14 September 2010

Thailand: Ayuthaya - Kambodscha: Siem Reap, Battambang, Phnom Penh - Thailand: Koh Chang, Bangkok

Nach dem wir mehrere Monate abgesehen von den unzähligen Begegnungen mit Einheimischen und überschaubar vielen Begegnungen mit anderen Reisenden im Wesentlichen für uns allein waren, haben wir in Bangkok einige Tage gebraucht, um uns wieder an die Menschenmengen zu gewöhnen. Die endlosen Garküchen mit ihren Snacks auf Spießchen, die vielen Bars mit der lauten Musik, die aufdringlichen Verkäufer, die fortwährend ihre Holzfrösche quaken lassen oder leuchtende Fallschirme in die Luft schießen, die bunten Laser, ständig auf der Suche nach unseren Augen, die halbnackten Ladyboys und die vielen, vielen tätowierten Backpacker haben des öfteren dafür gesorgt, dass wir mit offenem Mund nur gestarrt haben. Die neueste Touristenattraktion ist die Fischmassage, bei der unzählige Putzerfische die vergammelten Hautfetzen für viel Geld von den Füssen fressen. Nachdem wir den ersten Reizansturm einigermaßen verkraftet und unser Gepäck ausgemistet und aufgestockt hatten, haben wir unsere Eltern am Flughafen abgeholt. Wir hatten ihnen die Botschaft der Reise mitsamt Flugtickets letztes Weihnachten überreicht, was zumindest bei Nadja für ein tränenreiches Fest gesorgt hat. Wir wollten die Gelegenheit nutzen, unseren Eltern etwas zurück zu geben und ihnen ein Stück Südostasien zu zeigen. Meinte unser Taxifahrer auf dem Hinweg noch, Nadja sei eine tolle Frau, da sie nicht so viel rede wie die Thai Frauen, haben wir natürlich schon auf der Rückfahrt durchs nächtliche Bangkok unentwegt zu sechst durcheinander geschnattert. So sollte es die nächsten Wochen auch weiter gehen, daher gibt es diesen Blogeintrag auch erst mit etwas Verspätung.
Bangkok Königspalast
Bangkok Tempel im Königspalast
Fischmassage
Ayuthaya
Ayuthaya und der liegende Buddha
Haben wir selbst einige Zeit für Bangkok gebraucht, obwohl wir es kennen, war es für unsere Eltern natürlich eine ungleich größere Umstellung. Entsprechend langsam sind wir bei unserem Stadtrundgang auch voran gekommen, da alle paar Meter jemand über die Kabelbäume über den Straßen oder den kleinen Rattentempel am nächsten Baum staunend zurück geblieben ist. Trotzdem haben wir den Königspalast erreicht, den riesigen, liegenden Buddha im Wat Pho umschritten und den Wat Arun, das Wahrzeichen Bangkoks erklommen. Abends haben wir der Verdauung des Kulturschocks mit gegrilltem Red Snapper, scharfen Currys und zahlreichen Chang Bieren nachgeholfen.
Als das Experiment, jeweils drei Personen mitsamt Gepäck in ein TukTuk zu quetschen, geglückt und der Preis von 250 auf 100 Baht heruntergehandelt war, konnten wir irgendwann sogar die Fahrt quer durch die Stadt zum Bahnhof antreten. Antreten meint hier mit Vollgas und Dauerhupe den Linksabbieger entlang preschen und sich hinter der Ampel geschickt zwischen Bus und Geländewagen rein quetschen, um das Manöver dann auf dem Rechtsabbieger der nächsten Kreuzung zu wiederholen. Mit einem Euro pro Person ist das wahrscheinlich auch noch wesentlich günstiger als jede Achterbahnfahrt. Auch während der anderthalb Stunden Zugfahrt in der dritten Klasse nach Ayuthaya nahm das Staunen kein Ende. Das Leben brandet genauso an Bangkoks Schienen wie an die Ufer und Straßenränder. Hütte drängt sich an Hütte und Küche an Küche. Gegessen wird an Holztischen zwischen den Gleisen. Mit Abnahme der Geschosse nehmen Bäume und Felder zu und den letzten Teil haben wir durch ein Meer von grünen Reisfeldern zurückgelegt. Vor Bangkok war Ayuthaya 400 Jahre lang die Hauptstadt Thailands bis es durch die Burmesen zerstört wurde. Drei Flüsse, die sich hier treffen, umschließen eine Insel auf der noch eine Vielzahl beeindruckender Monumente zu finden ist. Nach einer schweißtreibenden Begehung der immer weiter zerfallenden Ruinen haben wir uns mit einem Longtail-Boot gemütlich an den großen Tempeln an den äußeren Ufern vorbei schaukeln lassen. Vor allem im Süden Thailands gehören diese Boote für bis zu zehn und mehr Passagiere zu den gängigen Fortbewegungsmitteln. Auf dem Heck eines langen Holzkahns wird ein Auto- oder LKW-Motor installiert, der über einen langen Ausleger eine Schiffsschraube antreibt. Neben sehr hohen Geschwindigkeiten wird dabei vor allem auch ein erstaunlich hoher Lärmpegel erreicht. Nachdem sich alle bei den extremen Temperaturen so gut wie möglich akklimatisiert hatten und sogar mit dem Essen sehr gut zurecht kamen solange morgens eine Ei-Toastbrot-Kombination aufzutreiben war, waren wir bereit für größeres: Ab nach Kambodscha!
