30 April 2012

Reiseroute (01.04.2010-20.12.2011)


Deutschland, Polen und Ukraine
(01.04-05.04.2010):
Deutschland: Berlin - Polen: Krakau - Ukraine: Lemberg

Ukraine, Georgien und Türkei
(06.04-17.04.2010):
Ukraine: Odessa - Schwarzes Meer - Georgien: Poti - Türkei: Trabzon

Iran
(18.04-30.04-2010):
Täbris, Teheran, Isfahan

Iran
(01.05-12.05.2010):
Kashan, Teheran, Shiraz (Persepolis), Yazd

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Essensspezial:
Das Ding mit der Dizi

Turkmenistan und Usbekistan
(13.05-22.05.2010):
Turkmenistan: Ashgabat, Mary, Merv - Usbekistan: Buchara, Khiva

Usbekistan
(23.05-06.06.2010):
Samarkand, Tashkent, Kokand, Fergana

Kirgisien
(07.06-30.06.2010):
Osh, Arslanbob, Bishkek, Tamchy, Kochkor, Song-Köl, Karakol, Altyn Arashan, Karkara, Bishkek, Naryn, Torugart-Pass

China
(01.07-16.07.2010):
Kashgar, Karakorum-Highway, Turpan, Dunhuang, Lanzhou, Xiahe, Langmusi, Songpan

China und Laos
(17.07-08.08.2010):
China: Chengdu, Lijiang, Shaxi, Dali - Laos: Luang Nham Tha - Thailand: Chiang Mai, Bangkok

Thailand und Kambodscha
(09.08-27.08.2010):
Thailand: Ayuthaya - Kambodscha: Siem Reap, Battambang, Phnom Penh - Thailand: Koh Chang, Bangkok

Südthailand und ein Tag Myanmar
(28.08-17.09.2010):
Koh Phayam, Ranong, Kawthoung, Phuket, Phang Nga, Koh Phi Phi, Koh Lanta

Malaysia und Singapur
(18.09-30.09.2010):
Georgetown, Ipoh, Cameron Highlands, Kuala Lumpur, Melaka - Singapur

Indonesien
(01.10-31.10.2010):
Java: Jakarta, Cibodas, Bandung, Pangandaran, Yogyakarta, Surabaya, Bromo - Bali: Lovina, Ubud, Nusa Lembongan, Sanur

Mexiko und Belize
(01.11-03.12.2010):
Mexiko: Tijuana, Mexico City, Taxco, Puebla, Oaxaca, San Cristobal, Palenque, Campeche, Merida, Valladolid, Tulum, Chetumal, Calakmul - Belize: Caye Caulker

Guatemala
(04.12.2010-02.01.2011):
Flores, Tikal, Coban, Nebaj, Cotzol, Chichicastenango, San Pedro La Laguna, Quetzaltenango, Zunil, Antigua

Honduras und Nicaragua
(03.01-26.01.2011):
Honduras: Copan, Santa Rosa, Gracias, Comayagua, Tegucigalpa, Choluteca - Nicaragua: Jiquilillo, Leon, Las Penitas, Granada, Isla de Ometepe, San Juan del Sur

Costa Rica und Panama
(27.01-04.03.2011):
Costa Rica: San Jose, Cahuita - Panama: Bocas del Toro, Boquete, Santa Catalina, El Valle, Panama City, Portobelo, Isla Grande

Paradiesspezial:
Das San Blas Archipel

Kolumbien
(05.03-13.04.2011):
Sapzurro, Capurgana, Cartagena, Taganga, Tayrona, Cabo de Vela, Santa Marta, Mompos, San Gil, Villa de Leyva, Bogota, San Augustin, Popayan, Ipiales

Tierspezial:
Die Galápagos-Inseln

Ecuador
(14.04-04.06.2011):
Otavalo, Quito, Latacunga, Saquisili, Zumbahua, Quilotoa, Chugchilan, Banos, Guaranda, Salinas, Riobamba, Macas, Cuenca

Bergspezial:
Santa Cruz Trek in Peru

Peru
(05.06-21.07.2011):
Mancora, Chiclayo, Huanchaco, Caraz, Huaraz, Lima, Nasca, Arequipa, Colca, Puno, Cusco, Chinchero, Pisaq, Ollantaytambo, Machu Picchu, Puerto Maldonado

Dschungelspezial
(22.07-08.08.2011):
Von Peru durch das Amazonasgebiet nach Bolivien: Puerto Maldonado, Chive, Cobija, Riberalta, Rurrenabaque

Bolivien
(09.08-11.09.2011):
Coroico, La Paz, Chochabamba, Samaipata, Valle Grande, Villa Serrano, Sucre, Potosi, Uyuni

Blitz:
Wir sind jetzt auch zu dritt!

Chile
(12.09-07.11.2011):
San Pedro, Santiago, Valparaiso, Seengebiet, Chiloe, Carretera Austral, Arg: El Chalten, El Calafate, Chile: Torres del Paine, Punta Arenas, Feuerland

Argentinien
(08.11-20.12.2011):
Ushuaia, Valdez, Buenos Aires, Iguazu, Salta, Cafayate, Mendoza, Santiago de Chile, Berlin

Epilog: Die 100-Tage-Bilanz
(08.04.2012)

Reiseliteratur Empfehlungen
(10.02.2013)
Ausgewählte Bücher die wir während der Reise gelesen haben und besonders empfehlen möchten.

10 April 2012

Reiseliteratur Empfehlungen

Weltreise
Ein Buch dass wir nach der Rückkehr von den Galapagos-Inseln in einem jämmerlichen Zustand aus dem Tauschregal einens Hostels geborgen haben um es auf unserem weiteren Weg förmlich zu verschlingen.
Jürgen Neffe reist auf den Spuren der Beagle um den Globus und vereint seinen eigenen Reisebericht mit entscheidenen Passagen aus Darwins Werken und neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu einem hochinteressanten und spannenden Buch.
Nicht nur für Südamerika Reisende, sondern uneingeschränkt zu empfehlen!

Südostasien
Wir fanden alle Bücher Tiziano Terzanis großartig. Als Reisegefährte für Südostasien eignet sich dieses aber besonders gut:
Am Sylvesterabend vor dem Jahr für dass ihm eine Wahrsagerin eine Dekade zuvor einen tödlichen Flugzeugabsturz vorher gesagt hat, entscheidet sich der Spiegel-Reporter für ein Jahr auf das Fliegen zu verzichten und reist stattdessen auf dem Landweg quer durch Asien und schließlich bis nach Europa. Nicht ohne dabei an jedem Stop den örtlichen Hellseher nach seiner Zukunft zu befragen. Während Terzani am Boden nach Asiens Mysterien forscht, verunglückt sein Vertreter mit einem Hubschrauber in dem eigentlich er selbst gesessen hätte.

Lateinamerika
Neuausgabe des Buches welches Venezuelas Präsident Hugo Chávez Barack Obama geschenkt hat und dass seit seiner Erstausgabe vor vierzig Jahren leider nicht an Aktualität verloren hat.
Eduardo Galeano schreibt die Chronik der systematischen Ausbeutung Zentral- und Südamerikas seit der Kolonialzeit. Bestürzend zu lesen wie die rohen Plünderungen der Spanier bis heute durch die Industrieländer fortgesetzt werden, wenn auch mit etwas subtileren Methoden. Gewünscht hätte ich mir nur ein wenig mehr Objektivität. Galeano schreibt in seiner klar definierten Position oft recht polemisch.

08 April 2012

Epilog: Die 100-Tage-Bilanz

Zurück!
Irgendwo in Brandenburg
Warten auf die Genesung
Spaziergänge
und Sonnenuntergänge
Naturdusche auf 3000 Metern
Elektrodusche in Lateinamerika
Freiluftklo
Auch dies ist ein stilles Örtchen
Iranische Kinder in Kandovan
Iranische Kinder in Isfahan
Iraner?
Yurten in Kirgisien
Unsere kirgisische Gastfamilie
Kirgisischer Opi
Angkor
A Tribute to Angkor
Auf den Spuren von Lara Croft
Südostasiatische Spießchen
Malaisches Erdnussfondue
Calakmul in Mexiko
Tikal in Guatemala
San Blas Inseln
Noch ein San Blas Strand
Dynamische Kolumbianer
Kolumbianische Mädels auf spanischer Kanone
Begegnung auf Galapagos
Chillen auf Galapagos
Ohne Tod kein Leben
Machu Picchu
Inka-Stadt in den Wolken
Mirador Las Torres in Chile
Torres del Paine in Chile
Während einer langen Reise wird das Reisen normal. Man teilt seine Erfahrungen mit anderen Reisenden und findet dadurch eine Basis mit Menschen, mit denen man sonst möglicherweise nicht viel gemeinsam hätte. Während diesen Begegnungen überkommt einen das Gefühl, dass eine ein- oder zweijährige Reise nichts mehr Außergewöhnliches ist. Gleichzeitig nimmt man aber in den bereisten Ländern bei der Bevölkerung immer eine Sonderposition ein und je abgelegeneren Wegen man folgt, desto mehr wird man zur Ausnahmeerscheinung, manchmal fast zum Star.
Zurück in Deutschland ist dann auf einmal alles anders. Hier ist man nicht mehr der auffallende Falang, Gringo oder Viajero, sondern man kehrt zurück in die Anonymität der Masse und wird wieder zur Nummer. In meinem Fall ist das die Kundennummer 419D290310, die ich am Morgen nach unserer Ankunft in einer Agentur für Arbeit in Brandenburg verliehen bekam. Wenigstens war mein Sachbearbeiter ganz nett, während Nadja von ihrer Betreuerin mit einem herzlichen „Von mir haben Sie nicht viel zu erwarten“ empfangen wurde. Welcome back to Germany!
Nach den teils zur Unkenntlichkeit verrosteten Fahrzeugen in Südamerika fielen uns schon auf dem Weg vom Flughafen die vielen neuen Audis, Mercedes und BMWs auf, deren Fahrer bestimmt alle einen großformatigen Flachbildfernseher und eine Kaffeemaschine mit Umwelt bedenklichen Einwegkartuschen zu Hause haben. Stellten Fernsehen und Radio für uns schon eine hoffnungslose Reizüberflutung dar, konnten andere dabei noch mühelos auf ihren Smartphones rumzoomen, die neusten „Apps“ austauschen und über „geocaching“ und „wulffen“ diskutieren. Zum Glück hatten wir mit dem Gutshof meiner Schwester am Rand eines 100-Seelen-Dorfes im hintersten Winkel Deutschlands einen perfekten Rückzugsort gefunden, um uns ganz langsam an die Zivilisation zu gewöhnen. Hier freuten wir uns über längst verloren geglaubte Annehmlichkeiten: Eine selbstverständlich warme Dusche bei der man nicht die Armaturen umwickeln muss, um zu verhindern, dass man einen Stromschlag bekommt. Ein wirklich sauberes Bett, in dem man am nächsten Morgen nicht mit dutzenden, wochenlang juckenden Floh- oder Wanzenbissen aufwacht. Ein geputztes Klo, auf dass man sich sogar setzen möchte. Ein Herd an dem nicht die Überreste der letzten sieben Mahlzeiten der Unterkunftsgenossen haften. Und so weiter...
Einige Angewohnheiten der Reise mussten nun mehr oder weniger mühsam über Bord geworfen werden. Dass man neben Unterwäsche nun auch alle paar Tage mal eine Hose oder den Pullover wechseln konnte war wirklich Luxus. Das ständige Mitführen von Wasserflaschen war Dank des trinkbaren Kranwassers noch recht leicht abzulegen. Komischer war es schon, nicht mehr jede Plastiktüte, die uns in die Hände fiel zu horten, um sie bei der passenden Gelegenheit als Regenschutz, Wäschesack oder Müllbeutel benutzen zu können. Am schwierigsten war es den Reflex zu unterdrücken, gebrauchtes Klopapier neben sich in den Abfalleimer zu werfen. Das mag sich seltsam anhören, aber wir wissen nun, dass wir im alten Europa mit wenigen anderen Ländern ziemlich allein auf der Welt sind mit der Angewohnheit das Papier ins Klo zu werfen. Ob der Nahrungsüberfluss in den Industrieländern dazu geführt hat, dass man hier DN100 Abflussrohre verlegen muss wissen wir nicht. Dafür wissen wir, dass Papier in den DN40 Rohren der weniger entwickelten Länder unausweichlich zum Abfluss-Supergau führt. Und wenn wir gerade bei Papier und Sauberkeit sind: Nachdem wir auf der Reise hier und da auch mal knietief durch Müll waten mussten fällt auf, dass man statt diesen aus dem Fenster zu werfen, hier sogar einer davon gewehten Serviette hinterher läuft. Würde das bei unseren lateinamerikanischen Freunden vielleicht noch für Amüsement sorgen, würden sie sicher jeden für völlig verrückt erklären, der mit einer Tüte Hundekot einsammelt.
Die folgenden Wochen standen leider im Zeichen des ominösen Parasiten, den Nadja sich anscheinend mitgebracht hatte und der dafür sorgte, dass sie zeitweise nicht mehr als ein paar Schritte laufen konnte. Wenigstens waren unsere regelmäßigen Besuche im Berliner Tropeninstitut sehr lehrreich. Zum Beispiel stellten wir irgendwann fest, dass man die Pfanne für die Stuhlprobe nicht auf den Boden stellen muss, sondern sie auch ganz bequem ins Klo einhängen kann. Nach den verschiedensten Theorien und Tests auf die verdächtigen Tropenkrankheiten und Parasiten wie Lamblien, Fadenwürmern, Schweinebandwurm, sowie Reizdarmsyndrom bis hin zum offensichtlich falschen Positivergebnis auf die afrikanische Schlafkrankheit führte eine Wurmkur schließlich sehr langsam, dafür aber stetig zur nachhaltigen Heilung.
Nachdem Nadja wieder fit war, machten wir uns auf Deutschlandreise, um unsere lang vermissten Freunde zu treffen und auch, um uns wieder zu sozialisieren, nachdem wir die letzten Monate in der patagonischen Einsamkeit verbracht hatten. Dementsprechend liefen wir noch mit einem großen Dauergrinsen herum und grüßten jeden auf der Straße, bis wir merkten, dass die Bevölkerungsdichte hier doch viel größer ist und die verdutzten Gegenüber sich in der Regel nur sonntags und auch nur wenn dann noch die Sonne schien zu einem Gruß hinreißen ließen. Nur die Soljanka Frau in Strausberg war allzeit zu einem Plausch bereit.
Während wir auf Reisen waren, wurde das Leben unserer Freunde derweil vor allem von den Themen Hochzeit, Kinder kriegen und Elternzeit bestimmt. Nachdem wir den Nachwuchs kennengelernt hatten und über Themen wie Saugverwirrung und Windeldermatitis aufgeklärt waren, wurden uns insbesondere folgende Fragen zur Reise gestellt:

1.Frage: Wo war es am Schönsten?
Antwort: Einen schönsten Ort zu nennen ist unmöglich, den gibt es nicht. Dafür gibt es verschiedene Erfahrungen in unterschiedlichen Ländern, die für uns sehr besonders gewesen sind: Die Menschen im Iran, das Leben in den Jurten Kirgisiens, die Tempel von Angkor in Kambodscha, das Essen in Südostasien, die Mayastätten Calakmul in Mexiko und Tikal in Guatemala, die Inseln von San Blas, die Freundlichkeit der Menschen in Kolumbien, die Tiere und deren Entwicklungsgeschichte auf den Galapagos-Inseln, Machu Picchu und das heilige Tal der Inkas in Peru, die Landschaft in Chile und so weiter...

2.Frage: Wie seid Ihr mit der Verständigung klar gekommen?
Antwort: Bis zum Iran ging es ganz gut mit Englisch. Nadja hat viele Jahre Russisch gelernt und eine kleine Auffrischung bei der VHS gemacht. Nach den ersten Anlaufschwierigkeiten hat uns das in den Zentralasiatischen Ländern sehr geholfen, in denen man mit Englisch kaum etwas erreicht. Da das gleiche für China gilt, war ich für Chinesisch verantwortlich und hatte Dank eines sehr rudimentären VHS Kurses zumindest ein Grundverständnis für die verschiedenen Betonungen und konnte einige einfache Sätze und Fragen bilden. Grundsätzlich haben wir versucht in jeder Landessprache wenigstens die Standardfloskeln und vor allem die Zahlen zu lernen. Meist geht es beim Reisen um Essen, Unterkunft oder Transport. Die Zahlen helfen einem immens weiter. In Südostasien geht es eigentlich überall ganz gut mit Englisch. Ab Mexiko wurde dann nur noch Spanisch gesprochen. Da das Lateinamerikanische Spanisch viele Anleihen aus dem Englischen aufweist und wir bis dahin ein gewisses Talent zur Kommunikation entwickelt hatten, auch wenn man nur ein oder zwei Wörter im Satz verstand, kamen wir mit einer Mischung aus Französisch und Englisch mit angehängtem „o“ ganz gut durch. Dank unserer Französisch Kenntnissen haben wir in zwei Wochen Sprachschule in Guatemala extrem viel Spanisch gelernt und sind damit bis zum Ende prima zurecht gekommen.

