10 Oktober 2010

Malaysia: Georgetown, Ipoh, Cameron Highlands, Kuala Lumpur, Melaka - Singapur

Koh Lanta
Hat Yai
Nachdem wir Koh Phi Phi verlassen hatten, blieb uns laut den Stempeln in unseren Reisepässen noch eine Woche Zeit, um aus Thailand auszureisen. Unseren ursprünglicher Plan, mit Fähren von Insel zu Insel bis zur Pulau Langkwai in Malaysia zu schippern, konnten wir leider nicht in die Tat umsetzen, da die meisten dieser Boote nur zur Hauptsaison fahren. Ohnehin so langsam der Inseln überdrüssig entschieden wir uns nach dem Übersetzen nach Krabi nur noch die Insel Koh Lanta per Bus und Autofähre anzulaufen, um dort einige ruhige Tage wieder zu zweit zu verbringen. Da sich während der Nebensaison nur eine handvoll Touristen auf dieser recht großen Insel aufhalten, sind die meisten Unterkünfte geschlossen und entsprechend lange haben wir gebraucht, um eine schöne Holzhütte am Meer zu finden. Durch das Umherwandern mit unseren Rucksäcken waren wir auch schon am ersten Abend bei den wichtigsten Dorfbewohnern und den ortsansässigen Expatriots bekannt. Das einzige offene Bambusrestaurant wurde zu unserem Wohnzimmer und die Inhaberin mit ihrer Crew zu unserer Ersatzfamilie. So haben wir zwischen Schwimmen, Lesen und viel Schreiben unser Gastspiel von Tag zu Tag verlängert bis unsere Aufenthaltsgenehmigung keinen Aufschub mehr duldete. Per Bus sind wir einige Stunden nach Hat Yai gefahren, wo wir einen verregneten Nachmittag und einen Abend unter flammendem Himmel über die schon sehr muslimisch geprägten Märkte gestreift sind. Da die drei südlichsten Provinzen Thailands an der Golfküste aufgrund von ethnischen Unruhen immer noch unsicher sind, haben wir uns von Hat Yai nach Westen gewandt und sind mit einem Bus direkt zur Pulau (Insel) Penang in Malaysia durchgestartet.
Georgetown Downtown
Georgetown Chinatempel
Georgetown Gute Freunde
Georgetown Das Große Fressen
Georgetown Alt und Neu
Georgetown Kek Lok Si Tempel
Georgetown Laksa-Stand
Der Grenzübergang war der unkomplizierteste bisher, wir mussten noch nicht einmal ein Formular ausfüllen und wenige Stunden später erschien eine Kulisse unattraktiver Hochhäuser in der Straße von Melaka vor uns. Nachdem die Autofähre uns mitten ins Zentrum von Georgetown gebracht hatte und wir eine anstrengende Unterkunftsuche hinter uns hatten, war der schlechte erste Eindruck aber schon ins Gegenteil verkehrt. Georgetown ist die älteste der englischen Siedlungen in der Straße von Melaka und hatte aufgrund ihrer strategischen Lage auf der Handelsroute zwischen China und Europa besondere Bedeutung. Die Chinesen und Inder, die von der britischen Kolonialmacht im frühen zwanzigsten Jahrhundert nach Malaysia gebracht wurden prägen nach wie vor mit Chinatown und Little India neben den englischen Verwaltungsgebäuden das Bild von Georgetown. So finden sich in der Altstadt, die seit 2008 Weltkulturerbe ist, unzählige Straßenzüge mit alten Geschäftshäusern die aus einem erdgeschossigen Laden oder einer Werkstatt und den Wohnräumen im Obergeschoss bestehen. In vielen der Gebäude wird weiter den alten Handwerken wie Räucherstäbchen herstellen, Kaffee rösten, Wahrsagen und Pillen drehen nachgegangen. Dazwischen stolpert man über prunkvolle chinesische Clanhäuser und bunte hinduistische Tempel vor denen halbnackte Priester Kokosnüsse zerschlagen. Das Beste ist aber das Essen. Haben Chinesen und Inder ihre ganz typische Küche mitgebracht, sind es die Malaien, die unzählige für uns neue Gerichte durch Kreuzen der unterschiedlichen Küchen kreiert haben. So haben wir gegrillten Stachelrochen verzehrt, Laksa, eine Fischsuppe mit Muscheln und Minze probiert, Nasi Lemak (zu Deutsch „Fettreis“), ein Gemisch aus Reis, Chili, Gemüse und vielen getrockneten