10 August 2010

China: Chengdu, Lijiang, Shaxi, Dali - Laos: Luang Nham Tha - Thailand: Chiang Mai, Bangkok

Chengdu DowntownChengdu Alt und Neu
Unser Aufenthalt in der 4.1 Mio Stadt Chengdu hat länger angedauert als erwartet. Einmal angekommen, kommt man nicht mehr so einfach weg. Die Chinesen haben die Angewohnheit, ihre Züge weit im Voraus zu buchen. Sie würden sicherlich das Frühbuchersystem der Deutschen Bahn lieben! Für unsereins, die wir oft nicht wissen, wo wir morgen hinfahren werden, stellte das aber ein Problem dar. Irgendwann haben wir jedoch noch zwei teure Plätze Richtung Panzhihua ergattern können und haben die vier Tage Wartezeit damit verbracht, den fortgeschrittenen Modernisierungsprozess einer chinesischen Großstadt in sämtlichen Lebensbereichen zu betrachten. Meistens haben uns drei Stunden Stadtrundgang bei 40 Grad schon ausgereicht, um schnell wieder in unsere kleine grüne Oase des Guesthouses zu fliehen. An jeder Straßenkreuzung stehen hier zwei oder sogar drei Verkehrslotsen je Ecke(!), auf einer Kreuzung also bis zu 12 dieser Helfer, um die einzelnen Verkehrsströme neben einer Ampel zu lenken. Eine Shopping Mall löst die nächste ab und sämtliche Fast Food Ketten wechseln sich im 50 Meter Takt ab. Alte Hochhäuser werden abgerissen oder wieder mit einer netten Glasfassade auf Hochglanz gebracht. Wohnhäuser verwandeln sich in 40 Geschosser, die jedoch ein attraktives Wohnziel zu sein scheinen. Wir haben aber auch noch die schönen kleinen gewachsenen Wohnviertel gefunden und dort unsere Essen bei Mutti um die Ecke eingenommen.
Nach unserer Nachtfahrt nach Panzhihua sind wir gleich morgens in den Bus gesprungen, der weiter nach Lijiang fährt. Die Strecke ist wunderschön. Sie führte über Serpentinen und Pässe, vorbei an grünen Reisterrassen und kleinen Dörfern. Dennoch war es die anstrengendste 9-Stundenbusfahrt bisher, denn schon nach einer halben Stunde übergab sich das Kind zu unseren Füssen. Der Geruch und die Serpentinen trugen, wie schon im vorigen Eintrag beschrieben, zum gemeinschaftlichen Unwohlsein unserer Mitreisenden bei. Wir versuchten mit Deo und Mentholöl dem Geruch Herr zu werden und mit Kopfhörern die Geräusche zu übertönen. Irgendwann sind wir dann aber in Lijiang angekommen, und haben uns in einem kleinen Guesthouse niedergelassen, um nach Chengdu mal etwas durchzuatmen.
Lijiang
Lijiang Dächer und Lampions
Shaxi Marktplatz
Shaxi Chinesen
Dali Pagoden
Dali Seepanorama
Dali Fischer
Ein Großteil Lijiangs wurde durch ein Erdbeben 1996 zerstört um anschließend im traditionellen Baustil der Naxi-Volksgruppe wiederaufgebaut zu werden. Und so schlendert man über Kopfsteinpflaster durch die Gassen, die durch neue alte Holzhofhäuser und rote Lampions geprägt sind. Leider ist es nur in den ganz frühen Stunden des Tages so malerisch, denn die unzähligen Cafés, Restaurants und Shops geben ein Vorzeichen auf den Tag und spätestens wenn die erste chinesische Reisegruppe, deren Guide immer einen Schirm in der Hand und ein Mikro am Mund hat, auf die Straße tritt, sollte man flüchten. Und das taten wir dann auch sofort nach einem Tag. Wir haben erst danach gelesen, dass dieser kleine Ort ca. 4 Mio chinesische Touristen jährlich anzieht. Wir begaben uns also weiter auf die Suche nach Ruhe und landeten am nächsten Tag in Shaxi, einem kleinen Dorf auf dem Weg nach Dali. Shaxi liegt an einem Fluss, den man über eine wunderschöne alte gebogene Brücke überqueren kann, umringt von grasgrünen Reisfeldern und wolkenverhangenen Bergen. Der kleine Dorfkern wurde im Rahmen eines Projektes der Unesco und der ETH Zürich sehr gelungen restauriert. Und so haben wir frische Luft geatmet, sind mit Rädern durch die Reisfelder gefahren, haben Maiskolben am Wegrand stibitzt und die ersehnte Ruhe sowohl auf der Straße als auch im Hof unter einem Apfelbaum unseres sehr alten Holzhäuschens, in dem wir untergekommen sind, genossen. Da unser China-Visum sich jedoch so langsam dem ende zu neigte, mussten wir irgendwann leider wieder aufbrechen, um die zwei letzten Stationen in China bis zur Grenze zurückzulegen. Mit Dali hatten wir dann für unsere letzten zwei Tage in China einen weiteren netten Platz gefunden. Dali liegt an einem langgezogenen See, der von einer Bergkette umringt wird. Mit Mountainbikes sind wir über Stock und Stein immer entlang des Ufers und haben uns abends einer schmerzvollen chinesischen Massage hingeben müssen, da unsere Körper diese Art der Bewegung nicht mehr gewohnt waren. Davon hatten wir jedoch noch mehr Muskelkater und waren froh darüber, am nächsten Tag mit dem Sleeper-Bus liegend 15 Stunden nach Jinghong (ca. 100 km vor der laotischen Grenze) fahren zu können. Zehn Minuten vor Abfahrt erklärte man uns jedoch, dass der Bus nicht fahren würde, da die Straße aufgrund der Überschwemmungen in Südchina unpassierbar sei. Das war eine ziemlich schlechte Nachricht für uns, denn unser Visum war