24 Mai 2010

Iran: Mashad - Turkmenistan: Ashgabat, Mary, Merv - Usbekistan: Buchara, Khiva

Familie auf Moped
Autobahntempel
Die drei heiligen Städte im Iran sind Quom, Isfahan und Mashad. Nachdem wir die Hardcore-Bärte in Quom ausgelassen und Isfahan bereits besucht haben, führte unser Weg von Yazd nach Mashad in den Nordosten des Iran. Im Vordergrund standen dabei allerdings zunächst mal die Turkmenistanvisa. Nach einem lustigen Intermezzo mit einem Taxifahrer, der zwar nicht wusste wo die Turkmenische Botschaft in Mashad ist, aber unbedingt buisness machen wollte, dabei hektisch mit unserem Guidebook wegrannte und wie in einem Comicfilm dauernd die Straße überquerend von Laden zu Laden jagte, um jemanden zu finden, der die Adresse kennt. Irgendwann standen wir wieder einmal vor der kleinen Türklappe in Brusthöhe. Erstaunlicherweise hatten wir eine knappe Stunde später unsere Fünftages-Transitvisa im Pass, zwar nicht mit dem gewünschten Grenzübergang nach Usbekistan, aber immerhin. Damit haben wir alle Dokumente für Zentralasien und China. Jetzt steht lediglich noch das Permit für Tibet aus! Den Rest des Tages haben wir damit verbracht, uns die Unmengen glitzernder Tempel anzuschauen, die man um das Grab des armen Imam Reza gebaut hat, welches tatsächlich auf einer unterirdischen Autobahnkreuzung steht. Ob der Gute unter oder über der Fahrbahn begraben liegt wissen wir nicht, zumindest soll er aber nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein. Nach den nur zwei Tagen in der zweitgrößten und wenig anschaulichen Stadt des Iran haben wir uns mit Bus und Sammeltaxi durch die Berge bis zum abgelegenen Grenzübergang Bajgiran vorgekämpft.
Erstes Bier in Ashgabat
Plov kochen
Plov essen
Ashgabat zeigt Farbe
Was kostet die Welt in Merv?
Dank unserer eher spärlichen Vorbereitung im Vorfeld der Reise, ist es an uns vorbei gegangen, dass es eine Währungsreform in Turkmenistan gegeben hat. Ich nahm natürlich erst einmal an, dass man uns betuppen wollte, als mir der Kollege im Taxioffice 95 Manat für unsere 35 Dollar angeboten hat. Als ich ihn fragte ob er damit 95.000 meint, ist er ziemlich ungehalten geworden. Zumindest konnten wir die Verwirrung aufklären, als zwei Reisende in die Gegenrichtung vorbeikamen und uns den Kurs bestätigten. Der genervte Wechselmann hat unsere Dollars dann doch noch genommen. Grundsätzlich besteht hier in Zentralasien das Problem, dass es für die verschiedenen Währungen einen offiziellen und einen Schwarzmarkt-Kurs gibt, der bis zu 25% höher ist. Also ist es sehr unclever bei den Banken zu tauschen und man muss sich immer auf die Suche nach den Wechseljungs mit den Sonnenbrillen machen und umfangreich um die Kurse feilschen. Wenn man dann auf die Idee kommt gleich hundert Dollar zu tauschen artet das dann in einem Geldbündel aus, dass nur noch mit einem Gummi zu bändigen ist und nur mit größter Mühe in eine Hosentasche gezwängt werden kann. Überhaupt verbringt man die meiste Zeit hier mit Geld zählen;-)
Zurück zum Thema: Nach der Wechselmafia kam die Grenzmafia und schließlich die Taximafia. Die ersten 20km Turkmenistan sind Niemandsland. Man darf weder zu Fuß noch mit privaten Fahrzeugen fahren. Also waren auch wir auf die beiden Minibusse mit extrem überhöhten Preisen angewiesen. Geduld und unsere Tränendrüsen brachten uns wenigstens einen kleinen Discount bevor das ganze Spiel beim goldbezahnten Zuhälter an der Lower Border Gate weiterging. Der brachte uns dann aber ungefragt zum President-Hotel, wo wir gar nicht hin wollten. In seiner Wut hat er uns dann auf dem Bürgersteig stehen lassen und ist ohne sein Geld abgefahren. Sehr praktisch in diesen Ländern hier ist, dass man mit einem möglichst lässigen Handzeichen sofort jedes Auto anhalten und als Taxi missbrauchen kann. So haben wir denn dann auch die letzten Kilometer ins Zentrum Ashgabats zurückgelegt. Ashgabat ist surreal. Hochhaus an Hochhaus und Ministerium an Ministerium. Alles ist mit weißem Marmor verkleidet und überall goldene Statuen vom durchgeknallten Staatsoberhaupt, haufenweise Brunnen, Fontänen und buntes Licht. Die Straßen wiederum sind vielspurig und leer. Wir waren mit den wenigen turkmenischen Frauen in ihren