Sardellen, eingerollt in ein Bananenblatt gegessen und Nudelsuppe mit in Honig geröstetem Schwein und Teigtaschen gelöffelt. Die verbleibenden Fahrradrikschas und die endlosen Garküchen tragen zum Charme der großen Stadt auf Penang bei. Nachdem wir den Rest der Insel per Mietwagen erkundet haben, schlossen wir erst einmal ab mit den Inseln und sind nach Ipoh im Inland gefahren, aufgrund der Zinnvorkommen die ehemals reichste Stadt Asiens. Heute reicht ein Tag aus um die alten prunkvollen Kolonialgebäude zu erlaufen und einen Blick auf die umliegenden Karstformationen zu werfen. Gewohnt haben wir im Majestic Station Hotel, dem alten Bahnhofsgebäude. Grundsätzlich erwies sich die Zimmersuche in Malaysia immer als schwierig. Die Preise für Doppelzimmer liegen oft gerade mal bei zehn Euro, dafür sind es dann auch gerne vermockte Hütten ohne Fenster und ohne Bad in denen man mühelos den Finger durch die dünne Wand ins Nebenzimmer bohren kann. Schon in Georgetown haben wir uns angewöhnt in Hotels zu gehen, in die wir uns sonst nicht getraut hätten, um dann für wenig mehr, deutlich besseren Standard zu bekommen. So war denn auch der Deluxe Raum in Ipoh für weniger als zwanzig Euro zu haben.
Kuala Lumpur Chinatown
Kuala Lumpur Alt und Neu
Kuala Lumpur Petronas
Kuala Lumpur Interessante Getränke
Kuala Lumpur ist auch dies...
Melaka Unser Viertel
Melaka Stadtrundfahrt
Unsere nächste Station sollten die Cameron Highlands sein, der Rückzugsort der Engländer in den Bergen, um der Hitze des Tieflandes zu entfliehen. Im Reiseführer als besinnlicher Ort zum Wandern in der Natur angepriesen, haben wir neben Tälern, die mit Erdbeerplantagen und Plastikplanen zugedeckt waren, vor allem endlose Hotelmeilen gefunden. Man neigt in Malaysia dazu, es dem Touristen sei es Malaie oder Ausländer leicht zu machen und entsprechend Wege durch Berge zu sprengen, Pfade zu betonieren oder Casinos in den Bergen zu errichten. Folgerichtig haben wir unsere Beine in die Hand genommen und sind am nächsten Tag weiter nach Kuala Lumpur gereist. Wenigstens bei der Fahrt durch die Berge konnten wir noch ein wenig Natur bestaunen und sogar noch einige palmwedelbedeckte Bambushütten ausmachen. Verglichen zu den anderen südostasiatischen Ländern macht in Malaysia alles einen sehr zivilisierten und vielleicht etwas zu durchorganisierten Eindruck. Ähnlich wie in China werden überall mit wenig Respekt vor dem Ort und der Natur Hochhäuser und auch große Siedlungen von Einfamilienhäuser gemäß „copy, paste“ errichtet, während der Rasen an den Straßen mit der Nagelschere geschnitten wird. Erstaunlicherweise haben wir hier aber auch die schäbigsten Unterkünfte und die dreckigsten Küchen gesehen. (Der Wanderpokal für die unappetitlichsten Klos bleibt aber unangefochten in China;-)
Große Erwartungen hatten wir nicht an Kuala Lumpur als asiatische Großstadt, um so mehr hat es uns gefallen, als wir feststellten, dass wir uns nur zwischen eineinhalb Millionen Einwohner, geordnet wiederum in Chinatown, Little India und Kuala Lumpur City Center, zurecht finden mussten. Unsere Zentrale in Chinatown war ein strategisch günstiger Rückzugsbereich von dem sich bequem die Straßenstände, Kolonialgebäude und Shoppingmalls (von außen) erkunden ließen. Einen der anderthalb Millionen Einwohner kannten wir auch schon, nämlich Jon, dessen Bekanntschaft wir in den Kriegswirren von Kirgistan gemacht hatten. Der Abend, den wir zusammen zwischen Hochhäusern und chinesischen Lampions verbracht haben, vermochte uns interessante Einblicke in das Leben in Malaysia zu vermitteln. Erlangte es die Unabhängigkeit erst 1957 wurden umgehend Gesetzte zur Bevorzugung der malaiischen Bevölkerung eingeführt, um der wirtschaftlichen Dominanz der