No, Thank You“. Dies wäre in Anbetracht der nächsten Tage auf Bali sicherlich kein unnötiger Aufwand gewesen. Denn leider reicht hier ein einziges Nein nicht aus. Mit dem Moped erkannten wir, dass sich das Geheimnis von Bali im landschaftlich attraktiveren Hinterland befindet und wir zogen in das von Reisterrassen umgebene Handwerks- und Künstlerdorf Ubud um. Dort fanden wir schnell die Anziehungskraft, die von Bali ausgeht aber auch die Verdorbenheit, die uns einen zweiten Besuch der Insel wohl schwer machen würde. Inmitten von Reisfeldern auf denen tüchtig gearbeitet wurde, fanden wir ein kleines Paradies zum Wohnen, konnten von dort weiter in die Umgebung und nächstgelegenen Dörfer laufen und das noch tatsächlich existierende ursprüngliche Leben beobachten. Balis Bevölkerung besteht zu ca. 92% aus Hindus. Die Religion spielt eine große Rolle im Tagesablauf und so wird Bali auch die Insel der Tausend Tempel genannt. Zu den zahlreichen im Dorf vorhandenen aufwendig gestalteten und geschmückten Tempeln kommen noch die Schreine hinzu, die es in jedem Hause gibt, was von der Straße aus betrachtet oft den Anschein erweckt, als bestünde Bali nur aus Sakralbauten. Tempelportale aber auch alle anderen Eingänge werden oft mit Wächtern in Form von Hexen, Dämonen oder ähnlichem geschmückt. Weiterhin werden an besonders gefährdeten Stellen wie Straßenkreuzungen oder Brücken Götter gehuldigt und Dämonen besänftigt indem man mehrmals täglich Opfergaben aus einem Bananenblatt mit Blumenblüten, Reiskörnern, Räucherstäbchen, Früchten oder Süßigkeiten dar bringt. Was gut für Götter und Dämonen aber auch für Insekten, Vögel und Mäuse zur Nahrungsergänzung ist, ist manchmal jedoch schmerzhaft für nackte Beine wenn man die Räucherstäbchen am Boden nicht ständig im Auge behält. Beeindruckt von Natur, geschmückten Tempeln, Geistern und von den riesigen Opferkörben, die von farbenfroh gekleideten Balineserinnen auf dem Kopf getragen werden wohnten wir dann noch einem Hahnenkampf bei, den wir zufällig in einem Tempelhof vorfanden. Die aufgeregte Menge, die ihre Hähne liebenden Männer und die Wetteinsätze vor einem einzelnen Kampf boten eine spannende Atmosphäre, die jedoch für einen Außenstehenden und den Eigentümer des am Ende toten Hahnes in jedem Falle immer traurig endet.
Auf Nusa Lembongan
Seegrasernte
Vulkan Agung auf Bali betrachtet von Nusa Lembongan
Auf Wiedersehen Südostasien!
Dem Geheimnis der Anziehungskraft der Insel auf die Spur gekommen waren wir im gleichen Moment auch abgestoßen. Was für den Europäer Mallorca ist, ist für den Australier Bali. Geschmackliche Entgleisungen in Kleiderordnung und Benehmen kann man hier an jeder Ecke antreffen. Der Inselbewohner ist mittlerweile daran gewöhnt und abgestumpft penetriert er deshalb um so mehr für irgendeine Leistung viel Geld auszugeben. Ziemlich genervt davon flohen wir auf die vorgelagerte Insel Nusa Lembongan, mit der Absicht hier ein paar Tage zu ruhen und den verschobenen Surfkurs nachzuholen. Leider waren die Wellen nicht für Anfänger geeignet, die Strände aufgrund der starken Strömung oder der Algenfarmen im Wasser nicht besonders attraktiv zum Schwimmen und so verbringen wir zur Zeit die letzten Tage vor unserem zweiten großen Teil der Reise in Sanur an der Südküste Balis zurückgezogen in einem gemütlichen Guesthouse mit Pool in weiter Ferne von Strand und Rummel.
Wenn nur die anderen großen Inseln mit Sumatra, Kalimantan, Sulawesi und Papua so unterschiedlich sind wie Java und Bali, bleibt in diesem Archipel mit insgesamt über 17.000 Inseln noch unendlich viel zu entdecken und zu erforschen.

<< Zurück zu MalaysiaWeiter zu Mexiko >>

Kommentare

Anne schrieb:

da habt ihr ja mal wieder großes Glück gehabt,wegen Merapiausbruch usw.

10 November 2010 um 06:07
de buk schrieb:

Wenn ich mir den Song an(seh)höre,
muss ich immer mit einer Träne im Knopfloch an Euch denken.

http://www.youtube.com/watc...

p.s. 196 Aufrufe sind von mir ;-)

und nund los!
Was macht Mexiko

10 November 2010 um 06:26
kathrin & michael schrieb:

Grüße von Kathrin & Michael- remembering 1/2 verquatschter Tag mit euch in Sanurs netter Unterkunft! Sind wieder zuhause im novemberkalten grauen Bremen. Sehr schöne Fotos- v.a. die grinsenden Arbeiter auf dem Granola- LKW und Nadja im Reisfeld.
Euch eine tolle Zeit in Mexiko!

21 November 2010 um 08:18

Neuer Kommentar

Dieser Artikel ist geschlossen. Keine Kommentare mehr möglich.