nur noch einen Tag gültig. Sämtliche anderen Routen hätten 7-8 Stunden Umweg und damit Strafe für overstay bedeutet. Eine Wahl blieb uns jedoch nicht und so stiegen wir schnell in den Bus nach Kunming, in der Hoffnung nach einer vierstündigen Busfahrt abends noch in den Anschluss zur Grenze zu bekommen. Nach einer knappen Stunde lösten sich die Hoffnungen jedoch bereits in Rauch auf, da wir die Autobahn aufgrund von Bauarbeiten verlassen mussten und die verbleibenden 300km in gut acht Stunden auf den schlechtesten Straßen, die wir bisher gesehen haben durch die Berge zurücklegen mussten. An Schreiben, Lesen oder Unterhalten war nicht zu denken, da man sich gewaltsam am nächsten festen Einrichtungsgegenstand festklammern musste, um nicht fortwährend aus dem Sitz geschleudert zu werden. Dabei schallerte dann der chinesische Film „God of Gamblers“ über den Bordfernseher, ein unausgewogener Mix aus Glücksspiel und Gewalt. Wir waren so froh, als er endlich vorbei war, nur um dann mit Teil 2 und auch noch Teil 3 konfrontiert zu werden. Zeit war ja genug vorhanden. Dank der Essenspause kurz vor Ankunft haben wir dann auch die Chance auf den 22:00 Bus dahin schwinden sehen.
Laos Ausblick aus unserer Bambushütte
Laos Reisfelder
Unsere Hütte steht ganz links
Laos Traditionelle Holzhäuser
Laos nackte Kinder
Moped trifft Laster
Endlich in Kunming haben wir uns mit vier Chinesen zusammengetan und sind über dubiose Wege und einen weiteren Busbahnhof in völliger Dunkelheit in einen wahllosen Hinterhof geraten, wo angeblich zufällig in Kürze ein Schlafbus nach Jonghong abfahren sollte. Aus der Kürze wurden schnell zwei Stunden und aus dem Schlafbus ein Minibus, der voll war, ehe er zum Stehen kam. Die Annahme, dass man keinem Betrugsversuchen unterliegt, wenn man sich mit Chinesen zusammen tut, stellte sich nun leider auch als falsch heraus. Schließlich konnten wir unseren Genossen verständlich machen, dass es keinen Bus mehr geben wird, um Sie dann zu überreden, sich einen Minibus mit acht Sitzplätzen mit uns zu teilen. Um 1:30 Uhr am Morgen unseres hoffentlich letzten Tages in China brannten wir endlich mit 120 km/h über die Stadtautobahn Kunmings in Richtung Süden. Glücklicherweise hatten wir zwei Fahrer an Bord, sonst wäre die wiederum zehnstündige Fahrt durch strömenden Regen, Nebel, schmale Passstraßen und viele, viele Tunnel, nicht so glimpflich verlaufen. Der chinesische Fusel von der Straßenecke hat leider so grausam geschmeckt, dass er uns nicht so richtig beim Schlafen helfen konnten und so kamen wir mittlerweile ziemlich übermüdet und mittelschwer schlecht gelaunt um kurz vor zehn in Jinghong an. Den ersten Bus nach Mengla haben wir nicht bekommen, weil uns genau 10 Yuan (1€) für die Tickets fehlten. Stimmung auf dem Tiefpunkt. Nachdem wir eine Bank gefunden hatten und im 10:30 Bus saßen ging es langsam wieder aufwärts. Um 13:00 waren wir in Mengla, stärkten uns noch einmal mit chinesischer Suppe um dann um 14:00 in den Bus direkt nach Luang Nham Tha in Laos zu steigen. Um 16:00 passierten wir eine Stunde vor Ladenschluss zu Fuß die chinesisch/laotische Grenze. Die abermals zwei Stunden Fahrt durch die grünen Hügel Nordlaos haben wir uns dann mit Beer Lao gemütlich gemacht um unsere doch noch pünktliche Ausreise zu feiern. Nach kurzer Suche haben wir zielsicher die Bambushütte inmitten von Reisfelder gefunden, die für die nächsten Tage unser Zuhause und Ort der Entspannung von China werden sollte.
Chiang Mai Tempel von innen
Chiang Mai Tempel von außen
Chiang Mai Mönche
Bangkok
Nach der Hektik und den vielen, vielen Menschen in China, war Laos tatsächlich die Wiederentdeckung der Langsamkeit für uns. Wenige, fortwährend lächelnde Menschen, nackte, spielende Kinder, schlafende Katzen und Hunde, sogar die Moskitos sind so träge, dass man sie mühelos aus der Luft greifen kann. Der wenige Verkehr auf der rudimentär asphaltierten Hauptstraße bewegt sich mit 30 km/h, kein Hupen zu hören und jedermann hatte ein herzliches „Sabaidee“ für uns auf den Lippen. Wir verbrachten Tage mit der Beobachtung des ländlichen Lebens von unserem hölzernen Balkon aus. Zumindest haben wir es am letzten Tag geschafft die kapp 60 km nach Muang Si, der nächstgelegenen Siedlung auf einer gemieteten 100er zurückzulegen. Den Rückweg haben wir auf der Ladefläche eines Melonenlasters zurückgelegt, da wir von einem Nagel einem unserer Reifen beraubt wurden.
Der Weg nach Thailand und die Überquerung des Mekongs mit einem Longtailboat, angetrieben vom umgerüsteten Automotor verlief schließlich ziemlich glatt und am selben Tag haben wir es per Bus noch bis nach Chiang Mai im Norden Thailands geschafft. Nach zwei Tagen Tempeltour hat uns ein Nachtzug sicher nach Bangkok, unserem ersten großen Meilenstein gebracht, wo das Backpackerghetto Khao San Road mit Reizüberflutung nach den vier Monaten Abgeschiedenheit von der Zivilisation über uns herein bricht.