3.Frage: Was war das exotischste Essen?
Antwort: „Kumis“: Vergorene Stutenmilch in Zentralasien, „Laksa“: Makrelensuppe mit Minze in Malaysia, „Menudo“: Pansensuppe in Mexiko, „Cuy“: Meerschweinchen in Ecuador, „Anticuchos“: Rinderherz-Spießchen in Peru, selbst geangelte Piranhas in Bolivien.

Kumis Verkauf in Kirgisien
Lecker Pferdemilch
Laksa riecht gar nicht gut...
...schmeckt aber umso besser!
Wenn die Pansen für die Suppe mal alle sind..
...gibt es auch Schädelsuppe
Meerschweinchengrillrad
Meerschweinchen auf ecuadorianisch
Piranha angeln!
Piranha verspeisen!
4.Frage: Wie nehmt Ihr Deutschland jetzt wahr?
Antwort: Deutschland ist ein Land, in dem sehr vieles funktioniert. Mit der Erfahrung, dass vieles in vielen Ländern nicht selbstverständlich ist, lernt man vieles hier mehr zu schätzen. Damit meinen wir nicht die Pünktlichkeit von Bussen oder das Vorhandensein von Service, sondern zum Beispiel die Gewissheit, dass man von der Polizei keine fiktiven Vergehen und Bußgelder angedichtet bekommt. Oder die Sicherheit mit der wir gedankenlos in ein Taxi steigen, eine Kamera offen herum tragen, oder abends sorglos spazieren gehen können. Oder die Tatsache, dass die Menschen in diesem Land zumindest ansatzweise die gleichen Chancen bekommen und weder in ein Kastensystem hinein geboren werden, noch als ewiger Plantagenarbeiter zur Welt kommen.
Die Dinge über die wir uns vor der Reise geärgert haben sind aber leider immer noch zum ärgern und weil vieles gut ist, heißt das ja nicht, dass manche Dinge nicht besser werden müssen. Einiges empfinden wir als steif und bürokratisch. Vielleicht ist das der Preis fürs Funktionieren? Im Ergebnis mögen wir Deutschland wahrscheinlich nicht mehr oder weniger als vorher, sondern können es nur besser einordnen.

5.Frage: Wie hat Euch die Reise verändert?
Antwort: Die Reise hat wohl weniger uns, als bestimmte Sichtweisen verändert. Einige wichtige Erkenntnisse:
-Wir waren überall auch als Deutsche willkommen und sehr oft wurde uns eine erstaunliche Gastfreundschaft entgegen gebracht.
-Wie wir vor allem im Iran erfahren konnten, kann die mediale Darstellung extrem fern der Realität sein. Dazu Alexander von Humboldt: »Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.«
-Durch das Bereisen vieler muslimischer Länder verschwinden Berührungsängste mit dem Islam und Kopftuch und Gebetsteppich werden normal.
-Das Maß an Glück, welches ein armer Mensch bei einem guten Essen und ein reicher Mensch bei einem neuen Auto empfindet unterscheidet sich nicht.
-Zeit zum Denken und (Tag)Träumen ist unheimlich wichtig und fehlt beim mitteleuropäischen Lebenswandel zu oft.
-Zwei Jahre mit einem 12kg Rucksack zu reisen und nichts zu vermissen außer Freunde und Familie macht frei.
-Die Welt ist unglaublich bunt und facettenreich.
-Wo man freundlich ist fühlen wir uns zu Hause.
-Eine Reise ist die beste Investition von Zeit und Geld.
-Als wir dachten wir seien durch mit den vielen Erkenntnissen, kamen wir in die unveränderte Heimat und nahmen doch alles anders wahr.

Zum Abschluss lautet die Antwort auf die Frage wohin wir jetzt gehen: Wir wissen es noch nicht. Deutschland ist eine Möglichkeit unter mehreren. Aber was wir wissen ist, dass nach 100 Tagen das Fernweh zurück ist!

Update: Seit Anfang Juni 2012 sind wir in Shanghai: www.shanghai.klange.info!