Rushhour in Kambodscha
Und die Hufe zum Himmel...
Angkor Wat
Und noch ein Tempel
Natur gegen Kultur
Kultur gewinnt;-)
Erst im TukTuk chauffieren lassen
dann selbst Vollgas geben
und dann geht die Puste aus!
Andere pusten an anderen Orten und in anderer Stellung
Die ersten fünf Stunden Busfahrt zurück nach Bangkok und weiter nach Aranya Prathet verliefen abgesehen von einigen tropischen Regenstürmen unproblematisch. Von meinem letzten Besuch des gleichen Grenzübergangs wusste ich aber, dass sich dies vermutlich nicht fortsetzen würde. Das kambodschanische Poipet ist fest in Mafiahand und zwar nicht nur Prostitutions-, Drogen-, und Glücksspielmafia, sondern auch Bus- und Taximafia. Nachdem wir unsere Visa Upon Arrival in unseren Pässen und die Horden halbnackter Engländerinnen in FlipFlops, Puk-Sonnenbrillen, Tubing VangVieng-TShirts und Eiskaffe in der Hand an der Immigration zurückgelassen hatten, kehrten wir erstmal in der nächstbesten Plastikstuhlküche ein. Während wir unseren gebratenen Reis mit Gemüse aßen, wurden uns schon ständig von hinten Taxen nach Siem Reap für jeweils achtzig Dollar angeboten. Nadja und ich sind dann die Straße entlang marschiert, haben zwei Chinesen mit dem gleichen Ziel aufgesammelt und zwei Taxen für je fünfundzwanzig Dollar organisiert. Soweit so gut. Als wir nunmehr acht Personen darin verstaut hatten, traten die Taxischieber mitsamt Polizei auf den Plan, um uns an der Weiterfahrt zu hindern. Da wir nicht bereit waren Schmiergeld zu bezahlen, waren wir schließlich gezwungen, alles wieder auszuladen und zu Fuß die staubige Straße mit unseren Rucksäcken und Rollkoffern durch gefühlte 50 Grad entlang zu ziehen. Auch wenn wir wenig daran geglaubt hatten, tauchten jenseits des Wirkungskreises der Arbeitsgemeinschaft von Kriminellen und Polizei unsere Taxen wieder am Horizont auf und wir konnten durchgeschwitzt, unbehelligt, aber beobachtet einsteigen und doch noch losfahren. Nach abermals einigen Stunden Fahrt durch Reisfelder und wenige Strohhütten erreichten wir Siem Reap und mussten im Dunkeln nochmals nach Diskussionen auf TukTuks umsteigen, die uns dann aber ohne weitere Umwege zum gewünschten Ziel gebracht haben. Nicht unbedingt die Erfahrung, die wir unseren Eltern gewünscht haben, aber ganz ohne Beschwerlichkeiten geht es eben doch nicht. Siem Reap ist der Ausgangspunkt für Besichtigungen der Tempel von Angkor und nachdem wir einen Pausentag zur Erkundung der Stadt und der Kambodschaner eingelegt hatten, nicht ohne mal wieder das Hospital aufgesucht zu haben, nachdem Nadja aufgrund von einer Lebensmittelallergie rot angelaufen war, waren wir bereit für die Eroberung der riesigen Anlage per TukTuk. Wie wir alle im Laufe der Reise festgestellt haben, ist TukTuk nicht gleich TukTuk. In Bangkok sind es tatsächlich dreirädrige Gefährte mit Karosse und einer Sitzbank. In Ayuthaya sind es zwei gegenüberliegende Sitzbänke, in PhnomPenh ist es eine Sitzbank in Fahrtrichtung mit dem Fahrer dahinter und in Siem Reap sind es hölzerne Anhänger mit einer bequemen Sitzbank und zwei unbequemen Notsitzen, die über eine selbst geschweißte Anhängerkupplung an ein Moped angehängt werden. Gegen Regen überdacht und durch Fahrtwind gekühlt ist es für die Tempel die optimale Fortbewegungsweise. Fahren diese Dinger mit Benzin so mussten wir in unsere Körper in den zwei folgenden Tagen ungleich viel mehr Wasser nachfüllen, um bei der unglaublichen Schwüle und Hitze mitten in der Regenzeit bestehen zu können. Dass Nadja und ich dabei je zwei der sechs täglichen 1.5l Flaschen und Inge eine getrunken hat, während sich die anderen drei lediglich eine teilten, sollte dann auch nicht ganz ohne Folgen bleiben.
Bootsfahrt Siem Reap - Battambang
Leben am Fluss
Spielplatz Fluss
Battambang
Familienkutsche auf Khmer
Hundesnack
Straßenecke in Phnom Penh
Markt in Phnom Penh
Nationalmuseum in Phnom Penh
Kopfarbeit in Phnom Penh