Ausländer, vor allem der Chinesen, entgegenzuwirken. Eigentlich für eine Übergangszeit gedacht sind diese Gesetzte noch heute und Kraft und benachteiligen die Nicht-Malaien im Land ganz erheblich. So sind z.B. viele Universitäten für sie nicht zugänglich. Werden etwa 20% „Others“ aufgenommen, müssen diese dafür wesentlich besser qualifiziert sein, als die 80% Malaien. Neben ungünstigen Krediten und höheren Grundstückpreisen ist eine Stellung im Staatsdienst oder ein Werkvertrag von öffentlicher Stelle kaum denkbar. Jon ist als Kind eines chinesischen Vaters, der schon in Malaysia geboren wurde und einer schweizer Mutter offiziell „Other“ und somit voreingestellt in seinem Geburtsland benachteiligt. Nur zu gut ist der Wunsch nach Singapur oder Europa zu gehen zu verstehen. Neben vielen Geschichten, über die man nur den Kopf schütteln kann, ist besonders die Tatsache bemerkenswert, dass der Staat die Armutsgrenze auf 1200 Ringgit (ca. 300 Euro) festgesetzt hat, seine Polizisten aber lediglich mit 800 Ringgit entlohnt und sie somit praktisch zur Korruption zwingt. Mit Tim und Ann haben wir am nächsten Tag noch die beiden Belgier wiedergetroffen, mit denen wir in Kirgistan am Songköl eine Jurte geteilt haben. Sie waren auf dem Rückweg von Indonesien nach Nepal und zufällig zur gleichen Zeit in Kuala Lumpur. Nachdem wir viele Informationen über unser nächstes Ziel Indonesien von den beiden erhalten und eine Menge gelesen haben, entschieden wir uns für die Insel Java mit der Option auf Bali und oder Lombok bevor wir von Bangkok zum zweiten Teil unserer Reise Richtung Mexiko aufbrechen werden.
Singapur Central Buisness District
Singapur CBS bei Nacht
Singapur Eifrige Chinesen
Singapur Chinatown
Berlin Singapur Overland - Another job well done!
Unser letzter Halt in Malaysia sollte Melaka sein, Namensgeber der Meerenge und nach chinesischer, portugiesischer und langer holländischer Herrschaft schließlich britische Enklave. Wieder einmal konnte uns Malaysia hier mit dem so typischen Mix der Kulturen, Küchen und kolonialen Überbleibseln beeindrucken. Nach zwei laufintensiven Tagen, Erdnußfondue, dem weltbesten Tandoori Chicken und einer sehr schönen Unterkunft in einem alten Wohnhaus am Fluss mit unheimlich netten Gastgebern fiel uns der Abschied Richtung Singapur und damit dem Endpunkt unseres Überlandweges von Europa nach Asien wirklich schwer. Auf dem südlichsten Zipfel der malaiischen Halbinsel gelegen und von gefühlt ebenso vielen Europäern wie Asiaten bewohnt, konnte uns auch Singapur mit seiner Vielfalt an Geschichte, Bauwerken, Menschen und Gesichtern überraschen. Erschöpft von unserer Erkundungstour am Fußufer vor der Hochhauskulisse des Central Buisness Districts waren wir einfach froh, dass wir nicht zu den Unmengen von weißen Anzugträgern gehören, die bei Sonnenuntergang aus den Banken strömten, um sich in ihren kleinen beschränkten Kreisen in exquisiten europäischen Restaurants teure Weine einschenken zu lassen.
Hier liebe Leser endet der erste Teil unserer Reise, über Land von Berlin nach Singapur. Wenn Ihr erfahren möchtet, wie uns der Weg nach Mexiko über Indonesien führt und warum wir hier zum ersten Mal Bestechung und zwar gleich bei der Einwanderungsbehörde anwenden mussten, dann... dranbleiben!

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Kommentare

inge schrieb:

Eure Reise und besonders das letzte Foto verdienen den großen Foto-Abenteuerpreis!
Wir stecken am Ausgangsort eurer Reise in B.-Ri - auch hier ist es schön --und anstrengend.
Ich bin gespannt auf den nächsten blog -
und irgendwann einmal auf ein Essen mit euch hinsichtlich der neuen kulinarischen Erfahrungen.

18 Oktober 2010 um 09:05

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