bunten Kleidern gegenüber den zahlreichen Polizisten und Soldaten deutlich in der Minderheit. Per Fuß haben wir schließlich eine kleines Homestay gefunden, was im Wesentlich aus einem Hof und einem Taubenschlag bestand. Zumindest der wahnsinnig große Markt vor den Toren der Stadt war dann wieder bunt und sprühte von Leben. Vor allem haben wir unser erstes Plov ergattern können, das Paradeessen in Zentralasien. Dabei handelt es sich im Prinzip um in Öl gekochten Reis mit wenig Möhren und Fleisch. Mehr gibt’s im nächsten Foodspecial. Da die Züge in Turkmenistan wohl grausam langsam sind, da die Gleise Fundamente entbehren und lediglich im Wüstensand liegen, haben wir die Strecken nach Mary und Turkmenabat mit Minibussen oder Sammeltaxis zurück gelegt. In der Nähe von Mary haben wir uns in Merv angesehen, wie fünf zusammengewachsene uralte Städte aussehen, nachdem eine Mongolenhorde angeführt von Dschingis Khan über sie hinweggefallen ist. Neben vielleicht drei ansatzweise zu erkennenden Gebäuden verbleiben nur noch Lehmhaufen, wo einmal Stadtmauern und Paläste gewesen sind. Nachdem wir noch umfangreiche Bekanntschaft mit dem zweiten Spezialessen Zentralasiens dem Schaschlik gemacht haben (Fleischstücke und Fettstücke auf Spieß, auf Grill, unter geessigten Zwiebeln), ging das alte Grenzüberquerungsspiel mit Bussen, Taxis und Formularen Richtung Usbekistan schon wieder von vorne los. Grundsätzlich waren die wenigen Tage in Turkmenistan eine interessante Erfahrung, aber zumindest bei uns hat es nicht ausgereicht, um Lust auf einen längeren Besuch zu machen.
Medressa in Buchara
Fort Buchara
Fließend Wasser
Wüstenklo von außen
Wüstes Klo von innen
Khiva von oben
Khiva Stadttor
Usbeken
Khiva Halbes Minarett
Nach den kargen Wüsten im Nachbarland sahen die grünen Wiesen und Obstbäume entlang der usbekischen Straßen schon fast nach Paradies aus. Die dreirädrigen Traktoren wurden von Eselskarren und die engen bunten Kleider durch zeltartige bunte Kleider ersetzt. Wir haben zunächst einige Tage in Buchara verbracht, einer alten Seidenstraßen-Drehscheibe. Die Altstadt ist klein und überschaubar, gespickt von Medressen und Moscheen, gutem Essen und netten Usbeken. Bei der Ankunft haben wir allerdings erstmal einen Schreck bekommen, als wir gesehen haben, wie viele Reisegruppen um den zentralen Platz herumlungerten. Seit Anfang April waren wir meist die einzigen Europäer weit und breit, nur an zwei oder drei Orten im Iran haben wir andere Touristen und nur einmal eine Reisegruppe getroffen. Auch dieser Schock ist wieder vergangen und wir haben einige gemütliche Tage verbracht. Die nächste Etappe führte uns nach Khiva im Nordwesten Usbekistans. Eigentlich wollten wir hier über die Grenze kommen, aber das haben uns die Turkmenen ja leider nicht erlaubt. Nachdem wir es endlich geschafft hatten, ein Auto in Buchara voll zu kriegen, ist es prompt nach dem Tanken liegen geblieben. Auch unser fleißiges Anschieben hat da nicht geholfen. Also hiess es, in ein anderes umsteigen und zusehen, wie ein Haufen Geldscheine zwischen den Taxifahrer wechselte. Die fünf Stunden durch sengende Hitze und orangegelbe Wüste mit über die Straße wehenden Büschen wurde uns durch unmögliche Sitze und rudimentäre Sanitäre (Ihr wolltet ja was über die Beschwernisse wissen) versüßt. Eine der gelegentlich vorbeiziehenden und verfallen Hütten hätte noch das Schild „Tittie Twister“ tragen müssen, dann wäre das Roadmovie perfekt gewesen.
Khiva wiederum hat den Mongolensturm als Ganzes überlebt und ist wie ein großes Museum. Das Leben ist dafür allerdings weitgehend durch Touristenläden verdrängt worden. Sehr interessant war es aber nichtsdestotrotz, diese sandfarbene Stadt mit ihren massiven Mauern, Minaretten und Plätzen zu erkunden. Außerdem haben wir die erste Bekanntschaft mit usbekischem Vodka gemacht, der uns aber auch zumindest einen halben Tag gekostet hat. Das lokale Sarbast Bier ist wiederum sehr trinkbar und eine willkommene Abwechselung zur alkoholfreien, süßen Lemonbierplörre aus dem Iran.
Eine Abend- und Nachtfahrt mit dem Zug durch die Wüste hat uns schließlich hierher nach Samarkand, der dritten großen alten Seidenstraßenstadt in Usbekistan gebracht.