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Kommentare

Luzie schrieb:

Toll, toll, toll! Aber auch stolperig euer Weg, hm? ;-)
Hoffentlich sehe ich euch bald nochmal bei skype - das war so schön! Viel Spaß jetzt mit den Adoptiveltern und ganz liebe Grüße an alle!
die Luzfuz*

11 August 2010 um 10:27
Viola & Johann schrieb:

Hi, Ihr Lieben

lasst es euch gut gehen und feiert schön:

... happy birthday liebe Nadia, happy birthday to you!!!

Liebe Grüße

Viola und Johann

18 August 2010 um 03:08
LiSiKai schrieb:

Schön, dass ich nach alle dem Euch noch bester Gesundheit erfreut und von den ganzen "Natur"-Katastrophen halbwegs verschont geblieben seid. In etwa die gleiche Tour habe auch nach Laos genommen, nur dass ich beim Grenzübergang einen mächtigen Schädel von diesem Fusel hatte. An Mengla habe ich noch sehr lustige Erinnerungen. Da ließ es sich ein kleiner Junge (ca. 7 Jahre) nicht nehmen, uns lauthals das SichuangBaNa Lied mit seiner 2,5-seitigen Gitarre entgegenzuträllern. Gefühlte drei Stunden lang. Bis wir ihn mit einer Pizza (damals selten und kostbar wie Gold) bestochen haben ;-)

Seid umarmt und feiert schön,
lg.de buk

18 August 2010 um 04:54
Kerstin + Marcus schrieb:

Hallo Ihr Zwei, liebes Geburtstagskind,

Abenteuer ist ja fast untertrieben, wenn man eure wirklich gut geschriebenen Reiseberichte studiert. Schön zu hören, dass ihr wohl auf und voller neuer Eindrücke in Bangkok gelandet seid. Die Naturereignisse und die politischen Konstellationen auf eurer Reiseroute haben aus der Ferne betrachtet doch etwas Sorgen ausgelöst.

Heute stoßen wir in Wiesbaden und ihr in Bangkok aber auf Nadja an - herzlichen Glückwunsch, alles Gute und Liebe wünschen die 4 Krebse. Wir hoffen ihr habt ein lauschiges Plätzchen in der pulsierenden Metropole gefunden um etwas entspannt zu feiern.

Bleibt gesund und seid umarmt!

Kerstin und Marcus

18 August 2010 um 10:00

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