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17 Januar 2012

Argentinien: Ushuaia, Valdez, Buenos Aires, Iguazu, Salta, Cafayate, Mendoza

Ushuaia
Ushuaia vor der Isla Navarino
Südfeuerland
Schafe auf Feuerland bei Tag...
...und Schafe auf Feuerland bei Nacht
Pinguinhöhlen bei Punta Tombo
Pinguine
Gesellige Pinguine
Warten auf...
...den patagonischen Sonnenuntergang
Ushuaia und das Ende der Welt bedeutete für uns auch den Anfang vom Ende unserer großen Reise. Einerseits großartig es bis hierher geschafft und einen Traum wirklich gemacht zu haben, andererseits machte sich auch ein kleines bisschen Wehmut breit bei dem Gedanken, dass unsere Tour tatsächlich irgendwann enden sollte. Dazu kam der Regen, der uns nur kurze Pausen ließ, um die südlichste Stadt unter die Lupe zu nehmen. Besonders spannend kann man sie eigentlich nicht nennen und aufgrund der Kreuzfahrtschiffe, die hier regelmäßig anlegen, besteht die Touristenmeile aus Juwelieren, teuren Boutiquen und Souvenirläden voller Kühlschrankmagneten und Tonpinguinen. Am Hafen klären große Schilder darüber auf, dass sowohl die Falklandinseln als auch ein Teil der Antarktis zu Argentinien gehören, genau wie auf allen offiziellen Karten eingetragen. Dabei gehört Argentinien zu den Erstunterzeichnern des Antarktisvertrags, der seit 1961 das Ruhen lassen der Gebietsansprüche und die ausschließlich friedliche Nutzung regelt. Trotzdem unterhält Argentinien mehrere Militärstützpunkte in der Antarktis. Die „Las Malvinas-son-Argentinas-Schilder“ am Straßenrand sollten uns im ganzen Land verfolgen. Nach zwei völlig verregneten Tagen in Ushuaia entschlossen wir uns zum Handeln und brachen den langen Weg nach Norden an.
Kaum hatten wir den bergigen Teil Feuerlands verlassen war der Himmel tiefblau und die Sonne brannte wieder auf die Schafweiden. Vor uns lagen gut 3000 Kilometer bis Buenos Aires. Die ersten Tage ging es dabei entlang der Atlantikküste über die schnurgerade Ruta 3 durch nicht enden wollende Pampa. Geröll, trockene Büsche, endlosen Zäune links und rechts der Straße, gelegentliche Guanakos und Nandus wurden unsere ständigen und einzigen Begleiter. Die Abwechselung bestand in den wenigen Lastwagen, die uns entgegen kamen und den damit verbundenen kurzen Unterbrechungen des unermüdlich starken patagonischen Windes. Auch die Eintönigkeit hat ihren Charme, allerdings nur eine gewisse Zeit, sodass wir froh waren am dritten Tag Punta Tombo, die größte Pinguinkolonie Argentiniens zu erreichen. 500.000 kleine befrackte Freunde sollen dort nisten. Da wir erst am späten Nachmittag eintrafen waren wir alleinige Gäste und kamen rechtzeitig zur allgemeinen abendlichen Aufbruchstimmung unter den Pinguinen, die den ganzen Tag über in ihren Höhlen gelegen hatten. So wurden wir Zeugen eines lustigen Schauspiels, in dem die schwarzweißen Kollegen scharen weise zu oder vom Meer watschelten, Zweige zur Nestausbesserung suchten oder mit ihrem Gezeter die Möwen vertrieben, die es auf die gut behüteten Eier abgesehen hatten. Nach einem Sonnenuntergang, der den Himmel in Flammen setzte, verbrachten wir eine einsame Nacht mitten in der Wildnis. Am nächsten Tag erreichten wir die Valdez Halbinsel auf der wir einige Tage verschnaufen wollten.
Wie die Pampa und die Ruta 3 ist auch die Atlantikküste Argentiniens eine nicht allzu aufregende und uniforme Angelegenheit. Die Valdez Halbinsel macht da keine Ausnahme. Ungeschickter Weise trafen wir an einem Samstag auf dem einzigen Campingplatz der Insel ein und da die Argentinier große Freunde des Campierens sind war der Platz voller Wochenendausflügler, die versuchten in kürzester Zeit möglichst viel Verwüstung anzurichten. Im Gegensatz zu den freundlichen aber zurückhaltenden Chilenen sind die Argentinier sehr von sich überzeugt und fallen schon von Weitem durch ihren ausgeprägten Autokult mit röhrendem Auspuff, dröhnender Diskomusik und Blasen werfender Fickfolie auf. Auch sind sie besonders gut darin auf Ausländer zu zu stürmen um ihnen die Vorzüge ihres Landes darzulegen. So lernten wir schnell die ein oder andere Großfamilie kennen, die im alten Mercedesbus unterwegs war und dem argentinischen Volkssport des Asado (Grillen) nachging. Findet man auf chilenischen Campern meist einfache Unterstände und Hütten, kann man darauf wetten, das ein argentinischer Zeltplatz übersät ist mit gemauerten Grillständen. Obwohl in jedem Laden Kohle angeboten wird haben wir niemals einen Argentinier über Kohle grillen sehen. Stattdessen wird fleißig Holz gesammelt, zur Not auch aus den ohnehin schon geplünderten Bäumen gerupft, um damit zunächst mal einen riesigen Scheiterhaufen aufzuschichten und zu entfachen. Nach ein bis zwei Stunden werden dann über der glühenden Holzkohle große fettige Fleischmassen vorzugsweise „vacio“ ausgebreitet, die stundenlang gegart werden. Vor 23:00 Uhr ist dabei nicht an Essen zu denken, dann aber sitzt die ganze Großfamilie vom kleinsten Kind bis zur Omi zusammen. Der Grilllust der Argentinier sind wohl auch die Schilder auf den Autobahnen zu verdanken die ab und zu verkünden: „Kein Feuer auf dem Mittelstreifen machen!“. Gleich darauf folgt meist der Hinweis „Schilder abreißen verboten!“. Dass der Geschmack der Argentinier für Rindfleisch nicht unbedingt unserem entspricht haben wir gemerkt als wir selbst „vacio“ zubereitet haben. Lecker aber sehr zäh. Sehr gut im europäischen Sinne ist das „bife de chorizo“ oder „bife de lomo“, die man statt mit dem Messer durchaus auch mit der Gabel gleich einem Pudding zerteilen kann. Im Zweifelsfall kauft man beim Metzger einfach das teuerste Fleisch, was für unsere Verhältnisse immer noch günstig ist.
Argentinische Estancia
Die argentinische Atlantikküste
Free Willy
Franca Austral Wale: Mutter und Kalb
Heckflosse
Robbendes Fett
Hungrige Orcas
Gefahr im Verzug
Ahnungslose Seeelefanten
Nachdem wir den Wochenendrummel überstanden hatten machten wir uns auf die Suche nach den Franca Austral Walen, die zu dieser Zeit mit ihrem Nachwuchs vor Valdez liegen sollten. Und tatsächlich konnten wir schon vom Strand einige der Riesen gar nicht so weit entfernt aus dem Wasser springen sehen! Auch wenn damit formal unser Etappenziel Wale zu sehen bereits erreicht war entschlossen wir uns an einer der Whale Watching Touren teilzunehmen. Wir hatten uns dazu den Montag Morgen ausgeguckt, in der Annahme es sei dann weniger Betrieb. Als wir uns als Erste in die Liste eintrugen und ich fragte, ob eine minimale Teilnehmerzahl notwendig wäre, lächelte man nur und kurz darauf bestiegen wir mit einer riesigen belgischen Rentnergruppe das Boot. In einer benachbarten Bucht tummelten sich paarweise jeweils Mutter und Kalb der gut 15 Meter langen Wale. Wir sahen zu, wie sich das Muttertier auf den Rücken legte und die Seitenflossen in die Luft streckte, um das Trinken des Kalbs zu kontrollieren oder durch langes Tauchen die Atmung des Jungtieres zu trainieren. Die ausgewachsenen Tiere sind riesig und es ist ein besonderes Erlebnis ihnen in die Augen zu sehen, wenn sie sich dem Boot bis auf wenige Zentimeter nähren, um dann doch darunter hindurch zu tauchen. Der amerikanische Walforscher, der die Tour leitete gab uns noch den Tipp, dass auf der anderen Seite der Insel eine Seeelefantenkolonie sei in der es gerade Nachwuchs gebe und dass dies der perfekte Zeitpunkt sei, um Orca Wale zu sehen, die sich bei Flut mit den Wellen an den Strand katapultieren lassen, um sich eines der befellten Fettbündel zu schnappen. Also fuhren wir am nächsten Tag quer über die Insel und installierten uns mit unseren Campingstühlen oberhalb der Seeelefanten. Belohnt wurden wir erst kurz nach der Ankunft am zweiten Tag als vor uns auf einmal fünf schwarze Rückenflossen auftauchten und das Rudel Orcas mit erstaunlicher Geschwindigkeit den Strand auf und ab patroullierte. Ein paar Mal kamen sie den ahnungslosen Opfern ganz schön nah, aber auf den Strand schafften sie es (leider) nicht, das Wasser war wohl nicht hoch genug, oder es war nur eine Übung für den Kleinsten im Bunde. Auf dem Rückweg fanden wir den Weg in die Bucht mit den Austral Walen, saßen zwei Stunden auf Blitz und den Klippen und sahen den Walen beim Springen zu. Beeindruckt und glücklich setzten wir am nächsten Tag unseren Weg fort.
Bis Buenos Aires war es nochmal ein Roadtrip von 1500 km, den wir in zwei Tagen zurück legten. Bei einem Zwischenstopp konnten wir südamerikanisches Gassi gehen beobachten. Auto kommt an, Hund wird am Anfang der Promenade raus geworfen und läuft dem Auto hinterher, um am Ende des Parkplatzes wieder eingeladen zu werden. Selbst im kleinsten Ort Argentiniens findet man am Ein- und Ausgang kleine Wachhäuser in denen gelangweilte Polizisten sitzen, die wahllos Verkehrskontrollen durchführen. Ist man mit einem ausländischen Kennzeichen ohnehin meist Ziel der Stichproben kommen im nördlichen Patagonien wie auch in ganz Nordargentinien ähnlich wie an den Landesgrenzen lästige Lebensmittelkontrollen hinzu. Dabei hat man keine Möglichkeit vorher heraus zu finden wo dies der Fall ist und was man nicht transportieren darf. So kann es passieren, dass man am Morgen einen Großeinkauf tätigt nur um am Nachmittag Fleisch und Obst abgenommen zu bekommen was ziemlich ärgerlich ist. Mit wieder zunehmender Zivilisationsdichte gingen wir also dazu über Wurst und Schinken in unseren Jackentaschen zu transportieren und Obst nur für den Tagesbedarf mit zu führen. Fuhren wir nun an viel mehr Dörfern oder Städten vorbei ging dies nicht etwa auch mit einer zunehmenden Urbanität einher. Wie im Süden fehlte offensichtlich jegliche Planung und oft wusste man nicht ob man den hässlichen und zersiedelten Industrieort schon wieder verlassen hatte oder gleich im Zentrum sein würde.
Frühling in Buenos Aires
Strassenszene in Buenos Aires
Argentinisches Cafe
El Caminito...
...in Buenos Aires
Matetöpfchen
Nicht mehr als drei!
Unsere erste Annäherung an Buenos Aires erfolgte über eine 14-spurige Stadtautobahn, die von einem brennenden Auto flankiert wurde. Ein Wink in dieser 13 Millionen Stadt wieder zu mehr Vorsicht zurück zu kehren als in den südlichen Pioniergebieten notwendig war. Wir ließen Blitz auf einem bewachten Parkplatz in Tigre zurück, da wir keine Lust hatten uns auch noch über die 18-spurige Avenida 9 de Julio im Zentrum zu quälen und verbrachten den ersten halben Tag mit Unterkunftssuche im Zentrum. Dass sich die Preise in Argentinien aufgrund einer sehr hohen Inflation in den letzten Jahren vervielfacht hatten und damit noch höher sind als in Chile wussten wir bereits, aber durchschnittlich 80 US$ für ein Doppelzimmer ohne Bad in einem dieser Superhostels im angeblich günstigen Buenos Aires hielten wir trotzdem für herzlich übertrieben. So kannten wir uns im Zentrum bereits bestens aus, als wir schließlich für die Hälfte in ein schönes altes Kolonialgebäude eincheckten. Buenos Aires hat wenig mit den anderen südamerikanischen Großstädten gemein und entspricht vielmehr dem Bild einer europäischen Metropole. Alte Blocks aus der Gründerzeit, eine Speicherstadt am alten Hafen und viele Stadtteile mit ganz unterschiedlichem Charakter vom Studentenviertel über Yuppie Hochburg bis zur alternativen Künstlerszene. Drumherum die sozialen Brennpunkte und Armenviertel aus denen Abends die Müllsammler die dunklen Gassen überfluten. Wir hatten uns für den zweiten Tag das hippe Alt Palermo und den Caminito mit seinen bunten Wellblechfassaden heraus gepickt, der ähnlich dem Künstlermarkt in San Telmo, auf dem wir den Nachmittag verbrachten, schon sehr Touristen orientiert ist. Dafür, dass wir uns nach der Einsamkeit der letzten Wochen gar nicht so richtig vorstellen konnten nochmal durch eine Großstadt zu streifen hat es uns aber trotzdem gut gefallen. Da die Diät der Argentinier übrigens im Wesentlichen aus Fleisch und Pommes besteht nutzten wir die Gelegenheit der Metropole gleich zweimal asiatisch Essen zu gehen. Tatsächlich war es uns an der Atlantikküste nicht möglich frischen Fisch zu finden und Salat oder überhaupt eine andere Beilage als Pommes ist selten. Und auch wenn man bei jeder Salami und jeden Schinken sicher sein kann, dass sie hervorragend schmecken, hing zumindest uns der Fleischtick der Argentinier schnell zum Hals raus.
Was das leibliche Wohlergehen angeht, darf das Ärgernis mit dem Flaschenpfand natürlich nicht verschwiegen werden. Dass Pfandflaschen inklusive Pfand billiger sind als Einwegflaschen und daher eher zum Wegwerfen als zum Recyclen verleiten ist eine Sache. Viel schlimmer ist aber, dass jeder Laden trotz der einheitlichen Liter großen Bierflaschen sein eigenes Konzept verfolgt. So wird das Pfand manchmal gegen Kassenbon aus dem selben Laden ausgezahlt, oft kann man nur leere Flaschen gegen volle tauschen oder auch nur gleiche Marke gegen gleiche Marke und grundsätzlich ist es unmöglich für fremd gekaufte Flaschen Pfand zurück zu bekommen. Der Höhepunkt war, als, ich eines Tages in einem Dorfladen stand und gar kein Bier kaufen konnte, weil ich keine leere Flasche zum Bezahlen des Pfands hatte. Auf die Frage woher die Argentinier ihre allererste Bierflasche bekommen und ob man sie ihnen schon in die Wiege legt, wusste der Kollege am Tresen aber auch keine Antwort.
Die argentinische Seite der Iguazu Fälle
Kai vor dem Teufelsschlund
Nadja vor den Wasserspielen
Auf der brasilianischen Seite der Iguazu Fälle
Diebischer Nasenbär
Argentinische Elster
Dass Touristen auf dem Weg zwischen Buenos Aires und den Iguazu Fällen immer mal wieder von der Polizei belästigt werden, hatten wir gehört. Da wir aber bis dahin keine Probleme hatten, kümmerten wir uns nicht weiter darum und gerieten folgerichtig zwei Stunden hinter der Hauptstadt in der Provinz Entre Rios in eine unangenehme Angelegenheit. Als wir am Straßenrand angehalten wurden und einer der Uniformträger um Blitz herum ging, um nach Anlässen für ein Bußgeld zu suchen, wollte man uns erst einmal Geld abnehmen, da wir kein Licht an hätten. Das schnelle Nachgeben ließ aber darauf schließen, dass die beiden wohl gesehen hatten, dass wir es erst ausgemacht hatten, nachdem wir zum Stehen gekommen waren. Sehr schnell eröffnete man uns aber dann, dass wir einen Aufkleber mit der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit nebst Reflektoren am Heck bräuchten und machte uns flugs eine Rechnung über 400 US$ Strafe auf. Da wir in dem Moment nicht wussten, ob wir die Kennzeichnungen wirklich brauchten, da vergleichbare Fahrzeuge auf dem Seitenstreifen die Dinger hatten, gingen wir wohl oder übel mit in den Polizeicontainer. Was wir definitiv wussten, dass ein solches Vergehen, wenn es denn eins war in Argentinien mit Sicherheit nicht soviel Geld kostet. In der Folge fragten wir unter Hinweis auf die vielen Kontrollen die wir bisher anstandslos passiert hatten nach dem Gesetz, gegen das wir angeblich verstoßen hatten. Nach zwanzig Minuten Blättern und Rauchen legte man uns eine Fotokopie eines Erlasses vor, in dem es um Fahrzeuge zum Transport von Waren und Personen ging. Als ich dem Uniformierten dann noch auf die Darstellungen von Reisebus und Laster ansprach wurde er ziemlich pampig und schickte uns zu seinem Chef. Der war gerade dabei unseren Strafzettel mit Siegel und Stempel auszudrucken. Nach einer wenig fruchtbaren Diskussion legte er uns die Papiere zur Unterschrift vor. Als wir ihm unmissverständlich sagten, wir werden weder etwas unterschreiben, noch etwas bezahlen bevor wir nicht das entsprechende Gesetz und den Bußgeldkatalog gesehen hätten, faltete er die Zettel zusammen und reichte uns mit einem „Buen Viaje“ (Gute Reise) die Hand. Wir kratzten die Kurve, bevor die Typen es sich anders überlegen konnten und waren den Rest des Tages ganz schön aufgebracht, wie dreist die Polizisten versucht hatten, uns zu bescheissen. Nicht auszudenken was dann alles auf höheren Ebenen passieren muss und außerdem bestürzend, dass dies ausgerechnet in Argentinien, dem vermeintlich zivilisiertesten Land Südamerikas passiert. In Peru oder Bolivien hätten wir eher damit gerechnet. Zumindest war es gut, dass wir uns für die Wir-sprechen-Spanisch-Taktik entschlossen hatten, sodass wir eine Menge unangenehmer Fragen stellen konnten. Bei mangelnder Verständigung halten die Ganoven wahrscheinlich einfach die Zulassung ein bis sie die Kohle kriegen.
Auf dem Weg in den Norden wurde es langsam tropisch und statt an Steinen und trockenen Büschen fuhren wir an Reisfeldern und Palmenwäldern vorbei. Konsequent für Argentinien änderte sich daran aber die nächsten anderthalb Tausend Kilometer auch nichts mehr. Als wir zum Übernachten einen schönen Baum hinter einer Tankstelle gefunden hatten und gerade bei unserem Zielbier saßen, empfahlen uns die Mitarbeiter der Tankstelle lieber in eine Art Carport direkt neben einem Wachhäuschen zu fahren, da es am Nachmittag eine Schießerei gegeben hätte. Anzeichen, dass wir nur noch wenige Kilometer von der brasilianischen Grenze entfernt waren? Wir sind jedenfalls sicher in Puerto Iguazu angekommen und fanden einen schönen Campingplatz mit Palmen und Pool, der allerdings auch von 36 Pesos laut Reiseführer (2010) auf 97 Pesos angezogen hatte. Wir hatten schon wieder vergessen, dass es Moskitos gibt nachdem es in den vergangenen Monaten einfach zu kalt dafür gewesen war. Dafür wurde Nadja gleich in der ersten Minute beim Aussteigen von einem exotischen Insekt in den Fuß gestochen, der seinerseits auf Fesselballongröße anschwoll, sodass wir unseren Besuch der Wasserfälle erst einmal verschieben mussten. Nachdem wir die Zwangspause mit Grillen und Schwimmen verbracht hatten, nahmen wir uns zwei Tage Zeit, um sowohl die argentinische als auch die brasilianische Seite der Iguazu Fälle zu besuchen. Beide sind bombastisch und läuft man in Argentinien auf, unter und über die Fälle, hat man in Brasilien ein sehr schönes Gesamtpanorama vor sich. Die Nasenbären, die unbedarften Touristen Kekse und Stullen aus den Taschen zogen, waren auf beiden Seiten zahlreich zur kurzweiligen Unterhaltung vorhanden.
Garganta del Diablo bei Salta
Zwischen Salta und Cafayate
Los Castillos
Cafayate
Weingut in Cafayate
Weinprobe bei 30 Grad Außentemperatur
Argentinische Folklore auf dem Marktplatz
Let oop, badenas!
Strassenbeschilderung in Argentinien
Thermen von Fiambala
Zurück in den Anden
Entlang der Ruta40
Die letzte Etappe
Unserer letzte richtig lange Argentinienetappe führte uns vom Nordostzipfel immer Richtung Westen, quer durch die Chaco Tiefebene. Die Bevölkerungsdichte nahm wieder stark ab und wenn wir in der subtropischen Tundra auf eine Siedlung stießen bestätigten die Lehm- und Bretterbuden, dass wir in einer der ärmsten Regionen des Landes unterwegs waren, die sehr viel mehr an Peru und Bolivien erinnerte, als an das weiter entwickelte Argentinien. Die Vegetation um uns herum steckte voller Tiere und neben riesigen Störchen sahen wir Anakondas, Alligatoren und Ameisenbären, allerdings meist überfahren am Wegesrand. Außerdem kehrte die Hitze zurück und wir wünschten uns zum ersten Mal ein Moskitonetz, um nachts die Tür des Busses auflassen zu können. Schlaflos und schwitzend in der Hitze blieb viel Zeit, das Reisen mit dem Auto zu reflektieren. Es ist wunderbar ganz individuell unterwegs zu sein, überall halten zu können und nicht an öffentlichen Transport und Abfahrtszeiten gebunden zu sein. Schön ist außerdem, unabhängig von den Unterkünften zu sein und statt lauten, feierorientierten Backpackern eine Menge interessanter Reisender mit ihren unterschiedlich abgefahrenen Fahrzeugen auf den Campingplätzen zu treffen. Allerdings muss man aufpassen nicht der Versuchung zu erliegen jede Straße und jedes Tal erkunden zu wollen, was leicht dazu führen kann, dass man die Reise im Wesentlichen im Sitzen verbringt, während wir mit dem Rucksack jeden Tag mehrere Stunden gelaufen sind, sei es nur um eine Stadt zu erkunden und auf dem Markt etwas zu essen zu finden. Schaut man bei der Reise hauptsächlich durch die Windschutzscheibe schafft man Distanz zwischen sich und den Einheimischen, verpasst die Begegnungen beim Einkaufen und Busfahren und isst nicht mehr gemeinsam in den kleinen Restaurants. Schließlich fallen die Ruhephasen zum Schlafen, Denken oder Reflektieren der letzten Erlebnisse bei den Busfahrten weg, da man sich auch als Beifahrer auf die schlechten Pisten und die Umgebung konzentriert. Für uns ist das Reisen mit dem eigenen Fahrzeug somit keineswegs der nächste Schritt nach dem Backpacking, sondern eine ganz andere Art zu reisen. Im Nachhinein sind wir froh nicht schon in Kolumbien einen Bus gekauft zu haben, da wir zu viel Kultur der Andenländer verpasst hätten. Für Chile und Argentinien, wo es sehr viel europäischer zugeht und die Attraktion vor allem die Landschaft ist, war es für uns die perfekte Art zu reisen.
Mit Salta erreichten wir eine der alten Kolonialstädte im Nordwesten Argentiniens und damit endlich wieder die Ausläufer der Anden. Hier trafen wir auch auf die beiden Schweizer Radfahrer Nadine und Gaetan, mit denen wir einige Zeit in Kirgistan verbracht hatten und über den Tourugart Pass nach China gereist waren und damit die einzigen Bekannten, die wir schon jenseits des Pazifiks getroffen hatten. Entsprechend groß war das Hallo und nachdem wir die wenigen alten Gebäude Saltas inspiziert hatten verbrachten wir Tage mit Erzählungen, Erfahrungsaustausch über die letzten anderthalb Jahre und Melonenbowle. Als wir Deutschland im April 2010 verließen mit dem Plan ein Jahr durch die Weltgeschichte zu reisen, wussten wir nicht ob wir nach ein paar Monaten das Bedürfnis haben würden wieder zu arbeiten oder ob uns das Reisen nach einem Jahr langweilen würde. Beides war nicht der Fall und auch nach anderthalb Jahren war die Begeisterung für neue Landschaften und Kulturen unvermindert. In Bolivien schließlich hatten wir erstmals das Gefühl lange genug auf Tuchfühlung mit der indigenen Bevölkerung gelebt zu haben und nach der bombastischen Carretera Austral fiel es uns schwer noch Begeisterung für die argentinischen Landschaften zu finden. Auch Buenos Aires konnte uns nicht mehr so richtig aus dem Häuschen locken. Kurzum, es machten sich nach zwanzig Monaten die ersten Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Dass es unseren radelnden Freunden, die nochmal ein Jahr länger als wir unterwegs waren ganz ähnlich ging, machte es uns leichter das nahende Ende unserer Tour zu akzeptieren. Dabei haben wir das gute Gefühl mit viel Muße eine wunderschöne Route in angemessener Zeit zurückgelegt zu haben und nicht wie viele andere, die hasteten und dabei weniger genießen konnten. Mit dieser Erkenntnis konnten wir den Weg über eine alte Bekannte die Ruta40 entlang der Anden nochmal besonders genießen. Vor allem Einsamkeit und Stille fanden wir als Abschluss zwischen den bizarren Felsformationen, die die Erosion im Laufe der Zeit in das bunte Gestein am Wegesrand gefressen hat. Und nachdem wir eine Weinprobe im gemütlichen Cafayate und ein paar Tage Entspannung in den abgelegenen Thermen von Fiambala genossen hatten, fiel es uns gar nicht mehr so schwer nach der Rückkehr über Mendoza in Santiago de Chile unseren Blitz nach drei tollen Monaten Roadtrip an ein Schweizer Paar zu verkaufen in dem Bewusstsein, dass zumindest er nun die Welt weiter entdecken würde, während wir uns auf die Heimreise machten.

Another job well done!
Nach 21 Monaten oder 629 Tagen in 30 Länder, nach 3.145 Litern Wasser, 1.258 Flaschen Bier, 943 Colas, mindestens 188kg Reis, ca.45.000 Buskilometern, ungefähr 25.000 Fotos und 459 Seiten Tagebuch landen wir mit zerschlissenen Kleidern am Leib und unendlich vielen wertvollen Eindrücken, Erfahrungen und Geschichten im Kopf unbeschwert und glücklich in Berlin.