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Kommentare

Viola & Johann schrieb:

Hi Ihr Lieben,

ihr kommt ja mächtig voran. Wie kommt Ihr denn noch an das Tibet-Visum?

Ringe? :-)jetzt gibt es wohl keine Nahaufnahmen mehr hmmm ??? Oder ist das dort Pflicht, wie das Kopftuch...nun lasst uns doch nicht mit der Neugier
allein.
Aprospos Währung, wenn Ihr zurückkommt gibt es bestimmt keinen Euro mehr, also schön die Dollars zusammenhalten oder in Gold tauschen :-)

Bis bald Johann & Viola

26 Mai 2010 um 09:16
Henni schrieb:

Hej Ihr Guten. Da passt man mal ein paar Wochen nicht auf und schon sind Seuchen und Kriegsgemetzel Eure unerwünschten Begleiter gewesen. Ist aber auf jeden Fall eine hochspannende abendliche Beschäftigung, Euren Spuren zu folgen, auch wenn ich es bis jetzt - rückwärts lesend - nur bis Samarkand geschafft habe. Zu Kais Frisur kann ich nur sagen: Wahre Schönheiten entstellt eben nichts, gell?

12 Juli 2010 um 10:15
Villa Bosch schrieb:

Zur Henni Mial:
Zu Kais Frisur kann ich nur sagen: Wahre Schönheiten entstellt eben nichts, gell?
Wir haben sehr geschmunzelt .-)
Wir von der Villa Bosch sind geschockt - Die ganzen Haare ab (jeden Tag wurden Sie genau auf den mm gelegt -aber zum Trost, die wachsen ja wieder. bis dahin sind sie pflegeleicht oder :-). Weiterhin guter Schnitt

23 Juli 2010 um 01:17

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