Ist jeder Tempel für sich allein schon ein Meisterwerk, steigt der Eindruck nochmals wesentlich, wenn man nach und nach ein Gefühl für die Größe und Ausdehnung des gesamten Areals entwickelt. Dazu kommt die Lage mitten im Dschungel und die riesigen Bäume die Tolkien-like über Mauern hinweg steigen, Steinquader aus Mauern herausreißen und ganze Bauwerke zwischen ihren Wurzeln zerquetschen zu scheinen. Hier erkennt man auch ohne Tsunami, dass die Natur stärker ist. Wir haben unseren Weg schließlich per Boot erst über den TonleSap See und dann über Flussläufe in Richtung Battambang fortgesetzt. Statt der angekündigten fünf, waren wir zwar neun Stunden unterwegs, dafür durften wir während dessen dauerhaft im Vollformat am täglichen Flussleben teilnehmen. Zwischen Stelzenhäusern, Fischern mit Reusen, Schülern auf Booten, Stahltöpfen in Küchen und den vielen, nackten und spielenden Kindern gab es unendlich viel zu sehen und zu entdecken. Gegen Abend klagte dann die Hälfte der Mannschaft über geschwollene Füße und am nächsten Tag hatten wir den ersten Ausfall wegen angehendem Hitzeschlag. So wie wir damals keinen Schal anziehen wollten, wenn die Eltern es uns hinterher gerufen haben, scheinen diese als Vergeltung nicht darauf zu hören, wenn wir ihnen erklären, dass sie in den Tropen mehrere Liter am Wasser am Tag brauchen. Auch mit Argumenten wie „Ich trinke lieber weniger, dann schwitze ich nicht soviel“ haben wir uns nicht vom Gegenteil überzeugen lassen. Am zwangsläufigen Pausentag einigten wir uns schließlich alle einsichtig auf Schal bei Kälte und viel Wasser bei Hitze und feierten mit Bananenkuchen Nadjas Geburtstag über den Dächern der einstigen französischen Handelsniederlassung Battambang.
Phnom Penh sollte unsere letzte Station in Kambodscha werden. Wer hier die kleine Schwester Bangkoks erwartet hatte, wurde von kleinteiliger Bebauung, alten französischen Kolonialgebäuden, vielen kleinen, gemütlichen Cafes und Restaurants sowie von unzähligen freundlichen und offenen Khmers überrascht. Neben dem Kulturprogramm Königspalast und Nationalmuseum verbrachten wir vor allem Zeit in den dicht bevölkerten Gassen, bunten Märkten und der Uferpromenade, wo am asiatischen Gewusel am besten Teil zu haben war. Natürlich hat auch Phnom Penh seine negative Seite mit der schrecklichen Geschichte dieses Landes, den vielen Krüppeln, den bettelnden Kindern und allem, was im Verborgenen liegt, aber ein Besuch lohnt diese Stadt auf jeden Fall.
Mit dem Bus fuhren wir endlich durch dichten Wald wieder an den ersten Bergen vorbei, bevor wir der Küste Richtung Norden und somit nach Thailand folgten. Zu guter Letzt kamen auch unsere Eltern noch in den Genuss asiatischer Gewaltfilme, diesmal in Gestalt eines Westerns mit chinesischen Darstellern, die möglichst schnell ihre Magazine leer schossen, um sich dann in bester KungFu Manier die Schädel einzuschlagen. Dass anderweitige Zerstreuung oder Unterhaltung bei der Lautstärke unmöglich war, ist eigentlich müßig zu erwähnen. Nachdem an der Grenze kurzzeitig unser Gepäck verschwand und genau so schnell wieder auftauchte, brachte uns ein vollgestopfter Minibus zur Fähre in Laem Ngop, die uns auf die Elefanteninsel KohChang hinüber geschippert hat.
Fischerdorf auf Koh Chang
Von links nach rechts: Anne, Inge, Jürgen, Nadja, Udo
Maylamean Bungalows
Bangkok mal anders
Die letzten Tage haben wir im Maylamean in White Sand Beach an der Westküste verbracht. In gemütlichen Bungalows und auf der Wohnzimmerterrasse über dem Meer haben wir schon vor zwei Jahren unsere Verletzungen von Laos auskuriert. Nachdem sich unsere Eltern noch mit Kiki, der Berliner Betreiberin angefreundet hatten, wollte eigentlich niemand mehr an zu Hause denken. Thai Massage, gegrillte Fische und Pineapple Shrimps Curry taten ihr Übriges. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge mussten wir schließlich irgendwann nach Bangkok zurückkehren. Nachdem niemand mehr Lust auf Shopping hatte, haben wir nochmal ein Longtail gechartert und sind zwei Stunden durch die unzähligen Kanäle, die sich wie ein Straßennetz durch die Stadt ziehen, geschippert. Begeistert, dass man auch nach mehreren Besuchen immer wieder Neues entdecken kann, haben wir unsere Eltern schließlich ins Taxi zum Flughafen gesetzt. Und wenn sie nicht immer noch in Frankfurt darüber spekulieren, was genau denn nun die Viagra-Massage ist, sollten sie mittlerweile wieder wohlbehalten und vollgestopft mit Eindrücken zu Hause angelangt sein.