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25 November 2011

Chile: San Pedro, Santiago, Valparaiso, Seengebiet, Chiloe, Carretera Austral, Arg: El Chalten, El Calafate, Chile: Torres del Paine, Punta Arenas, Feuerland

3000m unter uns liegt die Zivilisation
Kirche in San Pedro de Atacama
San Pedro de Atacama
Antofagasta
La Portada bei Antofagasta
Nationalfeiertag im Park O Higgins in Santiago
Zwei Completos
Auf den Dächern von Santiago
Über den Wolken
Bunte Häuser in Valparaiso
Kunst in Valparaiso
Araukarienwälder im ersten Schnee
Araukarie
Schwarzkopfschafe im Seengebiet
Vulkan Villarica
Lago Panguipulli
Deutscher Ort Frutillar
Vulkan Osorno
Auffahrt zum Osorno
Blick in den Rückspiegel
Morgenstimmung
Boarden auf dem Vulkan Osorno
Die letzten Kilometer der Panamericana
Puerto Montt
Auf dem Fischmarkt in Puerto Montt
Fischerboote in Puerto Montt
Auf der Fähre nach Chiloe
Chiloes Küste
Fischerhütten auf Chiloe
Steilküste auf Chiloe
Chiloe
Ausblick von unserem Camping in Ancud
Pfahlhäuser in Castro
Leckere Lachsceviche
Auf dem Camper in Quellon
Blick aufs Festland über die Bucht von Quellon
Ein bisschen kamen wir uns vor wie bärtige Höhlenmenschen mit Fellen um die Lenden, die das erste Mal auf Zivilisation treffen, als wir mit einem blitzblanken klimatisierten Kleinbus fast dreitausend Höhenmeter von der bolivianisch-chilenischen Grenze hinunter nach San Pedro de Atacama gefahren waren. Hier fanden wir nicht nur Hippies, Aussteiger und viele europäische und amerikanische Touristen mit teuren Mietwagen sondern auch saubere Straßen, saubere Restaurants und saubere Klos. Fast ein Kulturschock und dann noch der Preisschock. Alles war um ein Vielfaches teurer als in Peru und Bolivien. Rückblickend war es der Ort mit der höchsten Touristendichte, den wir in Chile gefunden haben. Entsprechend verweilten wir nur zum Verschnaufen und fuhren zwei Tage später mit einem komfortablen, sinnvoll klimatisierten Bus, dessen Fahrer Anzug und Krawatte trug nach Antofagasta, um nach Monaten den Pazifik wieder zu sehen. Da auch diese komfortable Fahrt unsere Lust am Busfahren nach Bolivien nicht wieder erwecken konnte beschlossen wir kurzerhand uns selbst einen zu kaufen. Tatsächlich war die Idee schon etwas älter und das erste Mal haben wir ernsthaft nach einem Auto in Kolumbien geschielt. Grundsätzlich sind aber die Preise für Gebrauchtwagen in Südamerika sehr viel höher als in Europa und der günstigste Wagen, den wir in Kolumbien fanden war ein Renault 4 von 1977 für 4000 US$, der wahrscheinlich beim bloßen Anblick der Anden in seine Einzelteile zerfallen wäre. In Ecuador haben wir zumindest heraus bekommen, dass es als Ausländer möglich ist zu kaufen und zuzulassen, aber ob wir damit legal über die Nachbarländer hinaus reisen dürften, konnte uns niemand beantworten. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben und da in Chile das Verfahren sehr einfach ist und unsere Busapathie aus Bolivien dazu kam, wollten wir es diesmal wissen. Antofagasta erschien uns als größte Stadt in Nordchile dafür der geeignete Ort. Gefunden haben wir nur einen hässlichen von Wüste umgebenen Industriehafen, der uns stark an die Küste Perus erinnerte. Also wollten wir schnell weiter, was uns zur Abwechselung durch das lange Wochenende aufgrund des Nationalfeiertags zunichte gemacht wurde. Wir nutzten die zwei Tage Wartezeit auf freie Sitzplätze im Bus damit, uns einen ersten Eindruck der chilenischen Kultur und des Essens zu verschaffen. Von Anfang an fühlten wir uns mehr in Europa, als in Südamerika, so groß ist der Unterschied im Lebensstandard zu den Nachbarländern. Auf einmal gab es große Supermärkte, Boutiquen, Fastfoodketten und in Santiago sogar eine Metro. Die Diät der Chilenen gleicht zunächst mal der der Nachbarn, man merkt aber schnell, dass der deutlich höhere Preis dafür mit einer vervielfachten Fleischmenge einhergeht und der Trend grundsätzlich dahingeht jede Möglichkeit zu nutzen ein riesiges Feuer zu entzünden, um ganze Fleischberge darauf zu grillen.
Trotz Verzögerung haben wir es mit unserer letzten Busfahrt in 18 Stunden geschafft pünktlich zum Nationalfeiertag am 18.September in Santiago de Chile zu sein. Den verbrachten wir zunächst mal in einem der großen Parks in Santiago, wo die zu solchen Anlässen übliche, langweilige Militärparade ablief. Der wahre Spaß fand auf der Wiese statt, wo hunderte Chilenen Drachen steigen ließen und mit den groben Schnüren versuchten die feindlichen Leinen zu kappen und die zugehörigen Drachen abstürzen zu lassen, die dann von marodierenden Kindern wieder eingesammelt und dem ewigen Kreislauf des Kaufs und Wiederverkaufs zugeführt wurden. Neben Chicha einem Maisgetränk mit getrockneten Pfirsichen lernten wir zwischen den Buden noch das heimliche chilenische Nationalgericht kennen. Hinter dem Completo verbirgt sich nichts anderes als ein Hotdog mit Avocadocreme, Mayo, Ketchup und Senf, der vorzugsweise an Tankstellen konsumiert wird. Abends hatte der Besitzer unseres kleinen Hostels mitten im Zentrum Freunde und Gäste zur Feier geladen und mit Chorizos, Rotwein und Livemusik schauten wir den Chilenen bei ihrem Volkstanz zu, bei dem die Tanzpartner mit farbigen Tüchern zu kommunizieren scheinen. Die folgenden Tage verbrachten wir mit Abklappern der Autohändler und als das nicht den gewünschten Erfolg brachte, suchten wir auf dem Privatmarkt nach Kleinbussen, was uns einerseits in die abgelegensten Winkel Santiagos brachte und andererseits hohe Anforderungen an unsere Sprachfähigkeiten stellte, da der Marktschreier oder Schrauber von nebenan, der seine Karre verhökern will nun mal das schäbigste Spanisch nuschelt, was zu haben ist. An den Abenden nutzen wir die ungewohnt gute Versorgung durch Zentralmarkt und mehrere Supermärkte, um uns durch alle erdenklichen Meeresfrüchte zu kochen und auf dem Dach des Hostels Rindfleisch und Wurstsortimente zu grillen. Dabei hatten wir auch Zeit endlich mal in Ruhe die Erdumlaufbahn zu studieren und zu verstehen, warum die Sonne hier tatsächlich durch den Norden läuft und man abends immer schneller als gedacht im Schatten sitzt.
Wir haben eine Woche gebraucht, um einen Bus zu finden, zu kaufen und anzumelden. Als das geschehen war und während wir auf die Papiere warteten nutzen wir das Wochenende, um unsere erste Fahrt quer durch Santiago zu bestreiten und in der offenen Tiefgarage eines Baumarktes ein Bett ins Auto zu zimmern. So wie das Sägen und Hämmern durch das Parkhaus schallte war es kein Wunder, dass in kurzer Zeit mehrere Sicherheitskräfte vor uns standen. Wir hatten uns schon gedacht, dass man uns wohl nicht lange dulden würde. Falsch, in der den Chilenen eigenen freundlichen und neugierigen Art wurden wir ausgefragt, was wir wohl täten, um uns dann eine schöne Reise zu wünschen und ab und zu ob des Fortschritts vorbei zu schauen. Selbst Chef höchstpersönlich kam im Golfcaddy vorgefahren, um uns kennen zu lernen. In der Dämmerung des Sonntag Abends waren wir fertig und rollten im Dunklen auf die Straße, um für eine letzte Nacht ins Hostel zurück zu kehren. Zack! Stromausfall ins ganz Santiago und noch ziemlich viel mehr von Chile. Südamerikanische Großstadt mit dem Auto, dunkel, kein Licht und keine Ampeln mehr. Erstaunlich, wie man es in so kurzer Zeit schaffen kann Kreuzungen so hoffnungslos zu verstopfen. Es half schließlich nur noch das Warten auf die Polizei, die die Verkehrsknoten mühsam auflösen konnte. Während in einigen Stadtteilen Santiagos munter geplündert wurde trafen wir auf dem Fußweg vorm Parkhaus in der dunklen Innenstadt zum Glück nur die friedlicheren Chilenen, die illegal auf Einkaufswagen grillten und munter verkauften. So kamen wir unerwartet sogar noch zu späten Hühnchenflügeln und Rinderherzen auf Spießchen. Für die Soße mussten wir allerdings hinter den Köchen her rennen, die bereits mit ihren mobilen Grills vor der nahenden Polizei flüchteten.
Am nächsten Tag war es endlich so weit, wir starteten mit Blitz, unserem eigenen Bus und nun Campervan, in den letzten Teil unserer großen Reise. Die Testrunde führte uns zunächst nach Valparaiso, dem ehemals wichtigen Hafen 120km von Santiago entfernt. Wie vielen der Hafenstädte Südamerikas wurde auch der Blütezeit Valparaisos durch die Öffnung des Panamakanals ein Ende gesetzt. Heute regiert hier vor allem hohe Arbeitslosigkeit. Aber beim Wandern durch die bunten Häuser und den Auf- und Abfahrten mit den alten Schrägaufzügen, die die verschiedenen Stadthügel miteinander verbinden, kann man sich ein gutes Bild vom vergangenen Wohlstand dieses Weltkulturerbes machen. Die erste Campingplatzsuche verlief dann wie viele folgende auch. Nach einer langen Fahrt durch Wald und über Schotterwege war der erste Platz geschlossen. Wir fuhren danach die Küste hinauf durch die schrecklichen Küstenorte Vina del Mar und Co, nur um bei der Suche nach dem zweiten Camper schließlich irgendwo im Feld zu stehen. Ein netter Anwohner erbot sich uns in seinem Auto vorweg fahrend den Weg zu weisen. Wenn wir dabei auf der Wiese oder im Wald endlich einen Fahrspur entdeckten ging es todsicher darüber hinweg mitten ins Gras oder die Pampa. Den zweiten Camper gab es gar nicht mehr und letztlich blieben wir die nächsten zwei Nächte für einen Freundschaftspreis in einer gemütlichen Maisonette-Holzhütte unseres Führers und konnten so in aller Ruhe mit der geliehenen Flex die letzten Anpassungen an Blitz vornehmen.
Um endlich mal Strecke zu machen, starteten wir über Santiago und die südlich davon liegenden Weinanbaugebiete durch und peilten das Seengebiet an, welches auch gerne chilenische Schweiz genannt wird. Tatsächlich trifft man aber statt Schweizer vor allem viele deutsche Auswanderer, die das Gebiet seit 1850 besiedelt haben. Regelmäßig sieht man hier Schilder wie „Zimmer frei“ oder „Strudel“ und Wörter wie „Kuchen“ und „Schoppen“ sind sogar in den chilenischen Sprachgebrauch über gegangen. Verlässt man die von gelben Blumen gesäumte Autobahn (Reparatur bedürftige deutsche Landstraße), auf der man in der Regel weder in der Windschutzscheibe noch im Rückspiegel ein anderes Auto sieht, dringt man ein in ein wunderbares Geflecht aus gelb blühenden Wiesen, grünen Wäldern, sanften Hügeln, blauen Seen und schneebedeckten Vulkanen. Auf Umwegen und mit Extrarunden haben wir Blitz auf Schotter erprobt, riesige Araukarienwälder entdeckt und eiskalte Nächte an abgelegenen Seen verbracht. Wie die vielen einsamen Dörfern erinnerte uns auch Panguipulli mit den bunten Holzhäusern noch irgendwie an skandinavische oder kanadische Holzfällerkultur, bis wir in Villarica und Pucon auf Zentren des innerchilenischen Tourismus trafen. Leider schloss das Skigebiet auf dem Vulkan Villarica an unserem Ankunftstag und wir mussten noch ein paar Tage warten, ehe wir unseren Plan auf einem südamerikanischen Vulkan zu Snowboarden nach Stippvisiten in den deutsch geprägten Siedlungen Frutillar und Puerto Varas in die Tat umsetzen konnten. Auf dem Vulkan Osorno waren wir vor einem tollen Andenpanorama fast allein über den Wolken.
Zurück auf der Panamericana stießen wir bis an deren Ende auf dem Festland vor. Statt einem vollen Goldtopf trafen wir hier aber nur auf die nicht gerade schöne Hafenstadt Puerto Montt, die zugleich Zentrum der chilenischen Zuchtlachsindustrie ist und in der es rund um die Uhr regnet. In den kurzen Pausen haben wir uns des Fischmarktes angenommen und uns um die Überfahrt nach Chiloe gekümmert, behindert von komischen Feiertagen, undurchsichtigen Öffnungszeiten und falschen Telefonnummern. Nach der kurzen Überfahrt auf die Insel Chiloe regnete es leider munter weiter. Für uns der erste ernst zu nehmende Regen seit Quito und eine wesentliche Beeinträchtigung unseres Wohlbefindens. Wir nutzen die Zeit um Gummistiefel zu finden und zu kaufen, nur um die nächsten Tage blauen Himmel und Sonnenschein zu haben. Auch gut. Chiloe ist hügelig, grün, hat eine schroffe Felsküste und erinnert an Irland. Die gelben Blumen am Straßenrand werden hier von orangefarbenen abgelöst. Dahinter liegen hölzerne Pfahlhäuser, einzigartige Holzkirchen und viel unerschlossene Wildnis. In der Hauptstadt Castro fanden wir großartige Lachs-Ceviche und am Südzipfel in Quellon frischen Lachs, der nur in Kilostücken zu vier Dollar verkauft wurde. Von einem wunderschön gelegenen Camper bewunderten wir beim Fisch Grillen die Vulkane auf dem Festland zu deren Füßen unser nächstes Ziel lag, zu dem uns das rote Schiff zwischen den vielen bunten Fischerbooten in der Bucht bringen sollte: die Carretera Austral.
Der Rest von Chaiten
Die Carretera Austral
Hängender Gletscher
Kalter Urwald
Blinder Passagier
Tal vor Coyhaique
Tal hinter Coyhaique
Lichtgestalt
Einsamer Reiter
Sumpflandschaft
Lago Carrera General
Die Marmorhöhlen bei Puerto Tranquilo
Noch mehr Marmorhöhlen
Marmorhöhle von innen
Marmorhöhle die letzte
Patagonischer Friedhof
Um den Lago Carrera
Laguna verde
Frühling in Chilechico
Zielbier am Strand von Chilechico
Ruta 40 in Argentinien
Schafe vor Anden
Das Tal der Hände
Die Höhle der Hände
Blitz am Haken
Hotel Olnie oder der Tittie Twister
Auf dem Weg zum Fitz Roy Massiv
Wanderung zum Cerro Torre
Cerro Torre
Frisch und Fit in Argentinien
Adlerportrait
Vorsicht vor dem patagonischen Wind
Gletscher Perrito Moreno
60m hohe Eiswand
Ein Hochhaus geht unter
Boot vor Gletscher
Landleben zwischen Puerto Natales und Torres del Paine
Guanakos im Torres del Paine
Patagonischer Nandu
Patagonischer Graufuchs
Vogelfrei im Torres del Paine
Patagonischer Gaucho
Salto Grande im Torres del Paine
Las Torres
Eine kalte Nacht im Zelt
Im Valle Frances
Karibik a la Patagonien
Mehr Wind
So ruhen die Reichen in Punta Arenas
So ruht der Normalbürger
Schon mal ein rostiges Haus gesehen?
Fähre nach Feuerland
Königspinguine auf Tierra del Fuego
Königliche Frackträger
Von vorne, von hinten und liegend
In Ushuaia
Am Ende der Welt
Im Gegensatz zur endlosen, planen Steppe des argentinischen Patagoniens besteht der chilenische Teil aus hohen Schneebergen, hängenden Gletschern, dichten Urwäldern und schmalen Tälern. Erst Anfang der Achtziger Jahre wurden die wenigen Siedlungen in diesem Pionierland durch das Militär auf Anweisung von Pinochet mit der Schotterpiste Carretera Austral verbunden und an die Außenwelt angeschlossen. Nachdem wir den Golf von Corcovado überquert hatten und statt Walen zumindest Delfine, Seelöwen und Pinguine im Kielwasser beobachten konnten, rollten wir auf der Suche nach einer Tankstelle durch die verlassenen Straßen von Chaiten. 2008 hatte der Ausbruch des gleichnamigen Vulkans es zu einer Geisterstadt gemacht. Die nicht von der Schlammlawine erfassten noch übrig gebliebenen aufgegebenen Häuser stecken in einer meterdicken Ascheschicht. Die nächsten Tage führte uns unser Weg langsam aber stetig durch und um Schlaglöcher jeden erdenklichen Ausmaßes in der ohnehin schlechten Piste. Belohnt wurden wir mit Einsamkeit, Landschaft und Tieren. Andenhirsche, Füchse und Kondore kreuzten regelmäßig unseren Weg während wir um Seen kurvten, Berge überquerten und Wanderungen in die Naturreservate unternahmen.
