11 Mai 2010

Das Ding mit der Dizi

Bäckerei
Auf Nachfragen gibt’s hier das Essensspecial Iran. Das Essen im Iran ist eigentlich mit wenigen Gerichten schnell zusammengefasst. Kababs machen eigentlich immer ca. 90% der Karte aus. Allerdings unterscheidet sich der iranische Kabab löblicherweise positiv vom mitteleuropäischen Döner und zwar dergestalt, dass sich eine Ansammlung von Fleischstücken, teils auch Hackfleisch auf Spieße reiht, die dann über Feuer gegrillt oder geröstet werden um schließlich unter einem Berg Reis auf einem Teller begraben zu werden (daher kein Foto;-). Neben dem safranbedeckten Gipfel findet man in der Regel eine Stückchen originalverpackte Margarine, die man mit dem Reishaufen verschmilzt. In der Regel bekommt man eine gegrillte Tomate und rohe Zwiebeln dazu, wenn man Glück hat noch einige Blättchen Petersilie. Schmecken tut's immer gut, nur auf Dauer ist es etwas trocken. Kabab gibt’s in den Ausführung Huhn, Rind, Hammel und Lamm, jeweils als Filet oder gehackt (mit Hack auf Zack). Kamel haben wir bisher nur als Eintopf auftreiben können.
Kohresht und Ghorme Sabzi
Die Alternative zu Kabab besteht in einer überschaubaren Anzahl von Eintopfvariationen. Da gibt es zum einen Kohresht, ein safranfarbener Linseneintopf, manchmal auch mit Kichererbsen, gerne mit diesen kleinen chipsartigen Pommes aus der Tüte dekoriert. Zum anderen haben wir noch Ghorme Sabzi, auch ein Eintopf, aber aus Kindneybohnen, die in einer grünen Gemüsemasse dümpeln. Wir vermuten, dass die Basis grüne Bohnen sind, aber Beweise haben wir nicht. Schließlich reiht sich noch Mirza Gashemi in die Stews ein. Eine Masse aus eingekochten Auberginen, meistens mit Zwiebeln und Tomaten, wenn man Glück hat auch mit Knoblauch ein. Gegessen werden alle Eintöpfe mit Reis. Theoretisch gibt’s alle in einer vegetarischen Ausführung, allerdings befinden sich in der Regel trotzdem Bonusstückchen Hammel darin;-)
You make me dizi!
Schließlich gibt’s dann halt noch Dizi. Bestellt man diese (in der Regel nur in Teehäusern), bekommt man ein Tontöpfchen, manchmal mit Deckel, eine Metallschüssel und einen Metallstößel, sowie die Berge von ungesalzenem Fladenbrot, die zu jedem Essen gereicht werden. In dem Tontopf befindet sich ein Gemisch aus Hammel, Kichererbsen, Tomate, Kartoffel und viel Brühe, in der ein Stück Hammelfett schwimmt (integraler Bestandteil). Das Essen dieses kleinen Menüs stellt sich nun folgendermaßen dar: Mit dem Löffel das Hammelfett in die Schüssel geben und mit Hilfe des Stößels lautstark zu Fettmatsche verarbeiten. Dann Fladenbrot als Topflappen überstreifen und nur die Brühe aus dem glühend heißen Tongefäß in die Schüssel geben. Daraufhin zerreißt man ca. 2kg Fladenbrot in kleine Stücke und lässt diese solange in der Brühe quellen, bis keine Flüssigkeit mehr sichtbar ist. Essen und dabei möglichst viel rohe Zwiebeln zu sich nehmen. An dieser Stelle hat man den Hunger meist schon weit hinter sich gelassen. Als nächstes schüttet man den festen Rest in die Schüssel und begibt sich mit dem Löffel auf die Suche nach etwaigen Knochen. Wenn man sich ungeschickt anstellt eilt hier ein Iraner vom Nachbartisch heran und übernimmt diese Aufgabe. Das gleiche gilt für das folgende zerdrücken der Ingredienzen zu einem Brei, dem die einzelnen Bestandteile nicht mehr anzusehen sind. Endlich gibt man sich dem Genuss des Hauptgangs hin und stopft sich dazu soviel Brot wie möglich in den Mund. Hat man eine gute Dizi erwischt, gibt es noch einen Teller mit frischem Grün (Petersilie, Minze oder ähnliches), Zitrone oder sauer eingelegtem Gemüse dazu. Tatsächlich ist es super lecker und man kann wenigstens alle zwei Tage eine Dizi zu sich nehmen.
Lecker Hähnschen
Da es so gut wie keine ausländisichen Einflüsse , geschweige denn Restaurants im Iran gibt und die beschriebenen Gerichte in der Regel nur zu einer bestimmten Tageszeit (Eintopf und Dizi mittags, Kabab abends) anzutreffen sind, ist die Nahrungsaufnahme relativ vorhersehbar. Alternativ kann man überall Burger und Pizza finden, denen wir uns aber erfolgreich enthalten. Lediglich bei einem Broiler sind wir mal schwach geworden.
Falludeh
Im Übrigen ist alles außer Früchten und Nüssen, was man als Zwischenmahlzeit findet grausam süß. Nennenswert ist hier vor allem Falludeh, ein Gebilde aus Reismehl und Zucker, welches in süßem Sirup gewürzt mit Rosenwasser ertränkt wird.

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Kommentare

Luzielein schrieb:

...ich sollte nicht vor der Mittagspause bei euch noch schnell auf der Seite vorbei huschen ;-)

11 Mai 2010 um 12:24
Thomas schrieb:

... und ich habe nichts gefrühstückt....das hört sich alles verdammt legga an - und sieht auch noch so aus..... laßt es Euch schmecken!

Wickeln die Iraner Ihre Kababs auch so origamihaft in Alufolie ein wie die Türken?

12 Mai 2010 um 08:55
Carine & Philippe (Toulouse France) schrieb:

Hi travellers,
we hope everything is still ok for you. At that time you are probably in Kirghistan enjoying mountain landscapes. Kai do you succeed to set up your camera ? :) Nadja, is the vodka better in Kirghystan ? Carine and I think often to you between working and sleeping... Enjoy your trip and travel safe .. Hope to see you again ...

23 Juni 2010 um 09:26

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