<< Zurück zu SüdchinaWeiter zu Südthailand >>

Kommentare

KAIundNADJA schrieb:

Lieben Dank für die Glückwünsche!
Wir haben ausgiebig mit Bananenkuchen und Kerzen gefeiert. Nun wollen wir die nächsten Tage ohne Eltern und Heiko und Steffi mal kürzer treten. Das Sonnenuntergangsbier am Strand ist trotzdem ein Muss!
Wir freuen uns, dass Ihr emsig lest!

14 September 2010 um 05:11
anne schrieb:

das habt ihr aber scheeeen geschrieben, das mit dem Trinken und dem Schal.
tolle Fotos und erst der Kommentar....
es war ein toller,erlebnisreicher Urlaub,vielen Dank für diesen.Rezepte zum Nachkochen sind schon in Arbeit.Vielleicht war es nicht der letzte Thailandaufenthalt,vielleicht ein Wiedersehen bei Kiki und der 1,38-Meter-Thaifrau vom Restaurant.
Übrigens was Viagra-Massage ist,haben wir immer noch nicht definieren können.

14 September 2010 um 09:48
Inge schrieb:

Euer Team-experiment war ein überwältigender Erfolg, euer Bericht und eure Fotos ebenfalls! Unsere gemeinsame Reise bewegt uns weiter sehr und hat den Keim zu "mehr" gelegt.
Wir lesen erneut Tiziano , jetzt mit noch größerem Interesse.
Für eure Weiterreise - jetzt wieder in "Neuland" - alles Liebe und Gute , Inge

17 September 2010 um 07:50
Luzie schrieb:

Ihr Lieben!
Das ist der mit Abstand schärfste Beitrag. Er hat mich gerade genau im richtigen Moment erwischt und prompt aus einem Anflug von Wochenstartdepression gehieft - ich habe fast Tränen gelacht bei dem Brict und einigen Fotos. Stark!! :)
Ganz liebe Grüße,
Luzie*

20 September 2010 um 09:27
Luzie schrieb:

BEricHt sagt man auch.. ;-)

20 September 2010 um 09:28
B+T schrieb:

Hey Ihr Hübschen!
Wir haben auf einen kalten nassen Septembernachmittag gewartet, um uns mit Euren Erzählungen und Bildern den Geist zu wärmen.

Bianca+Thomas

PS. grandioses Familienmofabild!

26 September 2010 um 02:01

Neuer Kommentar

Dieser Artikel ist geschlossen. Keine Kommentare mehr möglich.