Die Provinzhauptstadt Coyhaique überraschte uns als Außenposten der Zivilisation hinter einer Biegung. Hier konnten wir unserer Vorräte auffüllen und wichtiger, endlich unseren Original Fahrzeugbrief, das Padron, per Luftpost aus Santiago empfangen, ohne den wir nämlich nicht so ohne weiteres nach Argentinien kommen würden. Dazu brauchten wir noch eine Versicherung und da der Online Abschluss auf Chiloe nicht geklappt hatte, versuchten wir es nun im Mapfre Versicherungsbüro. Zwei umfangreich aufgetakelte Damen und ein umfangreicher Herr saßen jeweils hinter einem Computer und wir mussten gar nicht erst auf den Bildschirm sehen, um zu wissen, dass hier den Großteil des Tages vor allem auf Facebook gearbeitet wurde. Wir entschieden uns für den goldenen Mittelweg und fragten die Gute nach der Autoversicherung für Argentinien. Mit weit geöffneten Augen starrte sie uns entsetzt an, als wären wir völlig wahnsinnig und meinte Autoversicherungen hätten sie nicht. Als wir auf das Pappschild vor ihr tippten, auf dem „Versicherungen für Argentinien“ inklusiv Preis stand, schaltete sich Chef von links ein und gab ihr ein paar Anweisungen. Die Antwort lautete, das System gehe gerade nicht, wir sollten später wieder kommen. Das tat ich und da auch am Nachmittag das System nicht ging versuchte Madame es über eine Internetmaske, was zunächst daran scheiterte, dass sie nicht in der Lage war meine Kreditkartennummer richtig einzugeben. Als auch dieses System verweigerte vertagten wir alles auf den nächsten Tag. An diesem um zehn Uhr morgens hatte sie schon mindestens eine Stunde soziale Netzwerke hinter sich, aber weder heraus gefunden, dass das System immer noch nicht ging, noch sich um ein in Gang bringen bemüht. Da wir wohl langsam lästig wurden verwies man uns kurzerhand zur Konkurrenz um die Ecke. Dort konnten wir tatsächlich in einem winzigen Büro, in das unsere Eltern uns sicher nicht gelassen hätten, hinter zugeklebtem Schaufenster eine Police abschließen, nachdem Chef selbst im Einfinger System unsere Daten eingegeben hatte. Einerseits beneiden wir ja die Südamerikaner um ihre entspannte Art zu arbeiten, andererseits treibt einen die Ineffizienz und Naivität auch mal schnell zur Weißglut. Am besten wäre das tägliche südamerikanische Arbeitspensum in europäischer Manier zu erledigen, dann könnten man leicht vor Mittag wieder im Bett liegen. Da Chile und Argentinien oft so europäisch wirken, nimmt man gerne leichthin an, das alles auch mit der europäischen Effizienz funktioniert. Das ist ein eklatanter Irrtum und man wird ganz schnell daran erinnert, dass man immer noch in Südamerika ist.
Hatte uns der nördliche Teil der Carretera Austral schon sehr gut gefallen konnte der südliche Abschnitt nochmal ordentlich eins drauf setzen und dazu noch mit sehr viel besserem Wetter glänzen. Ab Coyhaique änderte sich die Landschaft fast mit jeder Biegung. Auf zackige Felsformationen folgten bunte Mooslandschaften, abgestorbene Wälder und steile mit Wasserfällen gespickte Täler bis schließlich der Lago Carrera General als zweitgrößter See Südamerikas vor uns lag. Bei fast zwei Meter hohen Wellen schipperten wir in einem winzigen Boot über tiefblaues Wasser und durch bizarr ausgewaschene Felshöhlen bevor wir von Puerto Tranquilo die Umrundung angingen. Unsere Ausdauer auf der schlechtesten Piste wurde durch die landschaftlich schönste Strecke zwischen Schneebergen, Inseln und türkisem Wasser mit Blick auf das nordpatagonische Eisfeld mehr als belohnt. Den letzten Abschnitt der Carretera Austral bis Villa O Higgings verschmähten wir, da er leider für Fahrzeuge keinen Anschluss an Argentinien bietet und somit für uns eine Sackgasse gewesen wäre. Stattdessen entschieden wir uns für den Grenzübergang am Lago Carrera General und nahmen unser abendliches Zielbier am Seeufer in Chilechico ein.
Die erste Grenzüberquerung mit Auto klappte tadellos, nachdem sowohl die Chilenen, als auch die Argentinier endlich überzeugt waren, dass wir Besitzer des Fahrzeugs sind. Ein bisschen lästig sind die Lebensmittelkontrollen, da man auch mit viel Phantasie anhand der Aushänge nicht unbedingt versteht, was zugelassen ist und was nicht. So gibt man hier mal den Knoblauch und dort die Süßkartoffel ab und fragt sich ob die Zöllner vielleicht nach Nahrungsergänzung suchen. Kaum in Argentinien lässt man die Anden im Rückspiegel zurück und rollt in die weiten Ebenen Patagoniens voller Nichts hinein. Die Chilenen hatten uns schon vorher gesagt, dass es dort nichts gibt, aber wir wollten eben genau dieses Nichts sehen. Wie die Carretera Austral in Chile verläuft auch in Argentinien eine Schotterpiste entlang der Anden, die Ruta 40. Auf dieser machten wir uns auf den langen Weg in den Süden und fanden erstaunlich viele Farben in der Steppe und irre Wolkengebilde darüber. Dazwischen tauchten nun die wilden Guanacos, die größeren Brüder der Vicunas und somit auch Kleinkamele in großer Zahl auf und die ersten Strauße reckten ihre kahlen Hälse über die Zäune, die auf ewig den Weg an beiden Seiten säumen. Ein Abstecher führte uns in ein grünes Tal, den ein Fluss im Laufe der Zeit in die Ebene gegraben hat. Unter Überhängen der Felswände haben sich das erste Mal vor neuntausend Jahren die einstigen Besitzer verewigt indem sie ein Gemisch aus Mineralien und Speichel oder Blut durch einen Knochen über ihre Hand bliesen. Neben den vielen Händen finden sich vor allem Zeichnungen von Guanacos und man kann sich gut vorstellen, wie einst in dieser Wildnis kleine Gruppen von Jägern auf der Suche nach Beute umherzogen.
Wir hatten schon in Perito Moreno in Erfahrung gebracht, dass es in Bajo Caracoles wie von unserer Karte angezeigt eine Tankstelle gab, um die Durststrecke bis Tres Lagos zu überstehen. Das Problem dabei war aber, dass die Tankstelle leer und der Tankwart voll war. Ob wir es nicht noch die 350km nach Tres Lagos schaffen würden? Von zwei Bauern in einem rostigen Pickup erfuhr ich auf die Frage nach „Gasolina“, dass es 30km weiter in Rio Olnie ein Camp der Straßenbaufirma gebe, die Sprit hätten. Zuversichtlich, da sich hier oft Dinge fügen, die man zu Hause nicht erwarten würde sprachen wir dort beim Chef vor und er überließ uns gnädiger Weise zwanzig Liter „Gasoil“ mit denen wir es zur nächsten Tankstelle schaffen würden. Daß jedes südamerikanische Land sein eigenes Spanisch spricht, ist ja nicht neu und das chilenische „Gasolina“ ist nun mal kaum von einem genuschelten „Gasoil“ zu unterscheiden. Spätestens als ich noch übervorsichtig nach der Oktanzahl fragte, hätte einer der drei beteiligten Argentinier etwas merken sollen, anstatt den Daumen zu heben. Daß man uns gerade zwanzig Liter Diesel in unseren Benziner geschüttet hatte, merkten wir dann nach den ersten hundert Metern. SCHEISSE! Das hätten wir zu Hause auch nicht erwartet!
Natürlich gab es im Camp keinen Automechaniker und schließlich fanden wir auf der anderen Straßenseite ein von Truckfahrern besetztes „Hotel“, das dem Tittie Twister in nichts nachstand. In der ehemaligen Empfangshalle wurden ganze Bäume in einem alten Ölfass verbrannt, sodass man bei 40 Grad oben ohne um den improvisierten Ofen saß, Brot darauf backte und den obligatorischen Mate herum gehen ließ. Nachdem wir Blitz mit einem der Trucks auf den Hof geschleppt hatten, haben wir einen durchaus unterhaltsamen Abend mit den Jungs gehabt. Unser Glück im Unglück war, dass sie einerseits Schrauber vorm Herrn waren und andererseits am morgigen freien Sonntag im nächsten Kaff (sprich 150km weiter) einkaufen wollten. Irgendwie haben sie es dort geschafft das Geld, was wir Ihnen gegeben haben, nicht zu vertrinken und zu verhuren, sondern dafür Benzin, was in Argentinien übrigens „Nafta“ heißt, aus irgendeiner Hehlerei zu organisieren. Nach drei Stunden Frickelei war unser Tank gesäubert, die Leitungen durchgeblasen und Blitz wieder fit. Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen und als unsere Truckerfreunde daran gingen das Schaf zu killen, welches sie vom Restgeld gekauft hatten waren wir glücklich wieder auf dem Weg.
Wir waren froh in Tres Lagos nach hunderten Kilometern Schotter endlich wieder Asphalt unter die Räder zu bekommen und unbeschwert fuhren wir entlang des Lago Viedma auf die eindrucksvolle Kulisse des Fitz Roy Massivs zu. Wir haben uns in El Chalten im nördlichen Teil des Nationalparks Los Glaciares einige Tage aufgehalten und ein kleines Wanderparadies gefunden. Neben dem Bergensemble, das nach Darwins Kapitän benannt wurde, staunten wir über den Cerro Torre, der hinter einer Lagune in der kleine Eisberge schwimmen, wie ein Finger senkrecht in den Himmel ragt. El Calafate am Lago Argentino ist nicht mehr als der Zugang zum südlichen Teil des gleichen Nationalparks und damit zum Gletscher Perito Moreno. Nach einer weiteren Stunde Fahrt standen wir vor der kolossalen, fünf Kilometer breiten und sechzig Meter hohen Gletscherzunge, die sich unter lauten Krachen und Quietschen ganz langsam in den See schiebt. Der Perito Moreno gehört zu den wenigen Gletscher, die wachsen und alle paar Jahre schiebt er sich so weit vor, dass ein Teil des Lago Argentinos von ihm abgetrennt wird, bis der steigende Wasserpegel schließlich den Gletscher in einer gewaltigen Eisexplosion wieder weg sprengt. Das haben wir leider nicht gesehen, die Eiswand hat sich aber mittlerweile schon sehr nah an den Besucherbereich heran geschoben und wir konnten mit ansehen wie ein circa zwanzig mal dreißig Meter großer Eisberg abbrach und unter Ohren betäubendem Donner in den See stürzte. Nach deutschen Vorschriften wäre er mit mehr als 23m locker als Hochhaus durchgegangen!
Der lange Weg Richtung Süden führte uns schließlich zurück nach Chile und wieder über Schotter hinein in Südamerikas angeblich schönsten Nationalpark: Torres del Paine. 180.000 Hektar voller blauer Lagunen und karger Steppe in deren Zentrum sich die „blauen Türme“ wie Säulen über zweitausend Meter in die Höhe schieben. Wir sind mit Blitz durch den riesigen Park gefahren und so auch in abgelegenere Teile gekommen in denen zu unserer Überraschung eine erstaunlich Anzahl von Tieren unterwegs waren. Wir kamen uns wie auf einer Safari vor als riesige Herden von Guanacos um uns herum galoppierten, Gruppen von Straußen auf dem nächsten Hügel vorbei liefen hinter dem Flamingos in einem See standen und Fuchs und Kondor sich regelmäßig die Ehre gaben. Um bei unberechenbaren Wetter nicht zelten zu müssen sind wir den klassischen W-Trek in drei Tageswanderungen gelaufen und haben neben dem Mirador Las Torres und dem Grey Gletscher auch das Valle Frances mit seinem Rundum Blick erobert. Das schönste Panorama haben wir allerdings auf der Südseite des Lago Pehoe gefunden. Mit Sicherheit ein sehr schöner Park, wobei wir gerade vom Fitz Roy kommend den Hype nicht ganz nachvollziehen konnten und uns gar nicht vorstellen wollen, wie voll es zur Hochsaison wird, wenn schon Anfang November viel los war.
Puerto Natales, Zugang zum Park und Ziel der Fähren die von Puerto Montt durch die chilenischen Fjorde navigieren, besuchten wir nur um unserer Vorräte aufzufrischen und starteten dann durch nach Punta Arenas. Im 19. Jahrhundert als Stützpunkt und Strafkolonie gegründet entwickelte es sich dank der strategisch wichtigen Lage an der Magellanstraße schnell zu einer wichtigen Hafenstadt. Hier hielten auch Auswandererschiffe auf dem Weg nach Kalifornien und aufgrund des Schafbooms in Patagonien siedelten sich Auswanderer aus ganz Europa an. Wandert man durch das überschaubare Zentrum lassen sich noch deutsche, kroatische, englische und schweizerische Namen auf Schildern finden. Vereint sind sie alle auf dem wirklich schönen Friedhof, wo kleine Kathedralen über den Gräbern in der englischen Ecke stehen und Miniaturburgen über den Gräbern auf dem schottischen Gottesacker.
In Punta Arenas haben wir übrigens einen großartigen Elektriker gefunden. Als wir ihm sagten, wir wollten unsere Alarmanlage deaktivieren, rupfte er einen Kabelbaum unter dem Armaturenbrett hervor und ehe wir eingreifen konnten fing er an wahllos Kabel durch zu kneifen, um zu sehen, ob dies zum gewünschten Ziel führe. Tat es, allerdings erst spät. Die anderen Kabel wurden fachmännisch wieder zusammen gedreht und abgeklebt.
Am nächsten Tag rollten wir mal wieder auf eine Fähre und überquerten in zweieinhalb Stunden die Magellanstraße bevor wir endlich Fuß auf Tierra del Fuego, Feuerland, setzten. Zu dem Name ließ sich Magellan bei seiner Durchsegelung der Meerenge von den vielen kleinen Feuern der Ureinwohner am Ufer inspirieren. Für uns ist Feuerland das Land des blaueren Wassers, der grüneren Wiesen und der weißeren Wolken. Unser Weg führte uns über Porvenir entlang der Bahia Inutil, der Unnütz-Bucht, zwischen Wasser und Weiden nach Osten. Dank eines guten Tipps fanden wir südlich von Onaisin tatsächlich eine Kolonie von derzeit fünfundzwanzig Königspinguinen, denen wir gebannt zwei Stunden beim Sonnen, Kabbeln und Watscheln zusahen. Die nördliche Hälfte Feuerlands ist plan und karg und besteht im Wesentlichen aus Büschen und Schafen. Um auf die argentinische Südseite zu gelangen, verließen wir Chile für vorerst längere Zeit ein letztes Mal.
Für uns war die Reise von Nord nach Süd durch dieses nur 180km breite, dafür aber 4300km lange Land mit seiner Vielfalt von Wüste, Weinbauregionen, Seengebiet, Vulkanen, Chiloe, Carretera Austral, Patagonien und Feuerland unglaublich abwechslungsreich und ist für uns der Südamerika Landschaftstipp. Ist das noch nicht genug tragen die bescheidenen, sympathischen Chilenen mit ihrer Freundlichkeit und immer währenden Hilfsbereitschaft entscheidend dazu bei, ihr Land zu einem echten Highlight zu machen.
Auf der argentinischen Seite Feuerlands wurde die ewige Steppe plötzlich durch dichte Wälder und schneebedeckte Berge abgelöst über die schwarze Wolken prasselnden Regen ausschütteten. Als der Nebel sich endlich teilte sahen wir am Rande des Beagle-Kanals vor der Kulisse der Darwin Kordillere schließlich die weltweit südlichste Stadt Ushuaia vor uns liegen.
Wir hatten das Ende der Welt erreicht!

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05 November 2011

Wir sind jetzt auch zu dritt...

SchönheitsdoktorTag am MeerFrühstück zu dritt
Camping in PuconÜber den WolkenBlitz vorm Fitz (Roy Massiv)
...sein Name ist Blitz, er erblickte am 23.09.2011 um 14:00 nach langer Geburt das Licht der Südhalbkugel. Er wiegt schlanke 1200kg und ist 470cm groß. Gleich nach der Geburt mussten wir mit der Flex ein paar Anpassungen vornehmen, aber jetzt ist er perfekt. Er besitzt nun ein grosses Bett, eine Küche und eine Menge Stauraum. Den ersten Monat hat er prima durchgehalten und uns schon bis nach Punta Arenas gebracht. Wir hoffen weiterhin, dass er nicht zu anfällig für Kinderkrankheiten ist. Aber die Japaner halten ja einiges aus und Ersatzteillager gibt es genug. Weiterhin auf der Suche nach dem Ende der Welt geht es morgen weiter nach Feuerland.
SafariTorres del PaineAugen zu und durch!
Im Übrigen haben wir uns nun doch erst einmal gegen Afrika entschieden und werden Weihnachten wieder in der Heimat verbringen.

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27 September 2011

Bolivien: Coroico, La Paz, Chochabamba, Samaipata, Valle Grande, Villa Serrano, Sucre, Potosi, Uyuni

Mittach aus der Schubkarre
La Paz
La Paz bei Nacht
Altherrenclub in La Paz
Lammkeule
Suppenfrühstück auf dem Markt
Valle de la Luna
Valle de la Luna - Detail
La Paz Downtown
Bolivianische Strickereien
Schrumpflamas
Ärger?
Strassenstand in La Paz
Bananen heissen hier Platanos
Nickerchen
Splash!
Melonen
Hutmode von Europa für Bolivien
Die Königskordillere
Tiwanaku
Tiwanaku Headmuseum
Neues Kloster in altem Grundriss in Cochabamba
Jesus im Rock
Heute mal Täubchen
Strohhüte
Markt in Cliza
Portrait in Cliza
Unter Riesenfarnen
Einmal im Jahr gibt es neue Blätter
Mirador
El Fuerte
Bus auf Bolivianisch
El Comandante Che Guevara
Die drittletzte Ruhestätte
Wen Ihr die Freiheit töten wollt
Tag des Fussgängers
Spinnen
Tempel in Sucre
Sucre
Die fällige Parade
Auch in Bolivien gibt es Handys
Korblawine in Sucre
Markt in Sucre
Kai und Kürbis
Wackelpeter?
Oder lieber eine Torte?
Potosi vor dem Cerro Rico
Altstadt von Potosi
Zwischen Potosi und Uyuni
Mag man lange Busfahrten nicht, so sollte man nicht nach Bolivien reisen. Soviel können wir sagen. Nachdem wir die Anfangshürde des ersten Streiks in Chive ja mit nur fünf Stunden Wartezeit gut genommen hatten und die zehn und zwölf Stunden nach Riberalta und Cobija ohne größere Zwischenfälle verlaufen waren, sollte es uns auf dem Weg von Rurrenabaque nach Coroico um so schlimmer treffen. Das Drama begann damit, dass für die Distanz von circa 320 km planmäßig schon 18 Stunden veranschlagt wurden (rechne, rechne.. 18 km pro Stunde??? Unmöglich?? Abwarten!). Normalerweise machen wir keine Nachtfahrten, da wir wir keinen Zeitdruck haben und gerne die Landschaft sehen möchten, durch die wir fahren. Nebenbei minimiert man dabei auch das Überfall- sowie das Einschlafrisiko des Fahrers. Mit 18 Stunden ist aber die kritische Masse erreicht, die eine ausschließliche Tagfahrt unmöglich macht. Also entschieden wir uns für den Bus um zehn Uhr Abends, der folglich gegen vier Uhr Nachmittags am nächsten Tag in Coroico ankommen sollte. Die Mädels am Busterminal, welches nur aus ein paar Holzhütten besteht, versicherten uns beim Kauf der Tickets mehrfach, dass ausreichend Plätze vorhanden seien und wir auf jeden Fall nebeneinander sitzen könnten.
Für den ungeübten Südamerika- und auch Asienreisenden sei hier darauf hingewiesen, dass Dienstleister einem im Sinne eines winkenden Verkaufs alles erzählen werden, was man hören will. Dabei gibt es auch so lustige Situation wie: Nadja fragt auf Grund ihrer Laktoseintoleranz, ob die Suppe mit Milch oder Sahne sei, worauf sie prompt die Antwort bekommt: Natürlich! Nachdem sie dann erwidert, sie könne aber keine Milch konsumieren, ist die Suppe auf einmal frei von allem, was jemals eine Kuh zu Gesicht bekommen hat. Besonders nervig muss dass für die Vegetarier sein, die regelmäßig trotz Nachfragen fleischhaltige, „vegetarische“ Gerichte vorgesetzt bekommen. Wir haben nicht wenige getroffen, die durch das längere Reisen zwangsläufig wieder wenigstens zu gelegentlichen Carnivoren geworden sind.
Nachdem wir also den Abend damit verbracht hatten, uns in der „Hora Feliz“ (Happy Hour) der Moskito Bar möglichst viele Cocktails hinter zu helfen, um ein Schlafen im Bus zu begünstigen und wir die ersten zwei Stunden jedoch vergeblich auf diesen gewartet hatten, waren dann folgerichtig viel zu wenig freie Plätze im Bus von Cobija nach La Paz vorhanden, geschweige denn in gegenseitiger Nähe. Am Ende des Gerangels und Gekreisches hatten wir zumindest zwei Sitze, wenn auch getrennt, während einige andere trotz Tickets wieder aussteigen mussten. Die Gesamtfahrzeit von Cobija nach La Paz beträgt 48h und der Großteil der Fahrgäste saß nun schon 24h im Bus. Wenn man weiß, dass eine Horde bolivianischer Bauern nur zwei oder drei Stunden braucht, um einen Bus völlig zu ruinieren, die Luft mit Viren zu verseuchen, den Boden flächendeckend mit Essensresten zu belegen und sich das Gehirn durch die Nase auszuschneutzen, um es an die Gardinen zu schmieren, mag man sich kaum vorstellen wie dieser nach einem vollen Tag ausgesehen hat. Unnötig zu sagen, dass das Klo wie üblich verschlossen war. Nadja spricht hier immer von Menschen unwürdigen Zuständen. Aber wir sind ja selbst Schuld. Niemand zwingt uns dazu uns den kulturellen Errungenschaften fremder Völker auszusetzen. Die lässt das nämlich völlig kalt, statt dessen wird lauthals bis in die tiefe Nacht über die besten Arten Pollo zuzubereiten diskutiert. Das Ergebnis war übrigens erstaunlicherweise nicht frittieren, sondern über dem Holzfeuer drehen.
Nachdem wir die Nacht mehr schlecht als recht überstanden hatten und uns ein Desayuno completo (Instantkaffee, Reis, Fleisch und Kochbanane) beim ersten kurzen Stop erkämpft hatten, konnten wir durch die beschlagenen Scheiben erahnen, wie wir uns über die nach wie vor geschotterte Fahrbahn an den steilen Hängen der Yungas hoch mühten. Die Yungas sind der Übergang vom Amazonas Tiefland zu den Anden Kordilleren und erstrecken sich über viele verschiedene Mikroklimas und eine besondere Artenvielfalt zwischen 1000m und 3000m Höhe. Die steilen Hänge sind dabei dicht bewaldet und beherbergen ein dünnes Netz extrem gefährlicher Pisten, die ohne Sicherungsmaßnahmen in fast senkrechte Hänge gegraben sind. So reicht oft ein heftiger Regen, um bestenfalls einen Teil des Berges auf die Straße oder schlechtestenfalls einen Teil der Straße ins Tal rutschen zu lassen. Uns betraf zum Glück nur ersteres, dafür gleich mehrfach. Im Verlauf des Tages standen wir nun viermal statt vor einer Straßenblockade vor Baustellen, um dort je nach Gusto der „Hombres Trabajando“ eine halbe oder zwei Stunden zu warten. Der gewitzte Bolivianer macht dabei schnell die Not zur Tugend und so wurden wir während der Zwangspausen von emsigen Frauen mit Schubkarren umschwärmt, aus denen Füllhornmäßig alles vom Maisgetränk bis zum gebratenen Fisch verkauft wurde. Nur das Bier, was wir uns mittlerweile innig wünschten gab es nicht. So schauten wir eben zur Abwechselung zu, wie unsere Mitreisenden ihren Plastikmüll anstatt aus dem Fenster des fahrenden Busses direkt in die einzigartige Wildnis um uns herum warfen. Im Dunkeln erreichten wir endlich Yolosa, wo die Asphaltstraße (!) nach La Paz beginnt und damit den Abzweig nach Coroico. Alle Busse halten hier nochmal vor dem Endspurt über das steilste Stück und so umgab uns der aus Peru altbekannte, strenge Uringeruch beim Warten auf einen Anschluss. Zwanzig Minuten später, nach einer halsbrecherischen Fahrt durch die in Dunkelheit getauchten Berge, auf der Ladefläche eines Pickups erreichten wir endlich nach fast 24h erschöpft unser Ziel (mit durchschnittlichen 13,3 km pro Stunde und in einer Zeitspanne, die einen Flug von Frankfurt über Madrid nach La Paz deutlich übersteigt). Außer von der schönen Lage auf einem Bergrücken und einer Wanderung durch die umliegenden Kokafelder samt Plausch mit deren Bestellern bleibt aus Coroico eigentlich nur vom hervorragenden deutschen Sauerbraten mit Spätzle zu berichten, mit dem wir uns von den Strapazen kuriert haben. Die knapp drei Stunden bis La Paz legten wir zwei Tage später mit einem komfortablen Colectivo über unseren ersten Asphalt in Bolivien und durch eine eindrucksvolle Andenkulisse zurück.
Fährt man oben auf dem Altiplano in den Canyon hinein, der von La Paz ausgefüllt wird, bekommt man den Eindruck, als hätte der liebe Gott anderthalb Millionen Häuschen aus einem Würfelbecher hinein geschüttet. Soweit das Auge reicht klammern sich Hütten und Schuppen an die Berghänge, wälzen sich Betonklötze ins Tal und behaupten sich die Hochhäuser im Zentrum der Bauwerke, die gegen ihre Fundamente prallen. Schön ist sie nicht, die Stadt des Friedens, aber taucht man einmal in ihre Eingeweide ab, gibt es an jeder Straßenecke etwas zu entdecken, probieren oder fotografieren. Besonders befremdend sind die ganzen Herden getrockneter Lamaföten und -babys, die uns an den Ecken des Hexenmarktes anstarrten. Die Bolivianer vergraben sie für das große Glück im Garten. Das Straßenbild wird von den bolivianischen Indigenen dominiert, die 80% der Bevölkerung ausmachen, das ist südamerikanischer Rekord. Vor allem die Frauen mit den Schürzen über den dicken Bäuchen und den bunten Tüchern um die Schulter, in denen entweder Waren zum verhökern von der Tonnage ein oder zweier Zementsäcke stecken, oder ein Kleinkind, dem fortwährend über die Schulter Suppe oder Coca Cola in den Mund eingeflößt wird. Die Trachten sind übrigens angeblich den Kleidern der reichen Spanierinnen des 17ten Jahrhunderts nachempfunden. Und als ein cleverer europäischer Hutfabrikant an diesen mit seinen Melonen scheiterte, verkaufte er sie kurzerhand an die einfache Bolivianerin mit dem Vorwand, dass alle Frauen in Europa diese tragen würden. Zumindest in Bolivien sind sie auch heute noch der letzte Schrei.
Instinktiv haben wir gleich am ersten Abend einen Altherrenclub, versteckt in einem schönen kolonialen Haus gefunden, wo die Karte ausschließlich aus Alkohol und Lammgerichten bestand. Nach dem besten, größten und günstigsten Lamm kehrten wir in den Tagen unseres La Paz Zwangsaufenthalts noch mehrmals zurück, um zu essen, zu trinken und uns mit den würfelnden und Anzug tragenden Großvätern anzufreunden, bei denen die ersten Touristen in ihrem Stammlokal umfangreiches Interesse, sei es nur zum Anstoßen, weckten.
Warum Zwangsaufenthalt? Dafür gab es mehrere Gründe: Leider hatte Nadja mit den verschiedensten gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Nachdem wir schon fast sicher waren, die Andenländer ohne größeren Zwischenfall durchreisen zu können, schlug auch noch der Kleinkriminelle zu. Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle ließen wir an Nadjas Geburtstag zum ersten Mal seit langem alle unsere Wertgegenstände im Hotelzimmer liegen. Genau an diesem Tag in einem Zeitfenster von zwei Stunden wurden in unserer Unterkunft von einem anderen Gast mehrere Zimmer aufgebrochen und ausgeräumt. Das hat uns das Laptop und beide Kameras gekostet und gesund gemacht hat es Nadja natürlich auch nicht. Irgendwie erinnerte es uns an ein Wochenende vor einigen Jahren, an dem wir auf dem Weg nach Holland in meiner fünfzehn jährigen Autofahrkarriere zum ersten Mal abgeschleppt werden mußten und der zweite Anlauf mit einem zweiten Auto wieder nicht klappte und wir wieder zurück nach Deutschland abgeschleppt wurden. Kurzum: die Moral war am Boden und zum ersten Mal auf dieser Reise kamen Gedanken an den Abbruch auf. Glücklicherweise beschränkte sich der ideelle Verlust Dank unserer Sicherheitskopien nur auf einen Teil der Fotos seit Cusco und einige Einträge in unserem Tagebuch während der finanzielle Verlust Dank unserer Versicherungspolice eingeschränkt war. Während der Neubeschaffung lernten wir dann einen Menge dunkler Ecken von La Paz kennen, konnten aber schließlich Computer und Kameras ersetzen. Dass der Diebstahl in La Paz geschah, ist dabei fast Glück im Unglück, da dort wenigstens alles nur eine Preisfrage ist. Nadjas Kamera, die in Guatemala zielsicher in die einzige Pfütze weit und breit fiel konnten wir zum Beispiel erst in Panama City ersetzen konnten, da nur niedrige Qualität zu hohen Preisen zu bekommen war. Auch wenn wir so nicht mehr ganz unbeschadet in Südamerika sind, sind wir nicht mit Messer oder Pistole überfallen, nicht mit dem Taxi entführt worden und nicht mit dem Bus in eine Schlucht gestürzt. Also alles halb so wild.
Die Zeit der Genesung nutzten wir soweit es ging, etwas von der Umgebung kennenzulernen. Während Nadja noch im Bett lag, ließ ich mich mit einer Gruppe Fahrradfahrer auf den 4800m hohen Pass bei La Cumbre hochfahren, um dann auf der anderen Seite die 3000 Höhenmeter über die alte Straße nach Coroico wieder hinunter zu fahren. Der Titel „the world's most dangerous road“ rührt dabei noch aus den Zeiten vor der neuen Straße, als sämtlicher Verkehr zwischen La Paz und dem Dschungel sich über diese gerade mal drei Meter breite Piste entlang senkrechter Felswände wälzte und mit erschreckender Regelmäßigkeit LKWs oder vollbesetzte Busse im Abgrund verschwanden. Heute wird die Route fast ausschließlich von Fahrradfahrer als Downhillstrecke genutzt, ist landschaftlich ein Traum und bei verantwortungsvollem Fahren ungefährlich. Wer sich jedoch überschätzt, nicht schwindelfrei ist, oder an einer ungünstigen Kurve mit zu viel Geschwindigkeit einem der wenigen Fahrzeuge begegnet, die diesen Weg noch fahren, der kann schon mal über die ungesicherte Absturzkante hinaus und dann im freien Fall mehr als hundert Meter in die Tiefe stürzen.
Die größte Gefahr auf der ersten Stadtrundfahrt unserer Reise erwartete uns in Form der durchhängenden Stromleitungen über den Straßen La Paz, die den unaufmerksamen Fotografen im offenen Doppeldecker mal schnell elektrisieren oder von den Beinen reißen können. Vom Hocker gerissen wiederum hat uns stattdessen das Valle de la Luna, bizarre Sandsteinformationen, durch Erosion entstanden, konzentriert im Süden der Stadt, aber auch überall an der Peripherie zu finden. Bei der schlechten Audioshow im Bus haben wir zumindest erfahren, dass in zweihundert Jahren in Bolivien insgesamt 87 Präsidenten am Werke waren, die sich zum überwiegenden Teil an die Macht geputscht haben. Die kürzeste Amtszeit betrug dabei sechs Stunden und einmal waren drei Präsidenten gleichzeitig im Amt. Kein Wunder, dass es das Land bisher nicht weit gebracht hat und das ärmste in Südamerika ist, obwohl es über beträchtliche Bodenschätze verfügt. Bevor wir La Paz schließlich doch noch verließen, statteten wir der archäologischen Stätte Tiwanaku, nahe dem bolivianischen Teils des Titicacasees einen Besuch ab. Der beeindruckendste Teil war dabei wohl die Fahrt im Colectivo über das Altiplano vorbei an der Cordillera Real, der schneebedeckten Königskordillere. Die präkolumbianische Anlage besteht aus mehreren Plattformen und Pyramiden und weiß vor allem mit ihren großen Statuen und Steinköpfen zu fesseln.
Uyuni
Skalpiert in Uyuni
Endzeitstimmung
Vamos a Chile!
Vicunas
Salzabraum
Salar de Uyuni
Isla Incahuasi
Salz
Mehr Salz
Lieber bestohlen werden!
Lamas...
...sind auch nur Menschen
Bonnie und Clyde
Samba uf dem Vulkan
Bolivien unplugged!
Schneeberge
Die erste Lagune
Flamingos am Horizont
Sprachlos!
Vulkane wohin das Auge blickt
Steinmännchen
Eis und Fels
Steinbaum
Laguna colorada
Flamingos
Nur Gras
Geysire
Morgens auf 4900m
Heiss!
Scheisskalt!
Road to nowhere
Heisse Quellen
Dali?
Farben
Eines Tages wird das alles uns gehören
Bolivianisch Chilenische Grenze
Unser letzter bolivianischer Bus
Da uns unserer Gastmutter beim Einchecken nach unserer Andean Immigration Card gefragt hat, die wir bei der dubiosen Einreise in Puerto Heath offensichtlich nicht bekommen hatten, entschlossen wir uns am letzten Tag vor unserer Abreise aus La Paz doch noch dazu die Migracion aufzusuchen. Dort machte man erst einmal ein großes Spiel darum, warum wir nicht sofort gekommen seien. Dann wollte man Geld von uns sehen. Wir haben uns stur gestellt und da wir keine günstige Gelegenheit zum Abhauen gefunden haben, ließen wir uns eben zum Vorgesetzten durchreichen. Kurz danach hatten wir einen druckfrischen Einreisestempel, nebst zugehöriger Karte im Pass und durften ohne Strafe unseres Weges ziehen. Dass der Aufwand sich gelohnt hat erfuhren wir später von Nick und Alayna, die mit uns von Peru durch den Dschungel gekommen waren. Sie hatten bei der Ausreise von Bolivien nach Argentinien einen Riesenärger und mussten schließlich jeder fünfzig Dollar Bußgeld berappen.
Dass die Busfahrten in Bolivien ein Dauerbrenner waren, wisst Ihr ja schon. Als wir bei Abreise aus La Paz morgens am Terminal in einen Bus nach Cochabamba steigen wollten, erfuhren wir, dass an diesem Tag ein Autorennen stattfand und zwar auf der öffentlichen Straße, die somit bis vier Uhr nachmittags gesperrt war. Entsprechend langweilten wir uns ein paar Stunden, um dann auch noch im Dunkeln an unserem Ziel vor einem bereits geschlossenen Busbahnhof auf die Straße gekehrt zu werden, das Gespräch der beiden Bolivianer hinter uns, dass nächtliches Taxifahren ja so gefährlich sei, noch im Ohr. Da hilft nur, sich auf seine Menschenkenntnis zu verlassen und den ältesten Fahrer zu wählen. Der war glücklicherweise harmlos und ganz eifrig dabei, sein gesammeltes Wissen über Deutschland, was vor allem das Oktoberfest betraf, an den Mann bringen zu können. Fragt man die Bolivianer nach Cochabamba, ist es für sie die Stadt mit besonders gutem Essen. Seltsamerweise fanden wir aber nur die üblichen uniformen Menüs vor und als wir ganz schön heftig mit Rinderzunge und Kaninchen in scharfer Soße vollgestopft waren, dämmerte uns, dass man hier mit gut eigentlich viel meinte. Lohnenswert fanden wir den Besuch im Kloster Santa Teresa, dass ähnlich einer Miniaturausgabe der Anlage in Arequipa 1640 gegründet wurde und erst zum Teil seit 2005 für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Wie in Lateinamerika üblich erlag die erste Kirche einem Erdbeben. Wäre man bei Vollendung der folgenden neuen Außenmauern, die im Grundriss eine Blüte beschreiben, technisch in der Lage gewesen diese auch zu überwölben und hätte man man dem geplanten Zentralbau stattdessen nicht einfach ein konventionelles Längsschiff eingeschrieben, würde diese Kathedrale heute zweifelsohne zu den eindrucksvollsten Südamerikas gehören. Innenausstattung und viele der Möbel sind seit der Gründung unverändert in Gebrauch. Zu den Besonderheiten gehören die Bilder, die von europäisch geschulten Indigenen angefertigt wurde, leicht daran zu erkennen, dass lokale Motive in die religiösen Gemälde einflossen. So trägt der Jesus am Kreuz eben auch mal einen Rock.
Auf dem Sonntagsmarkt im nahen Cliza fanden wir die größten Kürbisse, die meisten Kartoffelsorten und den besten Orangensaft der Reise, bevor wir weiter nach Samaipata fuhren. Diesmal sollte die Busfahrt acht Stunden über die alte Straße Richtung Santa Cruz führen. Daraus wurden schließlich zwölf Stunden über eine steinige Trasse. Wünscht man sich ohnehin schon, dass die blutjungen Mütter ihren Kindern etwas mehr Aufmerksamkeit schenken würden, anstatt sich fortwährend mit ihren Handys zu beschäftigen, verflucht man sie, wenn die gelangweilten Kids dann den anderen Fahrgästen zum Zeitvertreib auf der Nase herum tanzen. Das kleine Dörfchen Samaipata besteht etwa zur Hälfte aus Ausländern, die alle eine Unterkunft, ein Restaurant oder ein Reisebüro betreiben. Zwei Gehstunden entfernt liegt El Fuerte, eine präkolumbianische Festung und später der östlichste Inkaposten erhaben auf einem Bergrücken. Spannender fanden wir unsere Wanderung mit einem Biologen durch einen der letzten Nebelwälder Südamerikas. Wir ließen uns erklären, dass sich die Anden aus dem Meer hoben, als sich die Nascaplatte unter die Südamerikanische schob. So entstanden im Westen der Titicacasee und im Osten die steilen Berghänge, die nun zu hoch für die großen Pflanzenfresser der Zeit waren, die ins Amazonasgebiet abwanderten. Seiner natürlichen Feinde beraubt, sind Teile dieser prähistorischen Wälder bis heute erhalten. Und so ließen wir uns staunend die ältesten Pflanzen der Erde zeigen, spürten Andentukanen nach und konnten kaum glauben, dass die Riesenfarne über tausend Jahre alt sein sollten.
Da wir die Buslektion immer noch nicht gelernt hatten, überlegten wir, dass es eine gute Idee sei auf unkonventionellen Weg nach Sucre zu reisen (Merke: ist es nicht!). Wir legten also zunächst ein paar Stunden Holperei nach Valle Grande zurück. Hier wurde Che Guevara nach seiner Hinrichtung durch das bolivianische Militär im Jahr 1967 der Öffentlichkeit zur Schau gestellt. Die Waschtische auf denen er aufgebahrt wurde sind heute noch zu sehen und das kleine Häuschen ist inzwischen zu einem Wallfahrtsort geworden. Irgendwie brachten wir dann in Erfahrung, dass es tatsächlich einen Bus durch die Berge Richtung Sucre gab auf den wir an der Tankstelle außerhalb des Ortes warten sollten. Leider war der voll, aber da der Busfahrer meinte, im nächsten Ort würden viele aussteigen, fuhren wir trotzdem mit. Es stieg natürlich niemand aus und letztlich verbrachten wir die nächsten sieben Stunden auf steiler, extrem kurviger und geschotterter Bergstraße im Stehen. Völlig erschöpft übernachteten wir in Villa Serrano, um am nächsten Tag weiter zum Sonntagsmarkt nach Tarabuco und schließlich nach Sucre zu fahren. Am frühen Morgen teilte man uns dann mit, dass Tag des Fußgängers sei und bis Mittag keine Busse und auch sonst keine Fahrzeuge fahren würden. Ernsthaft: Tag des Fußgängers? In Bolivien? Wir haben es mit tricksen und bestechen versucht. Nichts zu machen. Lediglich die Polizei drehte ihre Runden, um das Fahrverbot durchzusetzen. Somit ging der Sonntagsmarkt ohne uns vorüber und als wir am Nachmittag endlich einen Bus fanden hielt dieser auf dem Weg nach Sucre noch zweimal wegen Straßenblockaden.
Sucre ist offiziell Hauptstadt Boliviens. Außer dem obersten Gerichtshof befinden sich aber alle Regierungseinrichtungen in La Paz. Dafür erhält Sucre von den Bolivianer das Prädikat der schönsten Stadt mit ihren zahlreichen weißen Kolonialgebäuden und dem milden Klima auf für die bolivianische Verhältnisse gemäßigten knapp 3000 Höhenmetern. Wie schon üblich koinzidierte unsere Ankunft in einer größeren südamerikanischen Stadt mal wieder mit einer Parade, diesmal zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe. Zur Vorbereitung auf die Bergbaustadt Potosi, unser nächstes Ziel, sahen wir uns den Film „Devil's Miner“ an. Am Beispiel eines vierzehn jährigen Jungen wird gezeigt unter welchen Bedingungen im Cerro Rico, dem „reichen Berg“, der die Stadt überragt, seit über 400 Jahren in mehr als 500 Minen vor allem Silber abgebaut wird. Angeblich ließen unter spanischer Zwangsarbeit acht Millionen Indigene ihr Leben in den Minen und auch jetzt beträgt die durchschnittliche verbleibende Lebenserwartung bei Arbeitsbeginn nur zehn Jahre. Da die Macht des katholischen Gottes, den die Arbeiter an der Oberfläche anbeten, nicht in die Tiefe des Berges reicht, opfern sie unter Tage zu ihrem Schutz dem Teufel Alkohol, Zigaretten und Cocablätter. Dessen Name lautet hier „Tio“, dem spanischen Wort „Dios“ für Gott und dem Mangel des Buchstaben D im Aymara Alphabet geschuldet. Zur Blütezeit war Potosi die reichste Stadt weltweit und mit den vielen erhaltenen Villen und Handelshäusern ist dessen Innenstadt heute wie auch Sucres Weltkulturerbe. Nebenbei ist Potosi auf 4070m die höchstgelegene und vermutlich auch kälteste Stadt der Welt. Zum Glück hatten wir hier das erste Mal auf unserer Reise ein beheiztes Zimmer!
Die schließlich letzte Busfahrt in Bolivien sollte uns nach Uyuni bringen und wie um uns zur Rückkehr aufzufordern verlief diesmal alles reibungslos und wir erreichten sogar in weniger als den angegebenen sechs Stunden den Außenposten am Rand der größten Salzwüste der Welt. Uyuni ist kalt, grell und trostlos. Nachdem wir einen Jeep für eine Tour durch die Salar de Uyuni und den Nationalpark Eduardo Avaroa gefunden hatten, der uns nach drei Tagen an der Grenze zu Chile absetzen würde, verkrochen wir uns unter einem Berg Decken, um den Morgen abzuwarten. War Uyuni deprimierend ging es mit Endzeitstimmung auf dem Zugfriedhof gleich außerhalb weiter. Nach den Kakteen bestandenen Inseln, in der surrealen weißen Ebene, die die Salzwüste ist, ging es in den nächsten Tagen vorbei an bizarren Felsformationen, rauchenden Kratern, irre gefärbten Lagunen, hunderten von Flamingos, haushohen Geysiren und vielen schneebedeckten Vulkanen. Für uns war Bolivien ein weniger entwickeltes Peru, dass dadurch durchaus seinen eigenen Reiz hat, für uns aber auch anstrengend und ohne richtige Highlights war. Die Expedition durch die extraterrestrisch anmutenden Landschaften im Südwestzipfel des Landes gehört aber zweifelsohne zu den Höhepunkten unserer Reise und lässt sich ohne viele Worte am besten an den Bildern nachvollziehen.

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08 September 2011

Dschungelspezial: Von Peru durch das Amazonasgebiet nach Bolivien: Puerto Maldonado, Chive, Cobija, Riberalta, Rurrenabaque

Am Sandoval SeePalmen im Sandoval SeeEine Bootsfahrt...
RiesenstinkvogelSchildkröte und Schmetterling in SymbioseWir werden beobachtet
Viele Gründe sprachen für die Route, die wir uns von Peru nach Bolivien überlegt hatten. Zum einen waren wir neugierig auf eine neue uns noch unbekannte Vegetations- und Klimazone und ihren Artenreichtum, weiterhin hatten wir die letzten Wochen und Monate genug Kälte erfahren und gierten nun nach Schweiss auf unserer Haut, welche wir vor lauter Winterkleidung schon ewig nicht mehr zu Gesicht bekommen hatten. Zum anderen verspürten wir große Lust uns nicht einfach in den Bus über Puno nach La Paz/Bolivien zu setzen sondern wollten ein kleines Abenteuer erleben und unbekannte Wege gehen. Mit diesen Argumenten konnten wir auch schnell Nick und Alayna aus Kalifornien, die wir schon zweimal in Kolumbien und dann in Lima wieder getroffen hatten, überzeugen und so machten wir uns zu viert auf ins Abenteuer Richtung Amazonas-Dschungel. Obwohl wir keine Freunde von Nachtfahrten sind, da wir normalerweise genügend Zeit haben tagsüber zu fahren und damit auch die Landschaft mehr genießen können, so vergingen die zwölf Stunden von Cusco nach Puerto Maldonado im Halbliegesessel doch relativ schnell, was vielleicht auch an der Flasche Flor de Cana gelegen haben könnte, die wir zu viert relativ schnell geleert hatten.
Die letzen RiesenotterEin nächtlicher GastNoch ein Beobachter
Schwarzer KaimanWir machen keine Gefangenen!Abendstimmung am See
War sie hilfreich für das Einschlafen dann war sie aber vielleicht auch daran Schuld, dass uns dieser kleine verlorene Ort im Niemandsland auf den ersten Anblick überhaupt nicht sympathisch war und wir ein wenig Anlaufschwierigkeiten hatten. Nach einem guten Essen, frischem Saft und dem ersten Rundgang über die meist unasphaltierten, roten staubigen Straßen vorbei an vielen bunten Holzhäusern mit nach oben geklappten Schaufensterläden, die fast karibisches Flair versprühen, Wellblechhütten, einem kleinen Markt, auf dem die Verkäufer vor Hitze neben den abgehängten Tieren ganz in Asienmanier schlafen, vorbei an Grillständen und den vielen hupenden Mopeds und Tuk Tuks, die uns ebenso sehr an Asien erinnerten, fühlten wir uns auf einmal doch ziemlich wohl. Puerto Maldonado hat keine besonderen Sehenswürdigkeiten, bietet aber in der Umgebung viele Urwaldlodges im Naturschutzgebiet. Den Versuch, ohne eine Tour dorthin zu gelangen, gaben wir nach einem Tag jedoch auf. Alle Lodges nehmen ausschließlich geführte Gruppen an und so bildeten wir eben zu viert eine Gruppe, suchten uns einen Guide und ließen uns auf dem Rio Madre de Dios zu einer Lodge schippern, die am Sandoval See liegt. Hier verbrachten wir eine äußerst spannende Zeit und konnten nicht nur unterschiedliche Affenarten, Vögel, Schildkröten, Papageien, Kaimane, Insekten und Riesenotter bestaunen, sondern bekamen auch noch Nachhilfe in Pflanzenkunde und wußten danach, welches Gegengift oder welches Repellent aus welcher Pflanze gewonnen wird, um im Urwald überleben zu können. Steht man einmal mittendrin und sieht und hört die unzähligen Tiere um einen herum, ist es fast unmöglich sich vorzustellen, dass dieses Gebiet sich quer über den südamerikanischen Kontinent erstreckt wenn schon nur dieser kleine Fleck wie ein großer bunter Zoo erscheint. Nach drei Tagen Urwald kamen wir dann mehr oder weniger heil wieder in Puerto Maldonado an. Unsere Entscheidung in die billigere Lodge zu gehen rächte sich mit einem etwas größeren Hungergefühl und hunderten von Bedbugbissen, die bekanntlich leider lange währen.
Tarzan und JaneDschungelsurfenZweisamWilde Zaungäste
Wild auf Tabasco ChipsDusche als DurstlöscherLucho der Spidermonkey
Zurück in der Zivilisation mußte nun endlich der Transport nach Bolivien organisiert werden. Da die Straße von hier aus nur nach Brasilien führt, liefen wir nun von einer Bootsanlegestelle zur nächsten, um jemanden zu finden, der demnächst nach Bolivien schippert. Nach weiteren drei Tagen kannten wir sämtliche Hafenarbeiter oder Telefonnummern von Leuten, die regelmäßig über die Grenze verkehren, doch aufgrund des bevorstehenden Unabhängigkeitstages von Peru und des damit verbundenen großen Festes wollte sich niemand transportfähig zeigen. Mit Freddie Torres, der für seine Geschäfte regelmäßig nach Boliven fährt, da die eigene Polleria im Ort offensichtlich mehr den familieneigenen Bäuchen dient, als für den Lebensunterhalt zu sorgen, fanden wir dann doch noch jemanden, der mit Frau und drei Kindern zwei Tagen später nach El Sena schippern wollte, was insgesamt drei Tage dauern sollte.
Da wir weder Zelte, noch Moskitonetze oder Schlafsaecke hatten um am Ufer zu schlafen, entschieden wir uns lediglich bis nach Chive kurz nach der bolivianischen Grenze mitzufahren, um von dort mit Bussen weiterzureisen. Wir wunderten uns noch, dass er tatsächlich am Feiertag fahren will, aber ein guter Geschäftsmann scheint nie zu schlafen und zu feiern. Morgens gleich wollte er mit uns zur Immigration, um uns auszustempeln und dann sollte es losgehen. Mit diesen Worten im Ohr und glücklich darüber, ein Boot gefunden zu haben, suchten wir noch die Anaconda-Lodge, die ein wenig außerhalb des Ortes liegt, auf, um uns vom Schweizer Donald und seiner thailändischen Frau Wadee mit Thai-Essen wie Papayasalat und Curry verwöhnen zu lassen und uns mit den vielen Affen, die mittlerweile auf ihrem großen palmenbewachsenen Grundstück leben, anzufreunden. Es scheint wohl üblich zu sein im Amazonas Affen als Nahrungsergänzung zu schiessen und die verwaisten Jungen zurück zu lassen. Einmal einen jungen Affen aufgenommen, kommen nun öfter Leute vorbei, um Jungtiere zur Aufzucht zu bringen.
Bob der BrüllaffeMartina die KapuzineräffinMartina mag es gemütlich
Puerto MaldonadoWarten auf FreddieWeiter warten
Abends mit Bergen von Pad Thai und thailändischen Gesang und am Morgen danach mit einer Tom Khaa Suppe von Wadee verwöhnt fuhren wir dann voller Vorfreude auf Bolivien zu Freddie, wo uns niemand die Tür öffnete obwohl wir für zehn Uhr verabredet waren. Ziemlich verärgert darüber, liefen wir den Nachbarn in die Arme, die uns in ihrer Feierlaune mit Bier milde zu stimmen versuchten und ihn anriefen. Freddies Ausrede war, dass die Immigration geschlossen sei (welch Überraschung am Feiertag!) und wir nun nicht fahren könnten. Die Abfahrt wurde nun auf den nächsten Tag verschoben. Immer noch verärgert über die Art und Weise liefen wir zur Immigration, um sicher zu gehen, dass sie am Samstag Morgen geöffnet hat. Da wir mittlerweile von den Einheimischen das Dreist Sein abgekupfert haben, rüttelten wir so lange am Tor und riefen lauthals, bis tatsächlich jemand erschien und uns in Aussicht stellte, in einer Stunde den Ausreisestempel in unsere Pässe zu drücken. So geht das also. Leider wollte man uns den Ausreisestempel eine Stunde später dann doch noch nicht gleich geben, denn wir solten vorher zur Polizei, um die Touristenkarte abstempeln zu lassen. Dort saß ein dicker Polizist faul hinter seinem Schreibtisch auf dem ein Schreibblock und mehr als 30 Stempel lagen. Nach Vortragen unseres Anliegens verwies er mit seinem speckigen Zeigefinger nur auf den Kalender, der über ihm hing und meinte, dass der Tag heute rot eingetragen wäre als Feiertag. Uns war sofort klar, was das bedeutete: er wollte Schmiergeld sehen. Nun waren wir schon so weit gekommen, also kratzten wir die letzten Soles zusammen, bekamen den Stempel auf die Touristenkarte und damit auch unseren Ausreisestempel bei der Immigration. Jetzt war es 13 Uhr und Freddie lächelte uns glücklich an, dass ja nun alles vorbereitet sei und wir aber heute nicht mehr fahren könnten, da es dafür schon zu spät wäre. Gleich morgen gegen vier Uhr wollte er nun aufbrechen. Mittelmässig niedergeschlagen verbrachten wir den Tag wieder mit Abwarten und Bier trinken. Der abendliche Sicherheitsanruf Nummer eins bei Freddie ergab eine neue Abfahrtzeit um 8 Uhr. Der morgendliche Sicherheitsanruf Nummer zwei ergab, dass er uns nicht abholen würde, sondern wir sollten um 9 Uhr zum Hafen kommen. Hier angekommen waren wir nicht die einzigen Mitfahrer, die die nächsten Stunden darauf warteten, dass dieser kleine Seelenfänger mit Nahrungsmitteln, Teppichrollen und Abflußrohren dermaßen beladen wurde, dass wir uns fragten, wo die insgesamt 15 Personen Platz nehmen sollten. Aber irgendwie fand dann doch jeder einen Sitz auf Joghurtflaschen und zum Ärgernis von Freddie auch auf Chipssäcken und wir konnten gegen Mittag endlich die Fahrt auf dem Rio Madre de Dios starten, der sich elegant durch den Dschungel windet.
Rio Madre de DiosDas Boot ist vollDa ist doch noch Platz!
Fünf Stunden BootskanteGoldsucherAaaaaaahhhhh!
Ein paar Goldsucher am Uferrand, die sich ihr Bootshaus zum Schlafen und Goldwaschen gebaut haben, boten Abwechslung von tiefgrünem Wald und braunem Fluss. Nach fünf Stunden in Puerto Pardo angekommen wurden nochmals alle Stempel kontrolliert und an der nächsten Anlegestelle zehn Minuten später, begrüßten uns gelangweilte bolivianische Soldaten in Puerto Heath, was nicht wie der Name verspricht einem Hafen ähnelt sondern lediglich aus drei Holzbarracken besteht. Hier versahen sie unsere Pässe mit einem Stempel für Einreise und Ausreise sowie mit einem handschriftlich eingetragenen Datum. Das wir nicht weiter über diese eher ungewöhnlichen Formalitäten nachdachten sollte später noch Folgen haben. Nach einer weiteren Stunde im Boot erreichten wir endlich unser Tagesziel Chive, ein kleines Dorf aus einem Platz und zwanzig Holzhütten am Ende der längsten Strasse Boliviens. Das einzige Hotel glich einem Hühnerstall und wir freuten uns schon auf neue Insektenstiche seitens der durchgelegenen Matratzen. Wir trieben sogar noch ein Lokal auf, jedoch nur um das schlechteste Pollo Frito der Reise zu essen und sahen bei einem Bier dem „Nachtleben“ des Dorfes zu, welches sich in einer handvoll Bretterbuden am Platz abspielte, wo man frisch eingedieselt und gestylt erschien, um gemeinschaftlich Gewalt-DVDs anzusehen. Die ersten Informationen bezüglich unserer Weiterfahrt taten sich auch schon auf. Seit Tagen sei kein Bus mehr ins Dorf gekommen wegen der Straßenblockaden. Die einzige Möglichkeit hier wegzukommen wäre mit Privatpersonen, die manchmal sehr früh morgens losfahren und Passagiere mitnehmen. Willkommen in Bolivien wo man jeden kleinen Unmut gleich in Strassensperren äußert!
Ausreise aus Peru in Puerto PardoBolivien, wir kommen!Folgenreicher Stempel in Puerto Heath
Chive: Hans, wann kommt der Bus?Handgezogene FähreTankstellenschlange auch ohne Grenzöffnung
Dass unsere Absteige tatsächlich mal ein Hühnerstall war (jetzt nur mit Betten versehen) stellte sich morgens um eins heraus, da der Hahn des Hofes unerläßlich krähte und uns zu Pollo Frito Gelüsten trieb. Zum Sonnenaufgang nach nur wenig Schlaf standen wir nun am Platz, um nach einem Auto Ausschau zu halten. Außer den letzten Betrunkenen des Abends, die uns ziemlich spannend fanden, sahen wir keine Menschenseele. Als gegen neun Uhr eine kleine Bude mit Plastikstühlen öffnete, suchten wir uns dort ein Versteck vor den Schnapsleichen und aßen unsere erste Manisuppe (Erdnusssuppe). Und wieder hieß es warten, warten und warten. Während wir alternative Transportmöglichkeiten suchten und schon eine Ladefläche eines LKW gefunden hatten,der immerhin heute noch das Dorf verlassen sollte, gingen die ersten Gerüchte über das Ende der Straßenblockaden herum. Unruhe kam auf, als um zwölf Uhr mittags tatsächlich der völlig verstaubte Bus auf den Platz vorfuhr. Mit einem Grinsen im Gesicht und einer frittierten Reiswurst in der Hand sprangen wir schnell auf. Über eine rote Staubpiste, die sich durch das ewige Grün des Dschungels schlängelt, preschten wir voran, überquerten zwei braune Flüsse mittels Floß, passierten ein paar kleine Siedlungen, wo uns fritierter brauner Fisch in den Bus gehalten wurde und kamen nach fünf Stunden Fahrt in Cobija an. Dieses Städtchen liegt zwar weit ab jeglicher Zivilisation mitten im Dschungel, durch seine Lage an der brasilianischen Grenze profitiert man aber durch regen Handel. Fast jedes zweite Geschäft ist ein Import-Exportladen, in dem man zollfreies Bier(!), Kleidung oder andere Produkte aus Brasilien kaufen kann. Benzin scheint trotzdem oft rar zu sein und so stehen längere Schlangen an Tankstellen, als ich sie gesehen habe, als die innerdeutsche Grenze geöffnet wurde und im weit gesteckten Grenzgebiet die Tankstellen Hochkonjunktur hatten. Auch den Bedbugs scheint der Ort ganz gut zu gefallen und mit etlichen neuen Bissen verließen wir Cobija in der Hoffnung in Zukunft mehr Tiere im Wald als in den Betten vorzufinden.
MotorfähreMarkt in RiberaltaStrassencowboy in Riberalta
RurrenabaqueAuf dem Weg zum Madidi NationalparkNicht bewegen!
Um keine zwanzig Stunden Fahrt zu absolvieren, beschlossen wir einen kleinen Umweg über Riberalta zu nehmen. Die Busfahrt dorthin führte wieder entlang der gleichen roten Staubpiste inklusiv zweier Flussüberquerungen per Floß, wo wir glücklicherweise nicht im Bus saßen, als dieser eine der Planken verpaßte und beinah in den Fluß kippte. Auf der anderen Seite bekamen wir dann El Sena zu Gesicht, dass Kaff, wo uns Freddie absetzen wollte. Chive war wirklich noch die bessere Wahl! Und als ob er unsere Gedanken lesen konnte, stand er auf einmal mit seiner Familie Freude strahlend vor uns. Nach großer Begrüßung und Verabschiedung und weiteren Stunden im Bus fuhren wir nach zehn Stunden in Riberalta ein. Hier hätten Kai und ich uns auch beinahe zum ersten Mal verloren, da wir aus Ermangelung an Taxis jeder ein Motorrad besteigen mußte und sich mein Fahrer, während der Fahrt als betrunken herausstellte, das ihm genannte Hotel mehrmals vergaß, den Weg dorthin ebenfalls und wir Richtung Dschungel abbogen, er mehrmals anhielt, um nach dem Weg zu fragen, nur um dann wieder an der Straße vom Hotel vorbeizufahren. Riberalta errinerte uns stark an das verschlafene kolumbianische Mompos. Still ist es dort, alte teils wunderschöne verlassene Häuser, leider jedoch meist verfallen, ein verlassener Malecon am Zusammenfluss von Rio Madre de Dios und dem Rio Beni, dann ein altes verrostetes Kriegsschiff mitten auf dem Fußweg und die Straßen, ob asphaltiert oder nicht, gleichen sozialistischen Allen, so breit sind sie angelegt und noch breiter erscheinen sie, da es meist nur eingeschossige Häuser gibt. Ein kleines untouristisches, verfallenes Paradies, aus dem man aber nach ein bis zwei Tagen aber auch wieder verschwinden möchte.
Zuckerrohr pressenChillenGehende Bäume
Capybara - ein WasserschweinSchmetterlinge beim Mineralien tankenFast zwei Meter Schlange
Unsere Flucht sollte nach Rurrenabaque gehen, einem kleinen Dschungelort, der als Urwaldparadies angepriesen wird. Diesmal führte die rote Staubpiste nicht durch grünen hochgewachsenen Baumbestand sondern durch kaum bewachsene lediglich mit Gras übersäate Landschaft, die sich Pampa nennt. Aus dem Bus heraus konnten wir mehr als hundert Kaimane zählen, Schildkröten, Strauße und zahlreiche bunte Vögel beobachten, die uns die zwölf Stunden Fahrt erheblich versüßten. Rurrenabaque hat seinen Dornröschenschlaf lange hinter sich. Bars, Touranbieter und Diskotheken prägen nun das Straßenbild, dennoch liegt es wirklich schön am Rio Beni, ist abseits der zwei Hauptstraßen doch noch sehr ursprünglich, und das noch völlig unentwickelte schlammige Flußufer bietet einen Ausblick auf hohe Kalksteinfelsen a la Laos und den Zugang zum größten und artenreichsten Naturreservat Boliviens dem Madidi Park. Da wir vom Urwald in Peru so sehr angetan waren, beschlossen wir kurzerhand noch einmal drei Tage dort zu verbringen. Wir gaben diesmal ein bisschen mehr Geld und wurden mit gutem Essen und gemütlichen Holzhäuschen belohnt. In diesem weiteren Flicken des riesigen Amazonasgebietes spürten wir neuen Tieren nach, lernten neue Pflanzen kennen und speisten wilde Palmherzen. Seit Mexiko immer auf der Suche nach einem wild lebenden Tapir und einem Jaguar, waren wir ihnen diesmal dicht auf der Fährte. Dass sich der Jaguar ganz in unserer Nähe aufhielt, konnte unser Führer durch Identifizierung von Jaguarkot beweisen. Den Tapier konnten wir anhand der abgenagten Knochen identifizieren, die eine Gruppe der Tacnas, der Ureinwohner, am abendlichen Feuer zurückgelassen hatten. Zumindest eine der Familien lernten wir kennen, bei der der einzige Mann Vater aller sechs Kinder und Liebhaber aller drei Schwestern war. Unser Aufenthalt im Madidipark wurde durch eine ziemlich große Ausbeute an Piranhias beendet, die wir am letzten Tag erst geangelt und dann verzehrt haben.
Aras im FlugAussicht geniessen......auf den Madidi Park
Pause mit PalmherzGibt es hier auch Piranhas?PapageienfelsenSchön und giftig
Unser Dschungelausflug war mit den unzählbaren Tieren und Pflanzen in einer völlig neuen Umgebung eine ganz neues Erlebnis und ein voller Erfolg. Auch weil wir einen Weg abseits der ausgetretenen Pfade eingeschlagen haben, der zwar mit mehr Aufwand an Kreativität, Geduld und Zeit verbunden ist, dafür aber mit fast unberührten Orten und nachhaltigen Erfahrungen belohnt.
Ja, es gibt Piranhas!Fangen, ausnehmen......und essen!

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24 August 2011

Es geht weiter...

Wir haben ein neues Laptop und sind wieder voll einsatzfähig. Nur die zweite Kamera fehlt noch. Nichtsdestotrotz fehlt uns unser Adressbuch seit Panama. An alle Reisefreunde seitdem:
Bitte schickt uns eine eMail mit Euren Kontaktdaten.
Nach wie vor der Hinweis, dass wir alle eMails bis zum 18.August verloren haben. Wer also noch auf eine Antwort wartet, bitte die betreffende Mail nochmals senden.

Notice: On August 18th our Laptop was stolen and we lost all eMails and Adressbooks. Friends we met while travelling, please send us an eMail, so we can restore our contacts.

19 August 2011

Wichtig:

Wer uns in den letzten Tagen eine eMail geschrieben hat und noch auf Antwort wartet, den bitten wir uns die Nachricht nochmal zu senden.
Der Grund ist, dass uns gestern leider unter anderem unser Laptop mit der gesamten Korrespondenz aus dem Hotelzimmer gestohlen wurde.
Das geplante Dschungelspezial ueber Peru und Bolivien wird leider in Ermangelung der Fotos entfallen muessen. Den Bericht gibt es dann mit dem Bolivien-Eintrag.